Plattenteller in einer Diskothek © dpa

Disco-Betreiber in SH können Überbrückungshilfen beantragen

Stand: 04.01.2022 17:54 Uhr

Disco-Betreiber in Schleswig-Holstein können Corona-Hilfen beantragen - auch wenn sie ihre Clubs freiwillig schließen. Nach Weihnachtspartys sind Tausende Schleswig-Holsteiner in Quarantäne.

Betreiber von Diskotheken können auch in Schleswig-Holstein Corona-Hilfen beantragen. Die Überbrückungshilfen seien auch dann möglich, wenn ein Weiterbetrieb aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht wirtschaftlich wäre und die Diskotheken deshalb freiwillig schließen, sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) am Dienstag. Es sei keine Schließungsanordnung nötig. Diese Sonderregelung greife für die Zeit von November bis Dezember sowie laut Ankündigung des Bundes mindestens auch im Januar. Buchholz rechnet damit, dass die Regelung sogar bis März verlängert wird.

Tausende Besucher nach Weihnachtspartys in Quarantäne

Der Diskothekenverband selbst habe in einer Umfrage unter den Betreibern festgestellt, dass keiner plant, seine Disco zu öffnen, sagte Buchholz: "Das ist in der jetzigen Lage absolut sinnvoll." Nach Weihnachtspartys in Diskotheken mit zahlreichen Corona-Infektionen waren in Schleswig-Holstein mehrere Tausend Besucher in Quarantäne geschickt worden. Seit Dienstag sind bei Veranstaltungen drinnen nur noch 50 Teilnehmer erlaubt, zudem müssen Tanzveranstaltungen den Behörden angezeigt werden. Zur Einhaltung der 2G-Plus-Regel in Diskotheken und Bars gilt nur noch ein PCR-Test, der nicht älter als 24 Stunden sein darf.

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Silhouette eines Sängers im Schein einer Diskokugel. © fotolia, panthermedia Foto: nikkytok, nawaj

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Grüne: Schließung vor Weihnachten wäre richtig gewesen

Die Grünen im Landtag erklärten am Dienstag, aus heutiger Sicht wäre eine Schließung der Diskotheken wegen Corona schon vor Weihnachten richtig gewesen. "Die Feiertage haben gezeigt, wie hoch das Risiko von großen Tanzveranstaltungen ist", sagte Fraktionschefin Eka von Kalben. Die Landesregierung aus CDU, Grünen und FDP habe sich wegen der niedrigen Corona-Zahlen vor Weihnachten dazu entschlossen, dem Beschluss der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz zu weiteren Einschränkungen zu folgen. Dieser sah unter anderem vor, Kontakte erst spätestens ab dem 28. Dezember auch für Ungeimpfte und Genesene auf maximal zehn Menschen zu beschränken.

Jamaika-Antrag zur Feststellung der epidemischen Notlage

"Die Ausbrüche um Weihnachten haben gezeigt, dass auch die Vorgabe 2G-Plus, also geimpft und getestet, für Tanzveranstaltungen kein ausreichender Schutz ist", äußerte von Kalben. "Angesichts der stark ansteckenden Omikron-Variante müssen daher auch komplette Schließungen von Diskotheken und andere einschränkende Maßnahmen geplant werden." Grundvoraussetzung für eine komplette Schließung sei aber die Feststellung der epidemischen Notlage. Hierzu liegt ein Antrag der Jamaika-Koalitionen vor, über den der Landtag am Montag in einer Sondersitzung berät.

Buchholz spricht von "Schlaubergern, die hinterher alles besser wissen"

Auch FDP-Fraktionschef Christopher Vogt räumte ein, die De-Facto-Schließung der Diskotheken hätte die Koalition aus heutiger Sicht einige Tage vorziehen sollen. Das habe vor Weihnachten aber auch der Expertenrat des Landes nicht empfohlen. FDP-Kollege Buchholz sagte, damals sei bei einer Inzidenz von 150 niemand davon ausgegangen, dass in Diskotheken ein solches Ausbruchsszenario stattfinden könnte - "außer die Schlauberger, die jetzt hinterher sowieso alles besser wissen". Omikron "hat uns eines Besseren belehrt", sagte Buchholz.

Midyatli: Koalition hat Omikron-Variante "schlichtweg verschlafen"

Die SPD bekräftigte ihre Kritik an der Corona-Politik der Landesregierung. Das nördlichste Bundesland erreiche bei der Sieben-Tage-Inzidenz immer neue Höchststände, sagte die SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Serpil Midyatli. Das sei Folge nachlässiger Politik der Regierung um Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) vor Weihnachten: "Als andere Länder Clubs und Diskotheken geschlossen haben, zog Daniel Günther noch über die Weihnachtsmärkte und warb für Normalität im Land." Die Omikron-Variante habe die Koalition "schlichtweg verschlafen", so Midyatli. Vor kurzem sei das Land noch Musterschüler gewesen, "jetzt sind wir einer der Corona-Hotspots in Deutschland".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.01.2022 | 16:00 Uhr

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