Stand: 06.05.2020 16:03 Uhr  | Archiv

Das Kriegsende in Seesen und Buchholz

Im September 1945 wird in Seesen ein Denkmal eingeweiht. Der halbe Granitstein gilt als eines der ersten Gedenkzeichen für KZ-Opfer in Deutschland überhaupt. Er soll an den Tod von 23 ehemaligen Häftlingen des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora in Nordhausen (Thüringen) erinnern, die im April 1945 einen Räumungstransport aus dem KZ nicht überlebt hatten und auf dem Friedhof im Stadtteil Münchehof bestattet wurden.

Der Nazismus wird symbolisch zerstört

Initiator für das Denkmal war der KZ-Überlebende Joseph Soski. "Als Symbol für den zerschlagenen Nazismus", wie Soski später schrieb, teilten die Überlebenden einen Granitfindling mit der Inschrift "Großdeutschland", der von den Nationalsozialisten 1938 anlässlich der Annexion Österreichs in der Stadt aufgestellt worden war, in zwei Hälften. Der Teil mit dem Schriftzug "tschland" und einer durchtrennten Landkarte wird zum Grabstein.

Spurensuche in Seesen

Zehntklässler der Oberschule Seesen erzählen die Geschichte des sogenannten Tschland-Mals an verschiedenen Schauplätzen. Ihr Beitrag für den Geschichtswettbewerb des NDR Landesfunkhaus Niedersachsen und der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten ist ein eigens gedrehter Film. "Die Schüler laden ein zu einer Spurensuche über den Großdeutschland-Stein in Seesen", so die Jury.

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Der britische Feldmarschall Bernard Law Montgomery (2.v.r.) im Mai 1945 bei Lüneburg, während ihm eine deutsche Delegation unter Admiral Hans Georg von Friedeburg (l) die Übergabe der deutschen Truppen anbietet und um die Angabe der Bedingungen bittet. © dpa - Bildfunk

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Instagram: Was geschah in Buchholz in der NS- und Nachkriegszeit?

Ella Imgart, Studentin der Neuen und Neuesten Geschichte aus Buchholz in der Nordheide, hat sich bewusst für ein junges Medium entscheiden, um sich der Vergangenheit ihrer Heimatstadt zu nähern. Auf ihrer Instagram-Seite "Was geschah?" arbeitet sie anhand von historischen Schauplätzen auf, was sich in Bucholz in der NS- und Nachkriegszeit zugetragen hat. "Ich möchte primär junge Menschen erreichen", schreibt die 20-Jährige. "Ein Instagram-Account hat für diese Generation die gewohnte Bedienung, die leicht zugänglich ist - mehr noch als jede andere Website."

Orte des Verbrechens und des Gedenkens

Der Nutzer kann virtuell zu den Orten des Verbrechens und Gedenkens reisen und Geschichte anhand von alten und neuen Fotos, Schriftstücken und Karten nachvollziehen. "Ich sehe eine Möglichkeit, mit 'Was geschah?' auf die lokale NS-Vergangenheit aufmerksam zu machen, auf die viele sonst nicht gestoßen wären. Und so ist es vielleicht auch eine Möglichkeit, zur weiteren Auseinandersetzung anzuregen", so die Studentin weiter.

"Es gibt noch reichlich Geschichte aufzudecken"

Ella Imgart hatte, so schreibt sie, bis dato noch nie von Buchholz' nationalsozialistischer Vergangenheit gehört. Das viele Material, das sie bei ihrer Recherche fand, habe sie "überrascht und erschüttert". "Weiter musste ich feststellen, wie Täter ganz ungestört ihre Tätigkeiten nach der Befreiung und kurzer Internierung wieder aufnahmen und auch die Wahlergebnisse in Buchholz weiterhin ausgeprägt rechts waren." Das Instagram-Projekt führt die junge Frau weiter. Denn: "Es gibt noch reichlich Geschichte über Buchholz aufzudecken, zu vertiefen." Der Account solle dazu anregen, überall Geschichte wahrzunehmen und nachzufragen. "Besonders auf den Dörfern und in den Kleinstädten."

"Ein sehr ansprechendes Projekt zur Darstellung lokaler Ereignisse rund um das Kriegsende in Buchholz in der Nordheide", befand die Jury.

 

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 06.12.2019 | 19:30 Uhr

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