Stand: 04.06.2016 12:23 Uhr  - Nordmagazin  | Archiv

SED - Sozialistische Einheitspartei Deutschlands

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Eine Seite aus einem Mitgliedsbuch der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands).

Hervorgegangen aus dem zwangsweisen Zusammenschluss von KPD und SPD am 21./22. April 1946, wollte die SED die deutsche Arbeiterbewegung durch eine einheitliche marxistisch-leninistische Partei neu organisieren. Diese verstand sich dann seit dem III. Parteitag 1950 als "der bewusste und organisierte Vortrupp der Arbeiterklasse und des werktätigen Volkes der sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik".

Der erste Vorschlag zur Vereinigung der beiden Arbeiterparteien erging jedoch bereits im Juni 1945 vom SPD-Zentralausschuss an die Berliner KPD-Führung um Ulbricht. Für die KPD kam dieser Vorschlag jedoch zu früh. Erst als die SPD immer mehr Einfluss gewann und auch in der Zahl der Mitglieder die KPD überholte, änderte die KPD ihre Politik. Unter starkem Druck der Besatzungsmacht wurde die SPD trotz aller Widerstände zwangsweise mit der KPD zur SED fusioniert. Zunächst wurden alle wichtigen Positionen paritätisch besetzt, mit je einem ehemaligen Kommunisten und einem ehemaligen Sozialdemokraten.

Partei neuen Typs

Erste "Parteisäuberungen" wurden dann bereits auf der 12. Tagung des Parteivorstandes der SED am 28./29. Juli 1948 in Gang gesetzt, nachdem beschlossen wurde, die SED in eine "Partei neuen Typus" umzuformen, was die schnelle Übernahme des stalinistischen Parteimodells der KPdSU bedeutete. Hierzu bildete und besetzte man im Januar 1949 eine "Zentrale Parteikontrollkommission".

Die 1. Parteikonferenz vom 25. bis 28. Januar 1949 sanktionierte diese Beschlüsse und erklärte den "demokratischen Zentralismus" zum Prinzip des Parteiaufbaus und beschloss die Aufhebung der Parität: Von nun an sollten die besten und fähigsten Genossen unabhängig von ihrer früheren Parteizugehörigkeit in leitende Funktionen gelangen, womit die massive Verdrängung der ehemaligen Sozialdemokraten aber auch von kritischen ehemaligen KPD-Mitgliedern aus Führungspositionen, teilweise sogar aus der Partei, einherging.

Dies wirkte sich letztlich auch auf die Mitgliederzahlen aus: Hatte die SED 1948 circa zwei Millionen Mitglieder, sank diese Zahl im Juli 1950 auf nur noch 1,75 Millionen, im Juni 1951 gar auf circa 1,221 Millionen, bevor danach wieder ein stetiger Anstieg zu verzeichnen war: 1954 umfasste die SED 1.413.313 Mitglieder, im Dezember 1961 1.610.769, im Juni 1971 1.909.859, Mitte der 70er-Jahre über zwei Millionen, im April 1981 2.172.110 und im Mai 1989 2.260.979 Mitglieder und 64.016 Kandidaten der SED, wobei das Durchschnittsalter 45,2 Jahre und der Frauenanteil 36,5 Prozent betrug.

Säuberungswelle in der SED und Parteiausschlüsse

In der SED setzte ein Prozess der Reinigung von "unsicheren" Genossen ein. Die "Umwandlung zur Partei neuen Typus" führte in den Fünfzigern zu einem nicht enden wollenden "Kampf gegen den Sozialdemokratismus". Über die Jahre flüchteten deshalb 100.000 ehemalige Sozialdemokraten in den Westen. Tausende wurden von ostdeutschen Gerichten verurteilt - und das nicht selten zu 25 Jahren Haft. Etwa 400 der Inhaftierten starben.

Im Laufe der Jahre kam es immer wieder zu Versuchen, kritisches Gedankengut innerhalb der Partei zur Diskussion zu stellen, neue Wege in der Wirtschaftspolitik zu gehen oder sogar insgesamt den Sozialismus einer demokratischen Erneuerung zu unterziehen. Nach der Kritik an Stalin durch den XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 formierten sich innerhalb von SED-Intellektuellen Gruppen, die bei einer äußerlichen Entstalinisierung nicht halt machen wollten, sondern von einem demokratischen Sozialismus träumten. Wolfgang Harich formulierte eine Plattform, deren Tendenz er selbst national-kommunistisch nannte. Er wurde zusammen mit anderen Intellektuellen verhaftet und zu einer achtjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Seit 1963 machte sich Professor Robert Havemann zum Sprecher einer demokratischen Erneuerung. Er wurde von der Universität entlassen und aus der Akademie der Wissenschaften ausgeschlossen. Später wurde er in seinem Haus in Grünheide am Stadtrand von Berlin unter Hausarrest gestellt. Die Mitglieder des Kreises um Harich, Havemann wie auch sein Freund Wolf Biermann waren sämtlich zunächst SED-Mitglieder, überzeugte Kommunisten, hingen dem Marxismus-Leninismus und hielten die DDR für den besseren deutschen Staat.

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 05.06.2016 | 19:30 Uhr

Norddeutsche Geschichte