Stand: 31.01.2020 15:18 Uhr

CD der Woche: Magische Momente mit Diana Damrau

Richard Strauss - Vier letzte Lieder
von Diana Damrau
Vorgestellt von Marcus Stäbler

Mariss Jansons galt als einer der größten Dirigenten der vergangenen Jahrzehnte. Zwei Monate nach seinem Tod erscheint jetzt eine CD mit einer seiner letzten Aufnahmen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Im Januar 2019 hat Jansons die Vier letzten Lieder von Richard Strauss dirigiert - gesungen von Diana Damrau, die sich im zweiten Teil des Albums Klavierliedern von Strauss widmet.

Dirigent Mariss Jansons und die Wiener Philharmoniker am Freitag, 1. Januar 2016, während des Neujahrskonzerts 2016 im Wiener Musikverein. © dpa - picture alliance / APA Foto: Herbert Neubauer
Mariss Jansons starb am 1. Dezember 2019 im Alter von 76 Jahren.

Bläser und Streicher verschmelzen zu einer Einheit, zu einem sinnlichen Klangstrom. Kaum ein anderer Komponist hat die Farbpalette des großen Orchesters so effektsicher genutzt wie Richard Strauss - und kaum ein anderer Dirigent hat diese Farben so leuchtend, so betörend und gleichzeitig klar gemischt wie Mariss Jansons mit seinem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Das ist auch in der Konzertaufnahme noch einmal zu erleben.

Im Zyklus der "Vier letzten Lieder" auf Texte von Eichendorff und Hesse umkreist der damals 84-jährige Richard Strauss Themen wie den Lauf der Jahreszeiten und die Hoffnung auf ein Jenseits nach dem irdischen Leben. Ob Mariss Janson seine eigene Endlichkeit gespürt hat, als er diese Musik im Januar des vergangenen Jahres dirigierte, wissen wir nicht. Jedenfalls trifft er den Ton von Abschied und milder Wehmut genau, im berückenden Miteinander seines Orchesters mit der Sopranistin Diana Damrau.

Magische Momente

Die Sopranistin Diana Damrau  Foto: Jürgen Frank
Diana Damrau fasziniert mit ihrer stimmlichen Flexibilität.

Damrau gilt nicht umsonst schon lange als herausragende Strauss-Interpretin. Sie verfügt über genau den Glanz und die Beweglichkeit, die der Komponist seinen Sängern abverlangt, aber auch über den stimmlichen Umfang und den Reichtum an Farbnuancen. Besonders hinreißend gelingen ihr die Schattierungen im Piano und Pianissimo. Da zaubert Diana Damrau einige wirklich magische Momente, gebettet auf den weichen Sound des Orchesters.

In den Forte-Passagen demonstriert die Sopranistin ihre beeindruckende Strahlkraft, wirkt dabei allerdings stellenweise auch eine Spur forciert; da schleicht sich vereinzelt eine leichte Schärfe ein. Trotzdem sind die Orchesterlieder, die etwa ein Drittel der Spielzeit ausmachen, der Höhepunkt des Albums.

Breite Vielfalt an musikalischen Charakteren

Im zweiten Teil singt Diana Damrau Klavierlieder von Richard Strauss, im vertrauten Zusammenspiel mit ihrem langjährigen Klavierpartner Helmut Deutsch. Auch da fasziniert Damrau mit ihrer stimmlichen Flexibilität und erkundet gemeinsam mit Helmut Deutsch eine breite Vielfalt an musikalischen Charakteren. Sie umfassen nicht nur die süffige Süße, sondern auch mitunter fast schon impressionistisch anmutende Stimmungen, wie im ersten der Ophelia-Lieder.

Diana Damrau und Helmut Deutsch offenbaren einen großen Reichtum an Nuancen, keine Frage. Aber das, was einen süchtig machen kann an diesem Album, das sind die Lieder mit Orchester.

Richard Strauss - Vier letzte Lieder

Label:
Erato

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 02.02.2020 | 15:20 Uhr

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