Stand: 13.11.2018 23:59 Uhr

Richter-Spiel: Keine Gnade für Vorbestrafte?

von Claus Hesseling
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Angezählt oder unbescholten? Vorstrafen haben Auswirkungen auf mögliche Urteile.

Mit dem Gesetz in Konflikt geraten - das ist vielen Menschen in Deutschland schon einmal passiert, vor allem in jungen Jahren. Vielleicht belassen es Eltern, Polizisten oder Richter bei einem "Warnschuss" und damit ist der Weg auf die schiefe Bahn abgewendet. Wer aber vor Gericht rechtskräftig verurteilt wird oder einen Strafbefehl akzeptiert, ist vorbestraft und hat mit Nachteilen zu kämpfen - etwa im Arbeitsleben. Und was ist, wenn man sich dann wieder etwas zuschulden kommen lässt?

In dem ARD-Richter-Spiel haben wir die User mit insgesamt sieben Fällen konfrontiert. Das Besondere dabei: Bei insgesamt drei Fällen gibt es verschiedene Versionen. In der Regel geht es dabei um die Vorstrafen des Angeklagten. Die unterschiedlichen Varianten wurden in dem Spiel per Zufallsprinzip angezeigt. Hier ein Beispiel für drei Varianten desselben Delikts:

Der Fall: Betrunken Auto gefahren

Variante 1: Herr Vogel fuhr gegen 23.45 Uhr mit seinem PKW auf öffentlichen Straßen, obwohl er hätte erkennen können und müssen, dass er aufgrund vorangegangenen Alkoholkonsums fahruntauglich war. Seine Blutalkoholkonzentration lag 50 Minuten nach der polizeilichen Routinekontrolle bei 1,2 Promille. Herr Vogel ist 37 Jahre alt, deutscher Staatsangehöriger, verheiratet und hat drei Kinder. Er ist Verwaltungsangestellter und hat ein monatliches Einkommen von 1.800 €. Im Bundeszentralregister (Register, in das strafgerichtliche Verurteilungen eingetragen werden) ist für Herrn Vogel keine Verurteilung verzeichnet.

Variante 2: Wie im Ausgangsfall oben, aber: Im Bundeszentralregister wurde für Herrn Vogel eine Verurteilung zu einer Geldstrafe wegen des gleichen Vergehens verzeichnet. Das Urteil liegt 20 Monate zurück.

Variante 3: Wie im Ausgangsfall oben, aber: Im Bundeszentralregister wurde für Herrn Vogel fünfeinhalb Jahre vor der neuen Tat eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen schwerer Körperverletzung verzeichnet. Nach Teilverbüßung wurde die zunächst zur Bewährung ausgesetzte Reststrafe von 14 Monaten erlassen.

Obwohl die User nichts von den unterschiedlichen Varianten wussten, haben sie genau hingeschaut und ihre Entscheidungen abgewogen. Im Fall der Trunkenheitsfahrt fallen die User-Urteile umso härter aus, je gravierender die Vorstrafe:

Laut Strafverfolgungsstatistik wurden 2016 insgesamt 61.000 Menschen wegen Trunkenheit am Steuer verurteilt. 3.434 von ihnen wurden zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Mehrfach vorbestraft

Ähnlich sieht es aus beim Fall der Beamtenbeleidigung. Während die User bei dem "Erstfall" sehr nachsichtig sind und oft vom Freispruch, Einstellung mit Geldauflage oder gemeinnütziger Arbeit Gebrauch machen, sieht es bei Wiederholungstätern anders aus.

In der zweiten angezeigten Variante des Falls hießt es: "Im Bundeszentralregister sind für Herrn Tannen drei Einträge wegen Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Besitz von Betäubungsmitteln sowie Körperverletzung verzeichnet." Die User sehen in dem fiktiven Herrn Tannen einen Menschen, der öfter mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Umso deutlicher ist die Reaktion der User: Rund 20 Prozent fordern eine Freiheitsstrafe. Und das obwohl die eigentliche Tat Beamtenbeleidigung zu den leichteren Vergehen zählt.

Die im Durchschnitt größten Unterschiede gibt es jedoch beim Thema Ladendiebstahl. Dort ist die Differenz zwischen dem Täter ohne und mit Vorstrafen am größten. Während bei dem nicht vorbestraften Täter rund sechs Prozent eine Freiheitsstrafe fordern, sind es bei einem Vorbestraften 48 Prozent.

 

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Wie würden Sie urteilen bei Diebstahl oder Körperverletzung? Spielen Sie Richter in typischen Gerichtsfällen und vergleichen Sie Ihre Entscheidungen mit denen Anderer. mehr

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Dieses Thema im Programm:

14.11.2018 | 22:00 Uhr