Corona-Tests: Unterschiede, Funktionen, Anleitungen

Stand: 05.03.2021 11:54 Uhr

PCR-, Schnell-, Antigen- oder Selbsttest: Die Liste der Testverfahren für Covid-19-Infektionen wird länger. Auch Antikörpertests gibt es noch. Hier finden Sie alles zu Unterschieden und Handhabungen.

PCR-Test

Dieser Test gilt als der zuverlässigste von allen. Er wird mit einem tiefen Nasen-Rachen-Abstrich genommen, weil für ein möglichst zuverlässiges Ergebnis Material aus dem tiefen Rachenraum benötigt wird. Dabei führt geschultes Personal das Teststäbchen durch die Nase bis hinten an die Rachenwand, also bis hinter das Gaumenzäpfchen.

Das Ergebnis wird in einem Labor untersucht. Es dauert mindestens 24 Stunden, bis ein Ergebnis vorliegt. Der Test vervielfältigt das wenige Virusmaterial am Wattestäbchen. Über Anfärbungen mit fluoreszierenden Stoffen kann die Viruslast sichtbar gemacht und gemessen werden.

Der PCR-Test ist besonders für Personen mit Covid-19-Symptomen und deren direkte Kontaktpersonen geeignet. Wichtig zu wissen ist: Der PCR-Test liefert immer nur eine Momentaufnahme vom Zeitpunkt des Tests.

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PCR-Schnelltest

Dieser Test basiert auf dem gleichen Verfahren wie der PCR-Test. Allerdings muss das Wattestäbchen nicht erst in ein Labor gebracht werden. Die Auswertung findet direkt vor Ort statt - beispielsweise in einer Klinik. Deswegen liegen die Ergebnisse schon nach rund zweieinhalb Stunden vor.

Das Ergebnis des PCR-Schnelltests ist nicht so aussagekräftig wie beim PCR-Test. Der Test liefert nur die Ergebnisse "positiv", "negativ" oder "unklar". Sie sind deshalb eher als Anhaltspunkt dafür geeignet, ob jemand eine Notaufnahme, ein Altenheim oder eine Pflegeeinrichtung betreten darf. Bei einem unklaren Ergebnis sollte ein herkömmlicher PCR-Test durchgeführt werden.

Antigen-Test

Während der PCR-Test das Erbmaterial des Virus nachweist, schaut der Antigen-Test auf Reste der Virus-Eiweiße. Der Test ist in seiner Bauweise mit einem Schwangerschaftstest vergleichbar und lässt sich problemlos in großer Stückzahl anfertigen. Außerdem liefert er innerhalb von 30 Minuten ein Ergebnis. Allerdings gibt es je nach Hersteller Unterschiede darin, wie genau und wie empfindlich die Tests sind. Antigen-Tests sind dort geeignet, wo man schnell einen Anhaltspunkt für eine Infektion haben möchte - etwa in der Notaufnahme, einer Arzt- oder Dialysepraxis.

Auch dieser Test ist nicht so aussagekräftig wie ein PCR-Test. Die Antigen-Tests hätten eine deutlich schlechtere Empfindlichkeit, die sogenannte Sensitivität, erklärt der Kieler Virologe Prof. Dr. Helmut Fickenscher: "Sie können somit Infektionen auch übersehen, also ein falsch-negatives Ergebnis liefern." Auch falsch-positive, beunruhigende Ergebnisse kämen häufiger vor, so Fickenscher.

Ein negatives Antigen-Testergebnis schließt eine Corona-Infektion nicht aus, hier ist der Zeitpunkt der Probennahme entscheidend. Kurz nach einer Infektion liegt vielleicht noch nicht genug Virusmaterial für ein zuverlässiges Ergebnis vor - und wenige Tage nach Symptombeginn hat die Viruslast schon wieder abgenommen. Das Robert Koch-Institut hat festgelegt, dass alle derzeit auf dem Markt befindlichen Antigen-Tests von eingewiesenen Personen durchgeführt werden müssen. Deswegen ist der Antigen-Test nicht für Zuhause geeignet.

Antigen-Selbsttest

Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte hat mehreren Antigen-Schnelltests die Zulassung erteilt, die Liste der Behörde wird kontinuierlich aktualisiert. Diese Selbsttests kann man auch als Laie zu Hause durchführen. Dabei entnimmt man die Probe aus dem vorderen Nasenbereich und untersucht sie selbst. Das Verfahren und das Ergebnis gleichen dem Antigentest.

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"Die Empfindlichkeit (Sensitivität) und die Spezifität sind hier mindestens genauso eingeschränkt wie bei den durch professionelles Personal verwendeten Schnelltests", sagt der Virologe Prof. Dr. Helmut Fickenscher. Derzeit sei noch unklar, inwiefern Material aus dem vorderen Nasenbereich eine ausreichende Aussage erlaube. Man sollte den Selbsttest also nicht zu viel Vertrauen schenken und bei einem unklaren Ergebnis einen PCR-Test machen lassen.

Antikörpertest

Diese Tests weisen keine Infektion nach. Sie dienen nur dazu herauszufinden, ob jemand eine SARS-CoV-2-Infektion hatte und ob sich Antikörper gegen das Virus gebildet haben. Dieser Test gibt keine Aussage darüber, ob man noch ansteckend ist, wie lange die Infektion zurückliegt oder ob man gegen eine erneute Infektion immun ist. "Die meisten Tests erlauben keine Aussage, ob diese Antikörper dann auch vor einer Infektion schützen können", sagt der Virologe Prof. Dr. Helmut Fickenscher.

Wer wird in SH getestet?

Die Entscheidung darüber liegt bei den Gesundheitsämtern und den Ärztinnen und Ärzten. Sie orientieren sich an den Vorgaben des Robert Koch-Instituts, wonach Personen mit Symptomen einer Atemwegserkrankung getestet werden sollen - vor allem wenn diese Personen in der Pflege, in einer Arztpraxis oder einem Krankenhaus arbeiten oder direkte Kontaktpersonen einer nachweislich infizierten Person sind.

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Darüber hinaus werden Tests bei bestimmten Ausbruchsgeschehen, etwa in Pflegeheimen, angeordnet. Außerdem werden ab dem 8. März kostenlose Antigen-Schnelltests für jeden angeboten. Dieses Angebot kann einmal in der Woche genutzt werden. Wichtig: Es ist nicht möglich, sich "frei" zu testen, weil alle Tests nur Momentaufnahmen sind. Einen Tag nach einem negativen Test kann man positiv getestet werden, wenn sich die Viruslast im Körper erhöht hat.

Wo wird in SH getestet?

Das zuständige Gesundheitsamt oder die behandelnde Ärztin ordnet den Test an und lädt in eines der Testzentren oder die Praxis ein. Ein angeordneter Test ist kostenlos. Außerdem kann man sich gegen Gebühr in einem der landesweit elf Testzentren testen lassen. Dabei werden laut Gesundheitsministerium häufig Antigen-Schnelltests benutzt. Darüber hinaus gibt es mobile Teststationen. Auch Apotheken dürfen Selbstzahlern Testungen anbieten. Wer sich freiwillig testen lässt, muss die Kosten dafür selbst tragen. Diese sind unterschiedlich hoch und sollten vorher erfragt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.03.2021 | 12:00 Uhr

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