Stand: 23.09.2020 20:16 Uhr

Wohin mit AKW-Bauschutt? Albrecht dementiert Festlegung

Soll der anfallende Bauschutt des Atomkraftwerks Brunsbüttel nach Lübeck kommen? Laut "Kieler Nachrichten" denkt das Umweltministerium darüber nach, zunächst 250 Tonnen Schutt auf der Deponie Lübeck-Niemark zu lagern. Eine Diskussion darüber schwelt schon seit Längerem. Der zuständige Minister Jan Philipp Albrecht wollte auf Anfrage NDR Schleswig-Holstein am Mittwoch eine solche Zwangsdeponierung nicht bestätigen: "Nein, es gibt keine Vorfestlegung auf Lübeck", so der Grünen-Politiker.

Albrecht: "Auch andere Standorte kommen in Frage"

Drohnenaufnahme der Deponie Lübeck-Niemark. © Johannes Kahts Foto: Johannes Kahts
Kommt AKW-Bauschutt auf die Lübecker Deponie Niemark? Umweltminister Albrecht sagt, man habe sich noch nicht darauf festgelegt.

Aber weil sich bisher keine Kommune bereit erklärt hat, den Bauschutt aufzunehmen, der beim schrittweisen Abriss des AKW Brunsbüttel anfällt, will das Umweltministerium dies nun bestimmen. Albrecht bestätigte NDR Schleswig-Holstein, dass der Müll einer Deponie zugewiesen werden soll. Es werde noch intensiv geprüft, wo der Schutt gelagert werden könne. Für so eine Zuweisung, so der Umweltminister, müssten zudem noch juristische Fragen geklärt werden. Weiter sagte Albrecht: "Besonders für zukünftige Chargen kann es durchaus auch sein, dass auch andere Deponie-Standorte mit infrage kommen. Aber klar ist eben, dass eine Eignung in Lübeck in jedem Fall vorliegt." Deswegen werde auch diese Deponie betrachtet, wenn es um die Zuweisung von Abfall-Chargen geht, so der Umweltminister.

50.000 Tonnen Bauschutt aus drei Atommeilern

Die Kernkraftwerke Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen), Brokdorf (Kreis Steinburg) und Krümmel bei Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) sollen in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren abgerissen werden. Beim Rückbau der drei Meiler werden etwa 50.000 Tonnen Mineralwolle, Isolierungen und Bauschutt anfallen - leicht kontaminiertes Material, das nicht in ein Endlager muss, sondern auf gewöhnlichen Deponien entsorgt werden kann. Die Landesregierung hatte stets versichert: Die AKW-Abfälle würden deutlich geringer strahlen als die natürliche Umwelt, es bestünde kein Gesundheits-Risiko. Albrecht erklärte am Mittwoch erneut: "Es geht nicht um radioaktive, nicht mal schwachradioaktive Abfälle, sondern es geht eben um nicht schwach radioaktive Abfälle."

Vattenfall: Bauschutt erst im kommenden Jahr

Laut AKW-Betreiber Vattenfall wird in diesem Jahr noch kein Bauschutt beim laufenden Rückbau in Brunsbüttel anfallen. Derzeit lagert nach Angaben einer Unternehmenssprecherin aber bereits Isolierwolle aus dem Kraftwerk auf dem Gelände. Es soll zu einer Deponie gebracht werden, sobald ein Standort gefunden ist.

Vier Deponien kommen infrage

Experten hatten im vergangenen Jahr befunden, dass sich dafür vier Standorte eignen: Wiershop (Kreis Herzogtum Lauenburg), Lübeck-Niemark, Johannistal (Kreis Ostholstein) und Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg). Drei weitere Deponien kommen demnach auch infrage, haben aber bald keine Kapazitäten mehr: Sie könnten perspektivisch die erwarteten Abfallmengen nicht aufnehmen, hatte das Energiewendeministerium erklärt.

Angst vor Kontamination und Image-Schaden

Ende des vergangenen Jahres hatte sich die Lübecker Bürgerschaft mit großer Mehrheit dagegen ausgesprochen, den kontaminierten Bauschutt aufzunehmen. Einerseits zweifeln Kritiker daran, dass das Material nicht doch schwach radioaktiv ist. Andererseits spielt die Angst, dass das Image leidet, eine Rolle - wie auch bei den anderen Gemeinden, die sich unwillig zeigten. Die stadteigene Deponie Lübeck-Niemark selbst hatte sich damals bereit erklärt, den Schutt aufzunehmen.

Allein Wiershops Bürgermeister Hans-Ulrich Jahn hatte im Februar gesagt, man wolle Verantwortung übernehmen. Allerdings hatte er eingeschränkt, dass ihr Recyclinghof lediglich den Bauschutt des AKW Krümmel aufnehmen wolle.

Lübecker CDU-Fraktionschef reagiert verärgert

Oliver Prieur, Chef der CDU-Fraktion in der Lübecker Bürgerschaft, reagierte sauer auf die Zeitungsnachricht am Mittwochmorgen, wonach eine Entscheidung gefallen sei: "Ich muss ehrlich sagen, als ich das heute Morgen in der Zeitung gelesen habe, ist mir fast wieder das Frühstück auf den Tisch zurückgewandert."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.09.2020 | 11:00 Uhr

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