Stand: 14.08.2018 16:45 Uhr

Was hilft gegen Nacktschnecken im Garten?

Im Schutz der Dunkelheit kriechen in vielen Gärten ganze Horden von Nacktschnecken aus ihren Verstecken und machen sich über Blumen und Gemüse her. Gerade bei feuchter Witterung sind sie in ihrem Drang zu fressen kaum zu stoppen.

Nacktschnecken in einem Beutel mit Salatblättern. © NDR

Vier natürliche Tricks gegen Schnecken

Mein Nachmittag -

Wer ist nicht davon genervt, wenn die Nacktschnecken wieder das Salatbeet entern? Matthias Schuh zeigt einfache Tricks, mit denen man die Plagegeister schnell loswerden kann.

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Spanische Wegschnecke fast ohne natürliche Feinde

Knapp 90 Prozent der Fraßschäden in Gemüsebeet und Blumenrabatte stammen von der Spanischen Wegschnecke (Arion vulgaris). Sie wurde in den 60er-Jahren nach Deutschland eingeschleppt und hat hier fast keine natürlichen Fraßfeinde. Kröten, Igel und Vögel, die sonst gerne Schnecken vertilgen, machen einen Bogen sie. Die Tiere sondern nämlich so viel Schleim ab, dass die Nützlinge daran ersticken würden. Von der einheimischen Roten Wegschnecke (Arion rufus) ist die Spanische Wegschnecke äußerlich kaum zu unterscheiden.

Tigerschnegel frisst Eier

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Ein natürlicher Feind der Spanischen Wegschnecke: der Tigerschnegel.

Einen natürlichen Feind hat die Spanische Wegschnecke dennoch: den Tigerschnegel, eine 10 bis 20 Zentimeter lange Nacktschnecke aus der Familie der Schnegel. Dieser Nützling vertilgt nicht nur verwesende Pflanzenteile und tote Tiere, sondern auch die Eier der Spanischen Wegschnecke. Er soll die Tiere sogar angreifen. Tigerschnegel sollten also auf keinen Fall bekämpft werden. Das gilt beispielsweise auch für die geschützten Weinbergschnecken und Bänderschnecken.

Rechtzeitig Vorsorge treffen

Am besten ist es natürlich, wenn die Schnecken erst gar nicht an die Gartenpflanzen gelangen. Bewährt hat sich die Kombination folgender Methoden:

  • Blumentöpfe und Beetumrandungen mit einem speziellen ökologischen, durchsichtigen Schutzanstrich einstreichen, den es beispielsweise in Baumärkten zu kaufen gibt. Auf dem glatten Untergrund finden Nacktschnecken keinen Halt.
  • Gemüsebeeten grundsätzlich einen offenen, sonnigen Platz im Garten geben
  • Versteckmöglichkeiten wie hohes Gras in der Nähe gefährdeter Beete beseitigen
  • Nur den Wurzelbereich der Pflanzen gießen und den Boden feinkrümelig und trocken halten
  • Schneckenzaun (erhältlich im Fachhandel) um besonders gefährdete Beete ziehen
  • Natürliche Hemmschwellen um Beete ausbringen: Kalk, Sägespäne, Rindenmulch und Kaffeesatz mögen Nacktschnecken nicht

Schneckeneier im Spätsommer und Herbst aufspüren

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So sehen Schneckeneier aus. Ein Tier kann bis zu 400 Eier legen.

Im Herbst sollten Gartenbesitzer schon Vorsorge für das nächste Jahr treffen, denn die Schnecken sorgen im Spätsommer und Herbst für ihren Nachwuchs. Jede Schnecke legt bis zu 400 Eier. Die Gelege sollten deshalb aufgespürt und die Eier entfernt werden. Für die Eiablage bevorzugen Schnecken bestimmte Plätze: Unter Pflanzkübeln, der Regentonne, in Ritzen und Spalten im Gartenboden, in Erdlöchern oder auch am Wegesrand unter lockeren Steinen sind oft Eier zu finden. Die milchig-weißen Eier können im Müll entsorgt werden. Wer will, kann sie aber auch einfach freilegen. Dann vertrocknen sie in der Sonne oder werden von Vögeln aufgepickt. Nach einigen Tagen lohnt sich ein erneuter Blick in die Verstecke, weil Schnecken gern an ihren Lieblingsstellen mehrmals Eier ablegen.

Mit Salatfallen viele Schnecken auf einmal sammeln

Wenn alle Vorsichtsmaßnahmen nichts genützt haben, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Nacktschnecken wieder loszuwerden. Von Bierfallen ist abzuraten. Diese locken massenhaft Schnecken an, die dann in das Bier hineinfallen und ertrinken. Doch leider zieht der Geruch auch die Schnecken aus benachbarten Gärten an und vergrößert damit eher das Problem.

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Eine selbst gebastelte Sammelstelle erspart das Suchen.

Um mit einem Schlag gleich 20 bis 30 Schnecken absammeln zu können, hat sich die Salatfalle bewährt: Abends einzelne Salatblätter unter einem nassen Sack im Garten "verstecken" und einfach abwarten: Schon am nächsten Tag haben sich unter dem Sack viele Schnecken gesammelt, um sich an der "Salatbar" gütlich zu tun. Die vollgefressenen Tiere können einfach abgesammelt werden, sie dürfen auf keinen Fall auf den Kompost. Andere Orte, an denen sich Schnecken gerne verstecken sind Laubhaufen, Grasschnitt und Totholz. Überall, wo es feucht und dunkel ist, fühlen sie sich wohl. Wer die Verstecke kennt, spart sich langes Herumsuchen im Garten.

Schneckenkorn genau nach Herstellerangaben verwenden

Wer zu Schneckenkorn greift, sollte auf jeden Fall genau auf die jeweiligen Herstellerangaben achten und sich für das umweltverträglichste Produkt entscheiden. Der bekannte Wirkstoff Methiocarb darf seit September 2014 weder verkauft noch verwendet werden. Empfehlenswert ist ein Wirkstoff, der auch im Bioanbau zugelassen ist, nämlich Eisen-Phosphat. Eisen-Phosphat wird im Boden durch Mikroorganismen und spezielle Ausscheidungsprodukte der Pflanzen in pflanzenverfügbare Stoffwechselprodukte umgewandelt - Eisen und Phosphat sind bekanntlich Pflanzennährstoffe. Der Wirkstoff ist für Haustiere und freilebende Tiere wie Igel ungefährlich. Das Schneckenkorn lockt die Schnecken aus ihren Verstecken, schon kurz nach der Köderaufnahme bewirkt es einen Fraßstopp. Nach einigen Tagen verenden die Plagegeister.

Nacktschnecken mit Fadenwürmern bekämpfen

Relativ teuer ist der Einsatz von Nematoden der Gattung Phasmarhabditis hermaphrodita. Dabei handelt es sich um Fadenwürmer, die in die Schnecken eindringen und ein giftiges Bakterium absondern. Nach etwa sechs bis zehn Tagen sterben die Schnecken. Inwieweit die Nematoden auch gegen die Spanische Wegschnecke wirken, ist allerdings umstritten. Wer es dennoch ausprobieren möchte, sollte die Menge der Fadenwürmer verdoppeln. Das gilt ebenso für schwere Gartenböden, da sich die Nematoden in dieser Umgebung schlechter fortbewegen können. Auf keinen Fall sollten Nematoden in der Nähe von Gewässern eingesetzt werden, da sie auch Wasserschnecken töten. Zudem sollte man darauf achten, dass keine Fadenwürmer auf essbare Pflanzenteile gelangen. Nach dem Ausbringen gründlich die Hände waschen.

Lebendige Alternative: Laufenten mieten

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Ein Paar Indische Laufenenten kann etwa 1.000 Quadratmeter Gartenfläche schneckenfrei halten.

Zu den Lieblingsspeisen der Indischen Laufente gehört die orangefarbene Nacktschnecke. Das machen sich immer mehr Gartenbesitzer zunutze. Mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn stöbern Enten die Nacktschnecken in ihren Tagesverstecken auf und tragen sie dann zum Wasser, wo sie gierig verschlungen werden. Das Wasser ist wichtig, damit die Enten die Schnecken waschen können und nicht an ihnen ersticken, worauf man besonders bei jungen Enten achten sollte. Dafür eignet sich am besten ein Teich, in dem sie außerdem schwimmen können.

Links

Laufenten: Ratgeber zur Haltung

Die private Website laufis.de informiert unter anderem über Voraussetzungen zur Haltung von Laufenten. extern

Will man sich nicht gleich ein Entenpärchen anschaffen, das ausreicht, um einen bis zu 1.000 Quadratmeter großen Garten schneckenfrei zu halten, kann man sich die Schnattertiere auch ausleihen. Trotz ihrer Vorzüge im Garten sollte man sich Laufenten nicht unüberlegt zulegen. Wie bei allen Tieren gilt, dass die Voraussetzungen für eine artgerechte Haltung gegeben sein müssen.

Nacktschnecken mögen manche Pflanzen nicht

Wer sich den Ärger von Anfang an ersparen möchte, achtet schon beim Planen der Blumenbeete darauf, Pflanzen auszuwählen, die nicht unbedingt auf dem Speiseplan der Nacktschnecken stehen. Glücklicherweise gibt es eine ganze Reihe von schönen Pflanzen, die Schnecken in der Regel meiden oder sogar abwehren. Dazu zählen intensiv riechende Kräuter wie Rosmarin und Thymian, giftige Schönheiten wie Eisenhut und Fingerhut sowie Gräser und Farne. Auch dickfleischige Pflanzen wie Hauswurz und Fetthenne sind nicht beliebt bei Nacktschnecken.

Um diese Pflanzen machen Schnecken einen Bogen

Unbeliebtes Gemüse: Auswahl ist begrenzt

Bei Gemüse sind die Möglichkeiten deutlich begrenzter, die Schnecken fressen fast alles, ganz besonders gern grünen Salat. Verschmäht werden meistens beispielsweise Radieschen, Rettich, Spinat, Rote Bete, Tomaten, Sellerie, Schnittlauch, Zwiebeln, Petersilie und Endivien. Tipp: Ein Hochbeet erschwert Schnecken zumindest den Zugang zum Gemüse.

Weitere Informationen
9 Bilder

Fünf Tipps gegen Schnecken

Kaffee, Wolle, Folie: Gartenprofi Peter Rasch zeigt, was Schnecken überhaupt nicht mögen. Gleichzeitig schaden die natürlichen Methoden dem Garten aber auch nicht. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 14.08.2018 | 16:20 Uhr

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