Stand: 19.03.2010 13:15 Uhr  | Archiv

Bunkerwart in Hamburg

1955 trat die Bundesrepublik der NATO bei und gründete die Bundeswehr. Bundeskanzler Konrad Adenauer wollte sogar die atomare Aufrüstung der Bundeswehr. 1957 im April machte ein Interview Adenauers die Pläne, Atomwaffen auf dem Boden der Bundesrepublik zu stationieren, öffentlich bekannt. Die Bewegung "Kampf dem Atomtod", vor allem von der SPD, Kirchen und Gewerkschaften getragen, forderte den Verzicht auf Atomwaffen. Am 19. April 1958 fanden Großdemonstrationen in Hamburg, Bremen, Kiel, München, Mannheim, Dortmund und Essen statt. In Hamburg gingen 120.000 Menschen auf die Straße - ein Nachkriegsrekord.

Bunker nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bunker durchaus noch genutzt. Sie dienten als Wohnungen und Arbeitsstätten für die Hamburger. In den 50er-Jahren sprengte die Stadt allerdings viele Bunker. 1957 trat das Luftschutzgesetz in Kraft. Als Folge wurde ein Frühwarnsystem aufgebaut - allein in Hamburg gab es 1.200 Sirenen. Alte Bunker wurden reaktiviert, neue gebaut. Die Bundesrepublik rechnete mit atomaren Angriffen auf deutsche Städte, insbesondere auf Hamburg. Die meisten Bunker entstanden in Hamburg in der Nähe von Verkehrsknotenpunkten, wie den großen Bahnhöfen.

Atombunker sind im Gegensatz zu den Bunkern des Zweiten Weltkrieges auf einen längeren Verbleib der Menschen angelegt. Für genau 14 Tage gibt es Vorräte, Wasser und Luft. Die Anlagen sind mit ABC Filtern, einem unabhängigem Wasser- und Energiesystem ausgestattet. Allerdings rechnete der Staat mit einer Vorwarnzeit von sechs Monaten, um die Bunker für den Ernstfall mit allem Notwendigen auszustatten.

Trügerische Sicherheit

Ob ein Bunker tatsächlich der Druckwelle einer Atombombe, die weit in das Erdreich wirkt, standgehalten hätte, scheint zweifelhaft. Einem direkten Atomschlag hätte wohl keiner der Atombunker standgehalten. Schutz boten sie allemal gegen radioaktiven Fallout und chemische Kampfmittel. Auch gab es keine Pläne für die Zeit danach. Schutzanzüge, die gegen die atomare Strahlung geschützt hätten, waren in den Bunkern nicht vorgesehen. Da nur 3,5 Prozent der Bevölkerung in den öffentlichen Bunkern Platz gefunden hätten, wurde auch dazu aufgerufen, privat Bunker anzulegen. Die Atombunker sollten die Menschen vor allem beruhigen und sie in der trügerischen Sicherheit wiegen, dass es im Ernstfall eine Überlebenschance gibt.

Der Tiefbunker am Berliner Tor in Hamburg

Gedreht wurde die Folge "Bunkerwart" im Tiefbunker am Berliner Tor. Von 1960 bis 1963 wurde die Anlage im Zuge der Neuorganisation des Zivilschutzes zu einem "Schutzbauwerk" umgebaut. Es ist ein Rundbunker, der sich über mehrere Etagen erstreckt. 440 Personen sollten hier im Notfall bei einem Atombombenangriff Schutz finden. Er ist einer der ersten Atombunker überhaupt. Der Bunker kann heute besichtigt werden.

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 21.03.2010 | 18:45 Uhr

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