Stand: 16.11.2020 15:28 Uhr

Zur Sache: Wie leben - bleibt alles anders nach der Corona-Krise?

Die Corona-Pandemie hat unser Leben verändert - doch wie geht es danach weiter? Darum geht es in der ARD-Themenwoche vom 15. bis 21.11.2020 und darüber wurde in der Sendung Zur Sache mit Experten diskutiert.

Werden wir nach der Krise nachhaltiger leben?

Kinderhände halten einen Globus.  Foto: Nadezda Kraft

AUDIO: Wie leben - bleibt alles anders nach der Corona-Krise? (49 Min)

Erst K-Krise, dann C-Krise, auf Klimakrise folgt die Coronakrise. Und was kommt danach? Geht alles so weiter wie vor Corona? Oder ändern wir unser Verhalten, wie wir es ja wegen der Pandemie auch schon geändert haben - entweder weil wir es mussten oder weil wir einfach vorsichtiger geworden sind. Werden wir vielleicht nach der Krise nachhaltiger leben, weniger verreisen, mehr regionale Produkte einkaufen, weniger konsumieren?

Oder sind wir der Krisen überdrüssig und können uns vor lauter Corona nicht noch um Klimaschutz und Nachhaltigkeit kümmern? Man denke an die Heizpilze, das ständige Lüften bei laufender Heizung und die Einweg-Masken.

Tatsächlich gibt es bei der Klimakrise und der Coronakrise Gemeinsamkeiten: "Beide Krisen lehren uns, dass wir mit der Natur nicht verhandeln können und dass es sehr gefährlich ist, das zu ignorieren", sagt der Kieler Nachhaltigkeitsforscher Christian Berg. Und der Kieler Klimaforscher Mojib Latif sieht durchaus große Chancen, warum wir gerade jetzt die Chance ergreifen müssten, nachhaltiger zu leben. Ob der innere Schweinehund da aber mitspielt?

Nachhaltigkeitsforscher Berg: Viel erreicht, wenn jeder was tut

In der Sendung Zur Sache äußerte sich auch der Kieler Krisenforscher Frank Roselieb - in einem aufgezeichneten Interview. Die Gesundheit sorge gerade dafür, dass Themen wie Nachhaltigkeit und Klima bei den Menschen in den Hintergrund rücken, schätzt Roselieb. Ihre Gewohnheiten würden sie nach der Pandemie aber wahrscheinlich nicht ändern. Denn die Leidenserfahrung mit hohe Todeszahlen und strenge Lockdowns wie in anderen Ländern, habe es in Deutschland bisher nicht gegeben, meint Roselieb. Latif und Berg sind für die Zukunft dagegen optimistisch. Das habe aber weniger mit Corona an sich zu tun. Latif hofft, dass der geplante CO2-Preis ab kommenden Jahr die Emissionen senken wird. Berg sieht dass viele Unternehmen und die Politik schon auf Nachhaltigkeit setzen. Seiner Meinung nach bringt aber durchaus etwas, wenn jeder etwas umweltbewusster lebt und erinnert an den Text eines Kinderliedes "Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, dann werden sie das Gesicht der Welt verändern".

Wissenschaftler streiten über Wissenschaftler

Für Zündstoff sorgte eine Aussage Roseliebs im Zusammenhang mit seinem Argument, Klimaforscher würden gerne Alarmismus betreiben, das würde im Vergleich in der Pandemie-Forschung besser funktionieren. Hier erinnerte der Krisenforscher an eine ein paar Jahre zurückliegende Studie über angeblich bald schmelzende Polkappen - eine Studie, die er dem Weltklimarat zuschrieb. Mojib Latif reagierte ungehalten auf diese Aussage und warf Roselieb vor, einer BILD-Schlagzeile auf den Leim gegangen zu sein, der Weltklimarat habe nie etwas Derartiges geschrieben, Latif forderte deshalb eine Entschuldigung. Roselieb meldete sich noch während der Sendung - per Mail - zu Wort. Er habe nicht den BILD-Artikel zitiert, viel mehr sei die Studie einiger Wissenschaftler von 2007 breit in der Öffentlichkeit behandelt worden. Allerdings räumte Roselieb auch ein, dass die Studie nicht vom Weltklimarat sei, sondern die Arbeit des Rats kritisch reflektiere, dies sei möglicherweise missverständlich formuliert worden.

Was uns so oft daran hindert, nachhaltiger zu sein, warum es aber gerade jetzt in dieser Ausnahmezeit gelingen könnte und was wir Positives aus der Coronakrise mitnehmen können - darum ging es anlässlich der ARD-Themenwoche #Wieleben - bleibt alles anders in unserer Sendung Zur Sache auf NDR 1 Welle Nord. 

Klimaforscher Mojib Latif und Nachhaltigkeitsexperte Berg zu Gast

Talkgäste bei Moderatorin Dortje Harders waren:

  • Prof. Dr. Christian Berg, Nachhaltigkeitsforscher aus Kiel
  • Prof. Dr. Mojib Latif, Klimaforscher aus Kiel

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.11.2020 | 18:05 Uhr

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