Stand: 12.06.2019 14:25 Uhr

Die Brennnessel: Besser als ihr Ruf

Im Garten ist sie eher ein unbeliebtes Kraut - obwohl sie extrem nützlich ist: Die Brennnessel ist einer der Lieblingsfeinde vieler Gärtner und wird von ihnen unermüdlich bekämpft. Dabei gilt die Pflanze als Heilkraut - und zwar für Flora und Fauna.

Brennnesselsuppe

Gartentipp: Plädoyer für die Brennnessel

Nordmagazin -

Ob als Süppchen, als Jauche oder als Tee - die Brennnessel ist universell einsetzbar. Gartenexperte Peter Rasch hat Tipps, wie sich das unbeliebte Kraut sinnvoll einsetzen lässt.

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Ohne Brennnessel keine Schmetterlinge

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Nützliche Pflanze mit schlechtem Ruf: Die Brennnessel ist als Tee, Suppe oder Dünger einsetzbar.

Die Pflanze dient als Kinderstube für etwa 50 heimische Schmetterlingsarten. So legen etwa Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs, der Admiral oder das Landkärtchen auf den Halmen der Brennnesseln ihre Eier ab. Die Raupen finden hier energiereiche Nahrung. Und wenn sie genug Brennnesseln zu fressen haben, wandern sie auch nicht zu den Gemüsepflanzen in den Garten ab. Eine kleine Ecke mit Brennnesseln ist also durchaus nützlich.

Brennnessel zeigt stickstoffreichen Boden an

Außerdem ist die Brennnessel eine sogenannte Zeigerpflanze. Wo sie wächst, braucht in der Regel nicht gedüngt zu werden. Denn dann enthält der Boden viel Stickstoff, ist humusreich und feucht. Damit ist er also ein guter Standort für Tomaten, Paprika, Kohl, Kürbis, Zucchini und Gurken.

Natürlicher Pflanzendünger mit "Brennnesseljauche"

Die Brennnessel selbst enthält viele Mineralien und eignet sich perfekt zum Düngen von Gemüse und Blumen. Billiger und einfacher kann man keinen Dünger oder Pflanzenschutzmittel herstellen. Ein Kilo Brennnesseln wird klein geschnitten in zehn Litern Wasser eingelegt. Die Mischung muss möglichst weit entfernt von empfindlichen Nasen 14 Tage lang reifen. Währenddessen täglich umrühren, durch ein Sieb abgießen, dann ist die Jauche einsatzbereit.

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Wer es noch einfacher möchte, kann auch im Vorfeld gleich ein Tuch in den Eimer hineinlegen. Ist der Sud fertig, einfach das Tuch mit den Brennnesseln aus der Flüssigkeit ziehen. Die Jauche lässt sich direkt in Flaschen oder Kanister abfüllen, dann ist sie lange haltbar. Zum Gießen oder Düngen sollte der Sud 1:10 mit Wasser verdünnt werden, das ist ideal. Als Spritzbrühe ist die Konzentration ungefähr zwei Teile Brennnessel-Jauche und ein Teil Wasser. Die Jauche kann auch gegen Blattläuse oder andere Schädlinge eingesetzt werden. Es ist aber deutlich effektiver, die Pflanzen mit der Jauche zu stärken, bevor die Schädlinge in Massen auftreten. Am besten vorbeugend mit Brennnessel-Sud einsprühen.

Tee und Salat

Die Ernte von Brennnesseln ist das ganze Jahr über möglich. Im Frühjahr eignen sich die jungen Triebe besonders gut für die Küche. Aus frischen oder getrockneten Blättern lässt sich Brennnesseltee kochen. Er wirkt entzündungshemmend und entgiftend und enthält viel Folsäure und Eisen. Die Samen der Pflanze können gut in Salaten verarbeitet werden. Sie sind ein Energielieferant, ein heimisches Superfood.

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Brennnessel-Suppe

Die Brennnessel kann man zubereiten wie Spinat oder eine deftige, schnelle Suppe daraus kochen. Dafür ein paar Zwiebeln leicht in etwas Öl andünsten, klein geschnittene Kartoffeln für die Bindung hineingeben. Das Ganze mit Gemüsebrühe und etwas Wasser ablöschen und jungen Triebe der Brennnessel dazugeben. Die Suppe eineinhalb Stunden köcheln lassen. Am Ende noch mit Sahne verfeinern. Die Suppe ist basisch und reich an Vitalstoffen - gesunde leichte Kost für den Gärtner.

Ernten ohne sich zu verbrennen

Zum Ernten braucht man nicht mal Handschuhe, um Brennnesseln gefahrlos anzufassen. Denn die Brennhaare am Stiel der Pflanze stehen immer leicht nach oben. Mit einer leichten Aufwärtsbewegung greifen, dann passiert gar nichts.

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 13.06.2019 | 19:30 Uhr