VIDEO: Schauspieler Horst Frank (1989) (7 Min)

Horst Frank: Der ewige Bösewicht mit der guten Seele

Stand: 28.05.2024 00:00 Uhr

In seinen vielen Film- und Fernsehrollen war er auf den Bösewicht abonniert, sei es bei "Derrick" oder als Baron Lefuet in "Timm Thaler". Dabei hätte Horst Frank viel lieber geküsst statt gemordet.

von Nicola Millies, Jochen Lambernd

Sein Leben - ein Exzess. Horst Frank säuft, raucht, fährt alle Beziehungen an die Wand und verwüstet im Streit schon mal eine Wohnung. Seine vierte Ehefrau erträgt er nur, weil sie in getrennten Wohnungen leben. Und dennoch gibt es keinen aus seinem nahen Umfeld, der sich nicht liebevoll über diesen sensiblen Menschen und außergewöhnlichen Schauspieler äußert.

In Lübeck geboren, in Hamburg aufgewachsen

Am 28. Mai 1929 wird Horst (Bernhard Wilhelm) Frank in Lübeck als Sohn eines Porzellanmalers geboren. Seine Eltern trennen sich früh und er wächst in Hamburg und Ahrensburg auf. Seine Mutter ist nicht begeistert, als ihr Sohn den Wunsch äußert, Schauspielunterricht zu nehmen. Inspiriert wird er von Will Quadflieg. "Ich sah in Hamburg eine Matinee von ihm. Danach wusste ich, das kann ich auch. Ziemlich arrogant", erzählt er etliche Jahre später.

Von 1947 bis 1949 besucht er in Hamburg die Staatliche Hochschule für Musik und Theater. Das Geld für die Schule muss er sich neben seiner Ausbildung zum Kaufmann mit Jobs als Nachtwächter und Dekorateur selbst verdienen. Bei der Aufnahmeprüfung gibt Horst Frank Goethes "Faust" zum Besten. Allerdings nicht nur eine Rolle. Von der einen Seite zur anderen hüpfend, gibt er sowohl den Faust als auch den Mephisto als auch Gretchen.

Abonniert auf den zynischen Feigling und Antihelden

Szenenfoto mit Horst Frank aus "Fabrik der Offiziere" © MDR Drefa
Szenenfoto mit Horst Frank aus "Fabrik der Offiziere".

Bei der ersten Abschlussprüfung fällt er durch, der zweite Anlauf Ende 1951 ist erfolgreich. Schon 1950 erhält der Schauspieler sein erstes Engagement - am Lübecker Theater. Das Fernsehen wird Mitte der 1950er-Jahre auf ihn aufmerksam. Mehr als 110 TV-Rollen, 75 Kinofilme und mehr als 200 Theaterstücke kommen in seinem Lebenslauf zusammen. Gleich zu Beginn seiner Karriere, 1956 mit "Der Stern von Afrika", wird auch der Grundstein seines Rollenprofils gelegt: Die Produzenten sehen in ihm den zynischen Feigling, den Antihelden, den irrsinnigen Mörder, einen Verbrecher und Versager. Es folgen weitere Anti-Kriegs-Filme wie "Haie und kleine Fische" (1957), der Stalingrad-Film "Hunde, wollt ihr ewig leben" (1958) und "Fabrik der Offiziere" (1960).

Drei Jahre in Tansania verbracht

In den 1960er-Jahren versucht er, im heutigen Tansania in Afrika eine Kaffeeplantage zu betreiben. Drei Jahre bleibt er dort. Doch die politische Lage wird für Weiße zu gefährlich. "Man hat Nachbarn von mir die Hälse durchgeschnitten. Und das wollte ich nicht so gerne", sagte er 1989 in der NDR Talk Show. So kehrt Horst Frank wieder nach Deutschland zurück. "In Afrika habe ich mich selbst auf die Probe gestellt", sagte er später einmal. "Ich habe ergründet, ob ich noch zu etwas anderem tauge, als andauernd Menschen nachzugestalten, Menschen und Monster."

Weitere "Schurken-Rollen" folgen

Horst Frank spielt weitere "Schurken-Rollen", etwa als "Boss" Kiez-Milieu von St. Pauli oder in der Jerry-Cotton-Verfilmung "Um null Uhr schnappt die Falle zu" (1966) sowie in "Die Rache des Dr. Fu Man Chu" (1967). Im Jahr 1971 ist er an einem großen Publikumserfolg beteiligt: die Verfilmung des Romans von Johannes Mario Simmel "Und Jimmy ging zum Regenbogen". Frank wirkt danach in zahlreichen Krimiserien wie "Der Alte", "Der Kommissar" und "Derrick" mit. Auch im "Tatort", "Polizeiruf 110", "Soko 5113", "Großstadtrevier" und "Der Fahnder" ist er dabei.

Großer Erfolg als Baron Lefuet in "Timm Thaler"

Sene aus der Fernsehserie "Timm Thaler oder das verkaufte Lachen" mit (v.l.n.r.) Horst Frank, Thomas Ohrner und Richard Lauffen © picture alliance / United Archives
Erfolg mit der Serie "Timm Thaler": Horst Frank, Thomas Ohrner und Richard Lauffen (v.l.n.r.).

Zu seinen bekanntesten Fernsehrollen zählt die des Baron Lefuet ("Teufel" umgekehrt geschrieben, dem Charakter der Figur entsprechend) in der Kinderserie "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen" (1979). Die 13-teilige Serie, die Thomas Ohrner zu einem Kinderstar macht, ist 1979 ein regelrechter Straßenfeger. "Eine Serie, die mir sehr, sehr viel Spaß gemacht hat", erzählt Frank 1989 im NDR. Der gemeine Baron, der stets eine schwarz Nelke im Knopfloch trägt, kauft Timm Thaler sein unwiderstehliches Lachen ab. Auf dem Weg, es zurückzubekommen, legt ihm Lefuet viele Steine in den Weg.

Beliebtester TV-Widerling neben Klaus Kinski

Seine markante Stimme ist vielen auch aus der Hörspielserie "Die drei ???" bekannt, in der er ab 1979 jahrelang den Kommissar Reynolds spricht.

Horst Frank wird neben Klaus Kinski zum beliebtesten TV-Widerling. Dabei hätte er "für Deutschland viel lieber geküsst als gemordet", wie der Schauspieler einmal in einem Interview bemerkt.

Seine Liebe galt den Frauen

Er küsst viel, wenn auch nicht für die Kameras. Drei Ehen scheitern, der vierte Versuch mit Schauspielkollegin Brigitte Kollecker ist von Tobsuchtsanfällen und intensivsten Versöhnungen begleitet. Das Paar lebt getrennt. Horst Frank hätte einen Alltag nicht ertragen.

Horst Frank (Mitte) mit Dorothea Schenck und Jan Fedder 1998 bei den Dreharbeiten zur NDR Serie "Großstadtrevier". © picture-alliance / dpa Foto: Wolfgang Langenstrassen
Horst Frank (Mitte) mit Dorothea Schenck und Jan Fedder bei den Dreharbeiten zur Serie "Großstadtrevier" im Juni 1998.

Der exzessive Lebensstil des Schauspielers bleibt nicht ohne Folgen. Zeitweise trinkt er täglich eine Flasche Whisky, raucht mehr als 80 Zigaretten am Tag. Das Geld zerrinnt ihm in den Händen.

Bypässe, Lungenemphyseme - seine angeschlagene Gesundheit macht ihm im Alter mehr und mehr zu schaffen und erschwert ihm die Arbeit. Seine letzte Rolle führt Horst Frank im Frühjahr 1999 nach München. Dort spielt er mit Volker Lechtenbrink. Ausgelaugt macht der 69-Jährige im Anschluss eine Kur in Heidelberg. Dort legt er sich am 21. Mai 1999 zu einem Mittagsschlaf hin, aus dem er nie wieder erwachen soll.

Horst Frank wollte keine lebenserhaltenden Maßnahmen

Horst Frank mit Ehefrau Brigitte 1984. © dpa / picture alliance Foto: Hans Dürrwald
In der Beziehung mit Brigitte Kollecker flogen ordentlich die Fetzen. Doch in seiner schwersten Stunde steht sie ihm bei und trifft die schwerste Entscheidung ihres Lebens.

Einige Jahre zuvor hat Horst Frank bereits für genau diesen Fall festgelegt, dass er unter keinen Umständen lebenserhaltende Maßnahmen wünscht. Im NDR sagt er 1989: "Ich möchte nicht dahinsiechen und wenn es so weit ist, dass es dann auch sehr schnell geht." Seine Frau Brigitte muss die sicher schwerste Entscheidung in den 20 Jahren dieser krisengebeutelten Beziehung treffen: Am 25. Mai lässt sie die Geräte abschalten, drei Tage vor Horst Franks 70. Geburtstag. Am Abend hört sein Herz auf zu schlagen.

Eine Grabstätte auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg erinnert an den großen Bösewicht mit dem weichen und sensiblen Kern. Horst Frank hat einmal über sich gesagt: "Man kann mich hassen, verdammen. Mit Fingern zeigen auf mich. Die Faust in den Magen mir rammen. Nur vergessen, das kann man mich nicht."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Talk Show classics | 03.10.2009 | 00:45 Uhr

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