Ein modernisiertes Bauernhaus steht am Ende einer Allee  Foto: Antje Kasemeyer-Strzysio

Füreinander da sein: Stockelsdorfer Wohnprojekt Spatzenhof

Stand: 17.11.2020 12:19 Uhr

Die ARD-Themenwoche unter dem Motto #WIELEBEN fragt: "Wie wollen wir in Zukunft leben?" Die Corona-Pandemie und die Globalisierung stellen uns vor große Herausforderungen. Was können wir nachhaltig verändern?

Für die etwa 30 Bewohner des Spatzenhofes in Stockelsdorf-Curau (Kreis Ostholstein) ist die Antwort eindeutig: Sie wollen auch in Zukunft genau so leben, wie sie es jetzt tun. Der Spatzenhof ist ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt. Fragt man die Bewohner, hört man: "Man verliert sich nicht aus den Augen, jeder kennt jeden. Aber jeder lebt sein Leben, wie er es sich einrichten möchte" oder: "Der ganze Trubel ist hier nicht - hier ist Ruhe und Natur".

Ein Mann und eine Frau sitzen auf einem alten Traktor
Heike Gover und Gerold Sagemüller hatten vor 25 Jahren die Idee zu diesem ungewöhnlichen Wohnprojekt.
Wohnungen im Schweinehaus und im Kornspeicher

Der Spatzenhof ist ein alter Bauernhof, ein Komplex aus vielen roten Backstein-Bauten und alten Stallungen, ziemlich genau 150 Jahre alt. Heute wird hier noch ökologischer Getreideanbau betrieben. 1996 hatte Heike Govers zusammen mit ihrem Partner Gerold Sagemüller eine Idee: "Wir hatten einfach viele Gebäude, die nicht mehr genutzt wurden - und haben dann überlegt, was wir machen können", erinnert sich die 75-Jährige. Aus dieser Motivation heraus wurde das Wohnprojekt gegründet. Die alten Ställe wurden so modernisiert, dass dort Eigentumswohnungen entstehen konnten. Schweinehaus, Kornspeicher, Scheune - überall leben jetzt Menschen: von klein bis groß, von alt bis jung.

Kein Leitmotiv für das Projekt

Ganz ungezwungen wohnt die bunte Gemeinschaft neben- und miteinander. Heike Govers hat sich bei der Gründung bewusst gegen ein bestimmtes Leitmotiv entschieden: "Das wollte ich nicht, so wie bei den Anthroposophen, dass sich alle an irgendwelche Regeln halten müssen", sagt sie, "jeder lebt für sich, aber es ist trotzdem eine Gemeinschaft da." Man helfe sich, man sorge füreinander, man sei füreinander da, heißt es in der Nachbarschaft. Und das genießen sie, sagen die Bewohner - gerade auch in Zeiten von Corona. "Wir sind ja hier die Oldies", lacht Heike Govers. "Deswegen wurde uns auch in der Corona-Zeit angeboten, für uns einzukaufen. Das fand ich sehr nett."

Idee auch für andere Höfe

Die Spatzenhof-Initiatorin kann sich vorstellen, dass ihr Konzept auch eine Zukunftsidee für viele andere Bauernhöfe sein könnte. "Bauern, die auch - wie wir damals - über Gebäude verfügen, die sie nicht mehr nutzen", meint Govers, "die könnten ja auch mal überlegen, ob sie da eine Gemeinschaft reinholen."

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Eine Weltkugel wird von zwei Händen schützend gehalten © fotolia.com Foto: dp@p

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Die Welt ist in der Krise - wie geht es weiter? Die Beiträge des NDR zur ARD-Themenwoche vom 15. bis 21. November 2020. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Horst und Mandy am Morgen | 16.11.2020 | 09:10 Uhr