Frank Roselieb, Krisenforscher

Corona: Kieler Forscher kritisiert Krisenkommunikation

Stand: 23.10.2020 05:00 Uhr

Täglich prasseln neue Corona-Maßnahmen auf uns ein. Der Leiter des Kieler Instituts für Krisenforschung, Frank Roselieb, sagt: Die Krisen-Kommunikation der Politik laufe nicht optimal, das Krisen-Management hingegen schon.

Corona-Regeln, die widerrufen werden, Eilanträge vor Gericht, unterschiedliche Bußgelder für Maskenmuffel: In der Corona-Pandemie stößt so manche Entscheidung der Politik auf Unverständnis. Krisenforscher Roselieb kritisiert im Interview mit Eva Diederich im NDR Schleswig-Holstein die Krisenkommunikation der letzten Wochen. Es sei nicht genug erklärt worden. "Wir kommen vom Sommer-Modus der Pandemie in den Winter-Modus. Das heißt, das Virus reagiert anders, wir sind mehr im Raum drinnen, wir infizieren uns mehr." Sehen könne man das, so Roselieb, zum Beispiel in Timmendorfer Strand. Im Sommer habe es einen infizierten Gast gegeben, aber keine Folge-Infektionen. Nun habe man einen Fall mit 35 Folge-Infektionen. Gerade in der Hotelerie müsse man nun besonders aufpassen, warnt der Krisenforscher. Roselieb kritisiert zudem, dass die Politik gerade in der Hotelbranche viel ausgesessen habe: "Das Beherberbungsverbot wollte man nicht entscheiden, das hat man einfach an die Gerichte verwiesen."

Forscher fordert mehr Diskussion im Parlament

Roselieb, der auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) berät, sieht vor allem drei Punkte als wichtig an für eine gelungene Kommunikation: Zum Ersten müsse die Demokratie wieder gestärkt werden. Für Roselieb heißt das: Trotz der schnell verabschiedeten Allgemeinverfügungen müsse man im Parlament mit Regierungserklärungen arbeiten und diskutieren. Zum Zweiten rät der Krisenforscher zu "Ad-Hoc-Botschaften", wenn es denn steigende Infektionszahlen gibt oder - wie jetzt der Fall - Dänemark seine Grenzen für Urlauber aus Deutschland schließt. Und als Drittes braucht es nach Meinung von Roselieb "ein bisschen Grundrauschen". Die Infektionszahlen seien im Süden Schleswig-Holsteins relativ hoch. "Im Norden und in der Mitte tut sich relativ wenig, aber auch diese Menschen müssen merken, dass die Pandemie immer noch da ist", sagt der Wissenschaftler.

Roselieb: "Wir hatten noch nie so hohe Zustimmungszahlen"

In Sachen Corona-Verschwörungstheorien rät Roselieb dazu, aufzupassen, diese Menschen "nicht zu sehr auf den Thron zu heben". Mit Blick auf die sehr hohen Zustimmungszahlen zu den Entscheidungen - sowohl in der Landespolitik als auch in der Bundespolitik - würde er nicht von einer Spaltung der Gesellschaft sprechen: "Ich mache den Job jetzt seit 22 Jahren, wir hatten noch nie so hohe Zustimmungszahlen zu irgendeiner Krisenpolitk." Der Krisenforscher sagt aber auch - man sollte den Kritikern gut zuhören. "Gerade für die Krisen-Kommunikation kann man da sehr viel herausnehmen - wo muss man vielleicht nachsteuern oder besser argumentieren. Am Krisen-Management würde ich aber nichts ändern."

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein 18:00 | 22.10.2020 | 18:00 Uhr

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