Stand: 28.06.2016 10:46 Uhr  | Archiv

Schlaflos in den Wechseljahren - was tun?

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Frauen empfinden die Schlaflosigkeit als äußerst belastend, sehr viel mehr als andere Beschwerden der Wechseljahre.

Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Stimmungstiefs: Die Wechseljahre (Klimakterium) können für Frauen sehr unangenehm sein. Als besonders belastend werden dabei Schlafstörungen empfunden. Die Betroffenen wachen mitten in der Nacht auf und finden stundenlang keinen Schlaf mehr - tagsüber fühlen sie sich dann wie gerädert.

Erster Schritt: Voraussetzungen für guten Schlaf schaffen

Das kann eine Folge des sinkenden Östrogenspiegels sein, es gibt aber auch andere Ursachen: Eine Schilddrüsenüberfunktion oder Depressionen können ebenfalls zu Schlafstörungen führen. Das Wichtigste ist: Bei Schlaflosigkeit nicht in Panik geraten. Lieber erst einmal auf die Schlafhygiene achten: Ab dem frühen Nachmittag keinen Kaffee mehr trinken, nicht zu spät Sport treiben, abends nicht viel oder spät essen, gut lüften und kurz vor dem Schlafengehen nicht fernsehen. Experten raten außerdem zu regelmäßigem Ausdauersport.

Vor allem bei leichten Beschwerden können pflanzliche Wirkstoffe helfen, zum Beispiel Jamswurzel-Präparate. Auch die pflanzlichen Östrogene der Traubensilberkerze wirken gegen Hitzegefühle und depressive Verstimmungen. Bei Leberschäden oder hormonabhängigen Krebserkrankungen sollte man sie allerdings nicht einnehmen. Mönchspfeffer hilft gegen Beschwerden in frühen Phasen der Wechseljahre, wenn der Zyklus unregelmäßig wird. Pflanzliche Östrogene sind auch in Hopfen, Rotklee und Soja enthalten. Gegen leichte Schlafstörungen kann auch Akupunktur helfen. Von klassischen Schlafmitteln raten Experten wegen des Abhängigkeitsrisikos ab.

Wann ist eine Hormontherapie sinnvoll?

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Das Hormon Östrogen kann als Gel aufgetragen werden.

Treten Schlafstörungen zusammen mit Hitzewallungen auf, sind die Hormone schuld: Zur Eireifung ist Östrogen erforderlich, das durch Steuerungshormone aus dem Gehirn aktiviert wird. Sind irgendwann keine Eier mehr da, benötigt der Körper auch kein Östrogen mehr. Doch das will das Gehirn nicht so einfach akzeptieren und so sendet es weiter Steuerungshormone, um die Östrogen- und damit die Eiproduktion anzukurbeln. Diese sinnlose Hormonbefeuerung kann einige Jahre andauern und, so vermuten die Wissenschaftler, auch zu Schlafstörungen führen.

Eine Östrogen-Therapie hilft. Östrogene lassen sich als Gel auf die Haut auftragen oder als Tablette einnehmen. Bei Hormongel müssen zusätzlich Gestagene (Gelbkörperhormone) in Tablettenform eingenommen werden, um vor dem Risiko von Gebärmutterschleimhautkrebs zu schützen. Östrogene regen das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut an. Das kann zu krebsartigen Veränderungen führen. Gestagene reduzieren diesen Effekt und stabilisieren die Schleimhaut. Frauen, die eine Kombinationstherapie aus Östrogenen und Gestagenen korrekt anwenden, haben kein erhöhtes Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs. Wer aufgrund der Hormontherapie unter Haarausfall oder Bartwuchs leidet, sollte lieber Hormontabletten nehmen. Sie verbessern auch den Cholesterinspiegel.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Eine Hormontherapie über ein bis zwei Jahre ist gefahrlos, doch ab etwa fünf Jahren Behandlungsdauer steigt das Risiko signifikant an. Nehmen 1.000 Frauen fünf Jahre lang Hormone, gibt es zwei Brustkrebsfälle mehr. Frauen, die schon einmal Krebs hatten oder familiär vorbelastet sind, Knoten in der Brust haben oder unter Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems leiden, sind von einer Hormontherapie ausgeschlossen. Daher müssen Frauen vor Behandlungsbeginn gründlich untersucht werden - dabei wird auch die familiäre Vorgeschichte beleuchtet.

Links

Patientenratgeber "Der Schlaf von Frauen"

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin informiert (PDF zum Herunterladen). extern

Deutsche Menopause Gesellschaft e.V.

Informationen und Ansprechpartner. extern

Ist alles abgeklärt, sollte man bei Beschwerden mit dem Beginn einer Hormontherapie nicht zu lange warten. Denn ist der Körper erst auf Hormonentzug und werden dann Hormone zugeführt, scheint das Risiko deutlich größer zu sein. Bei hohem Leidensdruck sollte die Hormontherapie möglichst schnell beginnen - innerhalb von sechs Monaten nach Beginn der Wechseljahre.

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Katrin Schaudig
Gynäkologin
Hormonzentrum Altonaer Straße
Altonaer Straße 59
20357 Hamburg
Tel. (040) 30 68 36 55
Internet: www.hormone-hamburg.de

Im Beitrag:
Dr. Anne Schwenkhagen
Gynäkologin
Vorstandsmitglied Deutsche Menopause Gesellschaft e. V.
Hormonzentrum Altonaer Straße
Altonaer Straße 59
20357 Hamburg
Tel. (040) 30 68 36 55
Internet: www.hormone-hamburg.de

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