Tatjana und Eugen Onegin © Sandra Then Foto: Sandra Then

"Eugen Onegin" feiert Premiere an der Staatsoper Hannover

Stand: 22.05.2022 06:00 Uhr

Am Samstagabend hat die Tschaikowski Oper "Eugen Onegin" an der Staatsoper Hannover Premiere gefeiert. Die Oper zeigt, dass es immer auch den richtigen Zeitpunkt braucht, damit zwei Menschen zum Paar werden.

von Agnes Bührig

Die gute Stube eines Landgutes, fern der Zivilisation: Hohe Bücherregale, Ölgemälde von verschneiten Flussläufen dicht an dicht gehängt, in der Mitte ein ausladender Tisch. An dem tummelt sich bald in munterem Treiben das ganze Dorf und beobachtet die Töchter des Hauses Olga und Tatjana.

Olga steht mit verzweifeltem Blick am Tisch. © Sandra Then Foto: Sandra Then
Bei den Liebesbekundungen am Tisch, scheint Olga nicht ganz wohl zu sein.

Regisseurin Barbora Horáková, die selbst in einem Drei-Familien-Haushalt in Prag aufgewachsen ist, hat die ständige Präsenz von Familie und Freunden, die sie als Kind erlebt hat, inspiriert. Wenn da plötzlich der Lenski der Olga ungefiltert vor allen die großen Gefühlen rausplaudert, dann könne das sehr peinlich sein. "Deswegen ist auch der Chor auf der Bühne - als jemand, der eigentlich die Gefühle von den anderen immer observiert und auch kommentiert", erklärt Barbora Horáková. "Diese fast dörfliche Kommunität, wo jeder sich eine Meinung macht, und jeder weiß über den anderen Bescheid."

Eugen Onegin: Eine ambivalente Figur

Eugen Onegin singt mit nacktem Oberkörper. © Sandra Then Foto: Sandra Then
Die Oper "Eugen Onegin" wurde 1878 von Peter Tschaikowski geschrieben. Sie basiert auf dem gleichnamigen Versroman von Alexander Puschkin.

Lenski und Olga sind verlobt. Olgas Schwester Tatjana verliebt sich unsterblich in Lenskis Freund Onegin. Von Gefühlen für den Dandy aus der Stadt überwältigt, offenbart sie sich diesem über Nacht in einem Brief. Doch der weist sie schnöde ab - aus Gefühlskälte, Überdruss am Leben.

James Newby, der an der Staatsoper Hannover zuletzt in englischsprachigen Produktionen wie Greek und dem Musical Sweeney Todd tragende Rollen verkörperte, singt den Eugen Onegin. Für den britischen Bariton ist es eine ambivalente Figur.  "Es wäre ein Leichtes, ihn als arrogante Person zu spielen, die nicht besonders nett ist. Aber ich denke, es geht tiefer", schildert der Hauptdarsteller. "Er verhält sich schlecht, rührt das Chaos an, aber er ist von Natur aus keine schreckliche Person. Es kommt vielmehr aus dem Gefühl heraus, ein Außenseiter zu sein."

Späte Einsicht: Tatjana blockt Eugen Onegin ab

Als Eugen Onegin Jahre später den Fehler einsieht und sich Tatjana nähert, weist sie ihn ab. Sie ist inzwischen verheiratet, hegt aber noch Gefühle für ihn. Doch der Zeitpunkt für den Beginn einer großen Liebe ist unweigerlich verstrichen. Es sind die eigenen Gefühle, die Peter Tschaikowski als homosexueller Mann im Zarenreich nicht offen zeigen durfte und die er doch zulassen kann - durch die Musik.

"Durch die Musik kommuniziert man etwas, was man durch die Wörter vielleicht nicht mehr ausdrücken kann. Und wenn es auch durch die menschliche Stimme als Instrument passiert, was einen direkt ins Herz trifft und was man auch direkt verstehen kann", erklärt Barbora Horáková. "Tschaikowski hat unglaublich mit Farben und gespielt und jeder Charakter hat seine eigene Klangwelt, die man wirklich auch spüren kann, wo man sich wirklich einfühlen kann." Regisseurin Barbora Horáková findet in ihrer Inszenierung eine Balance: Zwischen der großen Innerlichkeit gekränkter Gefühle und dem munteren Treiben an der Oberfläche.

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Der Zuschauerraum der Staatsoper Hannover ist gut gefüllt. © NDR

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