Stand: 06.08.2020 21:16 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Vor 75 Jahren: Hiroshima verbrennt im Feuerball

Zerstörtes Hiroshima nach der Atombombe. © dpa-Bildfunk Foto: Peace Memorial Museum Handout
Ein Großteil der Innenstadt von Hiroshima ist nach der Detonation komplett vom Erdboden verschwunden. (Archiv)

Der Tod kommt um 8:16:02 Uhr. Am Donnerstag vor 75 Jahren, am 6. August 1945, werfen US-Streitkräfte eine Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima ab, um das Land zur Kapitulation im Zweiten Weltkrieg zu zwingen. Zehntausende Menschen sind augenblicklich tot. Die Stadt ist ausradiert. Drei Tage später detoniert eine zweite Bombe über Nagasaki. Mit Gedenkveranstaltungen sollte in Niedersachsen an die zahllosen Opfer erinnert werden.

Abwurf der Atombombe: Mahnung an die Menschheit

Etwa 250.000 Menschen leben vor der Katastrophe in der Stadt, die eher ein Zufallsopfer war, so geschmacklos das klingen mag. 80 Prozent der Gebäude der Innenstadt sind nach dem Abwurf zerstört, ein Feuersturm fegt durch die Straßen. Hiroshima wird während des Kalten Krieges zu einem Symbol, einer Mahnung an die Menschheit hinsichtlich der zerstörerischen Wirkung ihrer eigenen Waffen.

Das "Manhattan-Projekt"

Bereits seit Jahren haben die USA an der Entwicklung einer Atombombe, am sogenannten Manhattan-Projekt, gearbeitet. Einem Einsatz gegen das Deutsche Reich kommt dessen Kapitulation im Mai 1945 zuvor. Bleibt Japan, dessen Soldaten den GIs weiter erbitterten Widerstand leisten, selbst wenn der Tod ihnen sicher ist. Eine Invasion der Insel war den US-Amerikanern auch deshalb zu riskant. Sie setzen auf die Bombe.

Hiroshima: Stadt mit wichtigem Militärstützpunkt

Ein Testlauf Mitte Juli in New Mexico klappt, danach wird es konkret: Präsident Harry Truman ordnet den Abwurf am 25. Juli 1945 an. Er überlässt dem Kommandanten der Pazifik-Streitkräfte die Auswahl des Zieles. Der entscheidet sich für eine Stadt, die bislang von den Angriffen der US-Luftwaffe eher verschont geblieben ist: Hiroshima - wo die japanische Armee einen wichtigen Stützpunkt unterhält.

"Enola Gay" startet Richtung Japan

Ein Taifun verschiebt den Einsatz, der eigentlich schon für den 1. August geplant ist. Fünf Tage später startet die "Enola Gay" der Airforce in Richtung Japan. An Bord: die Bombe mit einer geschätzten Sprengkraft von 12.500 Tonnen TNT. Zwar sichtet die japanische Luftwabwehr die "Enola Gay" und ihre beiden Begleitflugzeuge. Doch da die Flotte so klein ist, hält die Japaner sie zunächst für Aufklärer.

Die Katastrophe nimmt ihren Lauf

Die japanische Abwehr entscheidet, die feindlichen Flugzeuge nicht abzufangen. Ein tödlicher Irrtum. Unbehelligt fliegen die drei US-Maschinen in knapp zehn Kilometer Höhe weiter auf die Insel zu. Um 8:15:17 Uhr Ortszeit klinken die Soldaten an Bord der "Enola Gay" die Bombe aus. Noch 45 Sekunden bis zur Detonation über der Stadt. Das Unheil nimmt seinen Lauf.

Gedenkfeier in der Aegidienkirche

Die offizielle Gedenkfeier der Stadt Hannover, seit 1983 Partnerstadt von Hiroshima, fand am Donnerstag in der Aegidienkirche statt - dazu läutete die Friedensglocke, die die Stadt als Geschenk von der Stadt Hiroshima erhalten hat. In Braunschweig wurden Kerzen auf der Oker im Theaterpark entzündet. Auch in Göttingen und Walsrode waren Gedenkveranstaltungen geplant.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.08.2020 | 08:00 Uhr

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