Stand: 30.01.2017 18:13 Uhr  | Archiv

Elektrosmog: Wo strahlt es wie stark?

von Carmen Woisczyk, NDR 1 Niedersachsen, Carsten Vick, NDR Info

Mobilfunknetze, W-LAN, DVB-T-Fernsehen oder Flugradare: Elektromagnetische Strahlung gibt es fast überall, vor allem aber in unseren Städten. Sehen kann man diesen Elektrosmog zwar nicht, aber er lässt sich messen. Wissenschaftler von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel fahren mit einem Messwagen und spezieller Technik durch die deutschen Städte und erfassen die elektromagnetische Strahlung flächendeckend bis auf den Straßenzug genau. Das ist neu, denn bisher wurde sie nur punktuell erfasst. Die Forscher wollen eine interaktive Feldkarte für ganz Deutschland erstellen, in der dann jeder nachsehen kann, wie stark es wo strahlt.

Elektromagnetische Strahlung ist zwar unsichtbar, aber dennoch fast überall. Doch kann sie auch zu gesundheitlichen Problemen führen? Befragte in Braunschweig sind geteilter Meinung:

"Ich habe gelesen, dass man besser weggehen sollte, wenn man vor einem eingeschalteten WLAN-Router sitzt."
"Man kann da nicht viel tun. Klar ist, dass in der Luft immer mehr Geräte rumfunken."
"Einen Fernseher im Schlafzimmer haben, dass vermeide ich auch."
"Ich persönlich habe da keine Probleme und vermute auch, dass da nicht wirklich etwas dahinter steckt."
"Immer wenn mein Handy auf dem Nachtschrank liegt, mache ich mir Gedanken darüber, aber ich fühle mich nicht beeinträchtigt." Meinungen bei einer Umfrage in Braunschweig

Informationen vor allem für elektrosensible Menschen

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Matthias Hampe hält eine Antenne in der Hand, die die Feldstärke hochfrequenter Strahlung misst.

Menschen reagieren unterschiedlich auf elektromagnetische Strahlung, sagt Professor Matthias Hampe von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel. Er fährt mit einem Auto, das mit spezieller Messtechnik ausgerüstet ist, durch Städte in ganz Deutschland und misst die Strahlung quasi im Vorbeifahren, um eine für jeden im Internet einsehbare Übersichtskarte zu erstellen. Sie biete vor allem elektrosensiblen Menschen die Möglichkeit, die Werte direkt vor ihrer Haustür zu überprüfen: "Es gibt elektrosensible Personen, die fühlen sich schon eher von elektromagnetischen Feldern beeinträchtigt, sie klagen dann über Schlaflosigkeit oder Unwohlsein", meint Matthias Hampe. "Selbst dann, wenn die gesetzlichen Grenzwerte einhalten werden. Die Karte könnte dann auch eine Grundlage für eine wissenschaftliche Kontrollmessung an auffälligen Orten über einen längeren Zeitraum sein."

Derzeit gültige Grenzwerte müssen überprüft werden

Welche Geräte senden welche Strahlung aus?

Im Internet finden Sie unter anderem hier Antworten auf die Frage, welche Geräte welche Strahlung aussenden:

Institut für Baubiologie und Nachhaltigkeit (IBN)
www.baubiologie.de

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
www.bund.net

Ökotest
www.oekotest.de
Ökotest-Artikel: Elektrosmog im Haus/Büro
www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=10391&gartnr=91&bernr=01

Akademie Bauen, Wohnen, Gesundheit - Baubiologie
www.akademie-bauen-wohnen-gesundheit.de

Professor Hampe will jetzt die elektromagnetische Strahlung im Braunschweiger Stadtgebiet messen. Er montiert eine sogenannte bikonische Antenne auf dem Fahrzeugdach, die über ein Kabel mit einem Empfänger im Kofferraum verbunden ist. Auf diese Weise können bis zu 80.000 Sender in bis zu zwei Sekunden vermessen werden, so Hampe. Mit einem Computer auf dem Rücksitz kann der Wissenschaftler die großen Datensätze während der Fahrt speichern und zusätzlich GPS-Daten aufzeichnen. So kann er später jedem Messzeitpunkt einen Ort zuweisen.

Nach der Fahrt wertet er die gesammelten Daten aus und speichert sie in der flächendeckenden Feldkarte ab. "Vor allem in Städten ist die Strahlung höher als auf dem Land", sagt Hampe. Dort sind oft auf hohen Gebäuden lange Sendeantennen zu sehen - wie zum Beispiel auf dem Braunschweiger Studentenwohnheim und in der Nähe des Stadions des Fußball-Zweitligisten Eintracht Braunschweig. Die Strahlung ist dort zwar hoch, liegt aber noch deutlich unter dem Grenzwert.  

Insgesamt haben die Forscher von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften mit ihrem Messfahrzeug in 203 Städten gemessen. Grenzwertüberschreitungen haben sie bisher nicht feststellen können. Da aber insbesondere elektrosensible Menschen auch schon bei niedrigeren Werten reagieren, sei es fraglich, ob die gesetzlich festgelegten Grenzwerte nicht etwas zu hoch angesetzt seien. 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 31.01.2017 | 07:08 Uhr

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