Stand: 23.03.2020 19:55 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

"SattMission" soll Bedürftigen und Gastronomie helfen

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Christopher Winkler und seine Cateringfirma machen mit bei der "SattMission".

Viele Tafeln im Land haben inzwischen geschlossen und auch andere Angebote für wohnungslose Menschen sind auf ein Minimum heruntergefahren. Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie treffen auch diejenigen, die es ohnehin schon schwer haben. Die Stadtmission Mensch in Kiel hat deshalb die Kampagne "SattMission" organisiert und will damit gleich zwei Seiten helfen. Während Obdach- und Wohnungslose nicht wissen, wo sie eine warme Mahlzeit herbekommen sollen, stehen viele Küchen im Land still. Restaurants oder Kantinen dürfen nur noch Lieferservices anbieten und haben dadurch deutlich weniger zu tun als sonst. Die Kampagne will zumindest einen Beitrag leisten, dass sich dieser Zustand ändert.

Ehrenamtliche fahren die Essen aus

Die Idee von Karin Helmer, Geschäftsführerin der Stadtmission in Kiel, und ihren Kolleginnen und Kollegen ist: Gastronomen bereiten warme Mahlzeiten zu. Mitarbeiter der Stadtmission und Ehrenamtliche fahren die Essen dann zu Notunterkünften und Tagestreffs und versorgen Obdach- und Wohnungslose. Helmer berichtet stolz: "Es ist uns gelungen, zwei Restaurants und eine Kantine zu finden, die kochen. Das ist toll." Auch Ehrenamtliche, die dann die portionsweise abgepackten Mahlzeiten verteilen, seien gefunden, so Helmer: "Sodass wir ab Montag (23.3.) täglich mehrere Hundert warme Essen zur Verfügung stellen können."

300 Portionen Hühnerfrikassee mit Reis

In der Küche von Christopher Winkler geht es deswegen am Montag wieder richtig rund. Winkler ist Chef der Firma "Guthaben Kantinen und Catering". In der letzten Woche ging es ruhiger zu, sagt er. Hochzeiten und Konfirmationen wurden abgesagt und die meisten Kantinen haben auch geschlossen. Nun aber steht er mit drei Mitarbeitern in der Küche und kocht 300 Portionen Hühnerfrikassee mit Reis für Wohnungslose: "Die Lebensmittel werden geliefert. Die verarbeiten wir jetzt und dann werden die rund 300 Portionen - hoffentlich - abgeholt. Das ging ja jetzt alles so schnell, aber ich denke, es klappt alles." Winkler hatte sich die letzten Tage schon gefragt, ob er nicht vielleicht Senioren beliefern könne: "Wir haben uns gefragt: Was können wir tun, um zu helfen? Und naja, was wir können, ist Essen machen."

Lebensmittel sind durch Spenden bezahlt

Ob am Ende Geld übrig bleibt, das weiß er nicht. Die Lebensmittel seien durch Spenden bezahlt, sagt Winkler: "Und ob wir dann noch was kriegen, wird sich zeigen. Es fühlt sich einfach gut an, in dieser beschissenen Zeit etwas für Leute zu tun, die es wirklich, wirklich brauchen können. Und wenn ich was zu tun habe, dann grübele ich auch weniger."

Ziel: Gastronomen sollen bezahlt werden

Die Stadtmission bittet um weitere Spenden für das Projekt. Sebastian Rehbach, der die Kampagne mitentworfen hat, erklärt: "Wir möchten auch die Gastronomen, die selbst derzeit unter den Einschränkungen leiden und am Rand ihrer Existenz stehen, für ihre Arbeit bezahlen." Einmal Spenden, zweimal helfen, nennt Karin Helmer das Prinzip.

Sie ist auch mit der Diakonie im Gespräch. Der Wohlfahrtsverband will laut Helmer prüfen, ob die Kampagne aus Kiel in ganz Schleswig-Holstein umgesetzt werden könnte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.03.2020 | 17:00 Uhr

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