Stand: 08.04.2019 15:16 Uhr

Gebärmutterhalskrebs: Ist offene OP besser?

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Bei Gebärmutterhalskrebs wurde bisher die minimalinvasive Entfernung der Gebärmutter empfohlen

An Gebärmutterhalskrebs erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 4.500 Frauen. Auch im Frühstadium ist die operative Entfernung der gesamten Gebärmutter für Mediziner die Behandlung der ersten Wahl. Der Eingriff kann in einer sogenannten offenen Operation mit einem großen Bauchschnitt erfolgen oder minimalinvasiv mit einer sogenannten Bauchspiegelung: Dabei gehen Chirurgen mit einer Kamera und kleinen Instrumenten in den Unterleib.

Zwei Ärztinnen erläutern an einem Modell die Operation bei Gebärmutterkrebs.

Gebärmutterhalskrebs: Ist offene OP besser?

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Bei Gebärmutterhalskrebs kann eine offene Operation das Wiederauftreten von Krebs offenbar besser verhindern als ein minimalinvasiver Eingriff. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie.

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Studie: Rückfallquote bei offener OP geringer

Bisher sind Experten davon aus ausgegangen, dass die minimalinvasive Methode zur Entfernung der Gebärmutter schonender ist als eine offene Operation und ein Wiederauftreten des Krebses in gleichem Maße verhindern kann. Doch eine weltweite Studie hat diese Annahme widerlegt. Dazu wurden von 2008 bis 2017 mehr als 600 an Gebärmutterhalskrebs erkrankte Frauen aus zwölf Ländern untersucht. Das Ergebnis: Viereinhalb Jahre nach einer offenen OP lebten 96,5 Prozent der Frauen, ohne dass der Krebs zurückgekehrt war. Bei der minimal-invasiven Methode waren es 86 Prozent der operierten Frauen.

Mögliche Ursachen für höheres Rückfallrisiko

Als eine mögliche Ursache für das höhere Rückfallrisiko bei einer minimalinvasiven OP vermuten Gynäkologen die Verwendung von Manipulatoren. Mit diesen Instrumenten kann der Chirurg die Gebärmutter im Unterleib "anfassen" und festhalten. Weil die Manipulatoren in das Gewebe eingeschraubt werden, könnte der Tumor dabei  möglicherweise verletzt werden. Die bösartigen Zellen könnten sich im Bauch verteilen und erneut Krebs verursachen. In der Original-Studie ist nicht angegeben, welche Instrumente genau die Chirurgen beim minimalinvasiven Operieren benutzt haben. Mediziner in den Uni-Kliniken Hannover und Hamburg operieren schon immer ohne Manipulatoren.

Eine weitere mögliche Ursache für die schlechteren Ergebnisse der minimalinvasiven Methode ist das Kohlendioxid (CO2), mit dem der Bauch aufgebläht wird, damit die Chirurgen etwas sehen können. Theoretisch kann das Kohlendioxid Zellen zum Wachstum anregen. Der Gasdruck könnte Zellen verteilen. Dem halten Mediziner entgegen, dass auch bei vielen anderen minimalinvasiven Operationen CO2 verwendet wird, etwa bei Darmkrebs- oder Prostata-OPs. Bisher gibt es keine Hinweise, dass die Verwendung von CO2 die Prognose verschlechtert.

Minimalinvasive OP nur noch bei kleinem Tumor

Weitere Studien müssen zeigen, ob die minimalinvasive OP-Methode tatsächlich ein höheres Risiko für ein Wiederauftreten des Krebs birgt und was die Ursachen dafür sein könnten. Ärzte in Deutschland vermuten, dass unterschiedliche Techniken und Instrumente beim minimalinvasiven Eingriff eine Rolle spielen könnten.

Dennoch hat die Studie für Betroffene und behandelnde Ärzte schon jetzt Konsequenzen: Bei Gebärmutterhalskrebs wird Frauen mit einem Tumor, der größer als zwei Zentimeter ist, eine offene OP empfohlen.

Viren können Gebärmutterhalskrebs auslösen

Die Gebärmutter ist ein dickwandiges, muskulöses Hohlorgan. Sie hat die Form einer sieben bis zehn Zentimeter langen Birne. Die Gebärmutter besteht aus zwei Abschnitten - dem Gebärmutterkörper und dem Gebärmutterhals, der am sogenannten Muttermund in die Scheide mündet.

Der Gebärmutterhals ist innen mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die das Eindringen von Krankheitserregern verhindern soll. Zu bösartigen Veränderungen an der Schleimheit können beispielsweise sogenannte Humane Papillomaviren (HPV) führen.

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Experte zum Thema

Univ.-Prof. Dr. P. Hillemanns, Ärztlicher Direktor
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neubergstr. 1
30625 Hannover
(0511) 532 61 44
www.mh-hannover.de

Prof. Barbara Schmalfeldt, Klinikdirektorin
Klinik und Poliklinik für Gynäkologie
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
(040) 741 05 25 10
www.uke.de

Weitere Informationen
Weltweite Studie zur OP bei Gebärmutterhalskrebs
clinicaltrials.gov

Deutsche Krebsgesellschaft: Gebärmutterhalskrebs
www.krebsgesellschaft.de

Krebsinformationsdienst: Gebärmutterhalskrebs
www.krebsinformationsdienst.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 09.04.2019 | 20:15 Uhr

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