Stand: 27.05.2010 11:49 Uhr  - NDR Info  | Archiv

Auf den Spuren der Creutzfeld-Jakob-Krankheit

von Levke Heed
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Hans Gerhard Creutzfeldt entdeckt 1913 eine neue Hirnkrankheit.

Breslau 1913: Der Nervenarzt Hans Gerhard Creutzfeldt beobachtet an einer Patientin in der Breslauer Universitäts-Nervenklinik mysteriöse Symptome. Sie leidet unter bebenden Gesichtsmuskeln, unkontrollierten Zuckungen der Arme, einer verzerrten Sprache und epileptischen Anfällen. Nach kurzer Krankheit stirbt die junge Frau. Aufgrund seiner Beobachtungen vermutet Creutzfeldt eine Hirnkrankheit. Nach dem Tod der Patientin untersucht er ihr Gehirn und stellt "eine eigenartige, herdförmige Erkrankung des Zentralnervensystems" fest. Das Gehirn hat sich schwammartig aufgelöst. Der Forscher vermutet, dass er eine neue Krankheit entdeckt hat. Als Creutzfeldt seine Beobachtungen aufschreiben und veröffentlichen möchte, beginnt jedoch der Erste Weltkrieg. Der Mediziner wird zum Kriegsdienst eingezogen.

Erst sieben Jahre später publiziert er seine Erkenntnisse. Dabei kommt er dem Nervenarzt Alfons Maria Jakob einige Monate zuvor, der die gleichen Symptome bei mehreren Patienten beobachtet hatte. Alle sterben an der geheimnisvollen Krankheit. Sie wird 1922 nach ihren beiden Entdeckern Creutzfeldt-Jakob-Krankheit genannt. Die Ursache der Krankheit bleibt beiden Ärzten zeitlebens ein Rätsel. Heute wissen die Forscher, dass Eiweiße - sogenannte Prionen - eine zentrale Rolle spielen. Sie blockieren Nervenzellen, die schließlich absterben. Die Erkrankung führt in kurzer Zeit zum Tod und wird vermutlich vererbt oder aufgrund zufälliger Mutationen im Gehirn ausgelöst.

In der 1990er-Jahren bekommt die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit eine neue Bedeutung: Plötzlich taucht die Rinderseuche BSE auf. Die Symptome weisen deutliche Parallelen zur Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auf. Die Experten sprechen im Zusammenhang mit BSE nun von einer neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die aber durch den Verzehr von verseuchtem Rindfleisch ausgelöst wird. Auffallend ist, dass die neue Variante bei jüngeren Menschen auftaucht und der Krankheitsverlauf länger ist. Hans Gerhard Creutzfeldt ist plötzlich einer breiten Öffentlichkeit ein Begriff.

Arbeitsschwerpunkt: Hirnforschung 

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Creutzfeld forschte über die Anatomie des Gehirns.

Der bedeutende Hirnforscher stammt aus einer Mediziner-Familie aus Hamburg-Harburg. Am 2. Juni 1885 geboren, macht er 1903 sein Abitur und entscheidet sich, wie sein Vater, für ein Medizinstudium. Nach Stationen in Jena und Rostock besteht Creutzfeldt 1908 sein Examen in Kiel. Jetzt zieht es ihn in die Ferne. Am Bernhard-Nocht-Institut bildet er sich zum Schiffsarzt weiter und bereist zwei Jahre Südostasien und die Südsee.

1912 entscheidet Creutzfeldt, sich der Hirnforschung zu widmen. In seiner Arbeit untersucht er psychiatrische Erkrankungen und legt dabei das Hauptaugenmerk auf Veränderungen der Anatomie des Gehirns. Er arbeitet in den folgenden Jahren am St.-Georg-Krankenhaus in Hamburg, im Neurologischen Institut in Frankfurt am Main und an der psychiatrisch-neurologischen Klinik in Breslau. Nach dem Ersten Weltkrieg, den er als Marinesanitätsoffizier erlebt, arbeitet er in München als Assistent an der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie. Aber bereits nach einem Jahr zieht es Creutzfeldt wieder in den Norden. In Kiel übernimmt er eine Assistenzstelle an der Universitätsnervenklinik, wo er auch habilitiert. Hier beschreibt er erstmals seine Beobachtungen aus seiner Zeit in Breslau.

1924 geht der Forscher an die Charité nach Berlin. Dort arbeitet er unter dem bekannten Psychiater Karl Bonhoeffer als Assistent und Oberarzt an der Psychiatrischen und Neurologischen Universitätsklinik. 1938 kehrt Creutzfeldt mit seiner Frau Cläre und seinen fünf Kindern wieder an die Kieler Förde zurück, er übernimmt den psychiatrisch-neurologischen Lehrstuhl an der Universität und die Leitung der Kieler Nervenklinik.

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NDR Info | Logo - Das Wissenschaftsmagazin | 23.12.2016 | 21:05 Uhr

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