Sendedatum: 30.01.2012 22:45 Uhr

Rolf Seelmann-Eggebert ist 75

von Eva-Maria Lemke
Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert. © picture-alliance / dpa Fotoreport Foto: Wolfgang Langenstrassen
Was wären die Königshäuser ohne ihn: Rolf Seelmann-Eggebert.

Er ist der Zeremonienmeister des europäischen Hochadels - und ihr Trauzeuge. Ohne Rolf Seelmann-Eggebert wird nicht geheiratet: Das war vor dreißig Jahren so und das bleibt so.

Doch sein Weg in die Paläste der Welt begann inmitten der Hüttendörfer Westafrikas - 1968 als Korrespondent. Die Seelmann-Eggeberts zogen von Hamburg-Eppendorf an die Elfenbeinküste und erleben ein neues Familienleben. Der Vater reist viel durch Afrika. Die Kinder suchen derweil ihre ersten Ostereier unter Gummibäumen. "Es war das Kennenlernen einer ganz anderen Kultur", erzählt Seelmann-Eggebert. "Ich denke, dass insbesondere unsere Kinder einen ganz anderen Ausblick auf die Welt haben, als jemand der einfach in Eppendorf großgeworden ist."

Journalist im krisengebeutelten Afrika

Rolf Seelmann-Eggebert in den 70er-Jahren in Afrika. © NDR/privat
Rolf Seelmann-Eggebert während seiner Korrespondentenzeit in Afrika - Abidjan (1968-1971) und Nairobi (1971-1976).

Sieben Jahre lang entdeckte er für den NDR den Kontinent. Und er entdeckte die Macht der Fernsehbilder. Bald schon zog der Radio-Reporter nur noch mit Kamera los: Weil er den Menschen Bilder von der Armut in Afrika und von hungernden Kindern zeigen wollte. Und weil selbst ihm manchmal einfach die Worte fehlten. "Mit Wirkung von diesem Freitag ist es Afrikanern verboten, nach 19 Uhr in weißen Gebieten ein Restaurant zu betreten", spricht er Anfang der 70er im Apartheidsregime Rhodesien in die Kamera.

"Wenn Afrika einen Stellenwert haben will im Programm, kommt es nur aus der Vogelperspektive mit wunderbaren Urwäldern und langen Giraffenhälsen und mit Ähnlichem vor. Aber um Gottes willen nichts über Afrika oder afrikanische Menschen", kritisiert der Journalist. Er hat darüber geredet und immer wieder auch gehandelt.

Alles andere als ein Schön-Wetter-Reporter

Rolf Seelmann-Eggebert blieb Afrika treu. Als Unicef-Botschafter und heute mit der "World Childhood Foundation" setzte er sich gegen Kinderarmut ein - weltweit und gemeinsam mit Königin Silvia von Schweden. "Er ist nicht nur ein sehr kultivierter Herr, sondern einer, der auch mit dem Herzen spricht", so die Dame. Der Mann mit Manieren, die er perfektionierte, wo es sich gehört: Ende der 70er-Jahre wurde er Korrespondent in der Welthauptstadt der gediegenen Zurückhaltung - in London.

Seelmann-Eggebert war alles andere als nur ein Schön-Wetter-Reporter: "Hallo und guten Abend aus London! Jugendkrawalle, Streiks, Arbeitslosigkeit, das Nordirland-Problem. Das ist das tägliche Brot eines Großbritannien-Korrespondenten."

Ein Mann mit Gefühl für Takt und Tonfall

Rolf Seelmann-Eggebert, Programmdirektor FS (1982 - 1989) © NDR/Gita Mundry
Rolf Seelmann-Eggebert war von 1982 bis 1989 Programmdirektor des NDR Fernsehen.

Irgendwann hatte auch der Chefkorrespondent genug vom Reportieren und Moderieren und wanderte wieder ein: nach Hamburg. Beim NDR Fernsehen war er als Programmdirektor für alles, was läuft, verantwortlich: auch für die Neujahrswünsche zum Jahr 1987, in denen Helmut Kohl allen ein friedvolles Jahr 1986 gewünscht hatte. Es war das Band vom Vorjahr - die legendäre Verwechslung der Neujahrsansprachen. Eine falsche Handbewegung in der Regie - und am Ende war es sein Fehler, fanden manche. "Ich habe bis auf den heutigen Tag vier Aktenordner voll mit Briefen, in denen steht: Sie gehören aufgehängt, und von Leuten, die meinten, das war der Teufel selber", erzählt Seelmann-Eggebert.

"Hofberichterstatter" aus Europas Königshäusern

Rolf Seelmann-Eggebert ist ein Mann mit Gefühl für Takt und Tonfall - besonders auf der großen Bühne der europäischen Adelshäuser. Ohne ihn würde uns diese Welt wohl kaum so viel Spaß machen. "Wenn irgendetwas in Königshäusern passiert, dann möchte ich Rolf dazu sehen. Und wenn ich Rolf nicht mehr sehen kann, dann schalte ich diese Geschichten einfach nicht mehr ein", so Wolf von Lojewski, Fernsehjournalist. Und nicht nur den Journalisten-Kollegen gefällt der Stil, mit dem Rolf Seelmann-Eggebert kenntnisreich über royale Ereignisse berichtet: Für seinen Kommentar zu Hochzeit von William und Kate erhält er im Jahr 2011 den Deutschen Fernsehpreis - neben der "Goldenen Kamera" und dem "Bambi" ein Preis unter vielen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur - Das Journal | 30.01.2012 | 22:45 Uhr

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