Stand: 02.01.2020 19:30 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Windkraft: Bonus für Anwohner soll Akzeptanz steigern

Die SPD plädiert für eine Windmühlen-Prämie, um den Widerstand gegen Windräder vor der eigenen Haustür zu überwinden. "Die SPD will erreichen, dass diejenigen, die Windräder in ihrer Nachbarschaft akzeptieren und damit den Ausbau der erneuerbaren Energie ermöglichen, belohnt werden", sagte SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch der "Neuen Osnabrücker Zeitung". In einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe würden derzeit mehrere Konzepte geprüft, um die Akzeptanz von Windrädern zu erhöhen, sagte Miersch. Diese reichten von der Beteiligung der Kommunen am Umsatz von Windparks bis zu direkten Geldflüssen an alle betroffenen Anwohner. Der SPD-Politiker forderte eine Einigung noch innerhalb des ersten Jahresquartals.

Zustimmung und Skepsis

Die Reaktionen der anderen Parteien im Lande auf diesen Vorschlag reichen von Zustimmung (Die Grünen) bis zur generellen Ablehnung (AfD). Innerhalb der FDP gehen die Meinungen zu dem Vorstoß auseinander: Der energiepolitische Sprecher der FDP Landtagsfraktion, Oliver Kumbartzky, sagte dem NDR Schleswig-Holstein, das sei das alte SPD-Rezept, Konflikte mit Geld zu kippen und zu hoffen, dass sich der Rest regelt. Die FDP sei der Überzeugung, dass die Energiewende nur gelingen könne, wenn man andere Wege findet, bei dem die Gesellschaft zusammen bleibt, so Kumbartzky.

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Der Ausbau der Windkraft stockt. Die SPD will die Akzeptanz für Windräder stärken. Der Vorschlag - finanzielle Anreize für Windräder vor der eigenen Haustür. Mehr bei tagesschau.de. extern

FDP-Fraktionschef Christopher Vogt sieht das etwas anders. Demnach unterstütze die FDP im Kieler Landtag Bestrebungen im Bund, mit finanziellen Anreizen für Anwohner und Standortgemeinden die Akzeptanz der Windenergie zu steigern. "Ich glaube zwar nicht, dass sich die Akzeptanz der Energiewende erkaufen lässt", erklärte Vogt. "Aber dass die Standortgemeinden und die Anwohner am Gewinn beteiligt werden, halte ich im Sinne eines Lastenausgleichs für absolut diskutabel." Die beste Lösung zur Akzeptanzerhöhung blieben Bürgerwindparks, wie es sie bisher vor allem in Nordfriesland gibt, so Vogt. Diese seien aber nicht überall realistisch.

Ein ganzes Dorf als Windparkbetreiber

In Schleswig-Holstein gibt es bereits seit Jahren gute Beispiele dafür, wie betroffene Anwohner schon in die Planung von Windkraftanlagen eingebunden und auch an den Gewinnen beteiligt werden können. So sind die Windräder in der Gemeinde Raa-Besenbek (Kreis Pinneberg) nur 500 bis 700 Meter von den Häusern entfernt. Und natürlich hört man sie auch. Doch das stört hier niemanden, denn das ganze Dorf ist Windparkbetreiber. Ende der 90er-Jahre haben sie vier Windräder gekauft. Jeder konnte sich beteiligen und wird auch am Gewinn beteiligt. Am Anfang gab es natürlich auch Skeptiker. Aber dass man mit der Windkraft Geld verdienen kann, hat sie umgestimmt.

Ein Prozent der Ausschüttung gehen in soziale Projekte

140 Kilometer weiter nördlich in Sörup (Kreis Schleswig-Flensburg) stehen die Anlagen sogar nur 400 Meter von den Häusern entfernt. Auch dies ist ein Bürgerwindpark. Bei der Beteiligung kamen zuerst die direkten Anwohner zum Zug. "Es sind jetzt 90 Gesellschafter in der Gesellschaft, die gemeinsam ein Unternehmen gegründet haben und auch ein Mitspracherecht haben", sagt Thomas Jensen aus Sörup. "Das gibt ein Wir-Gefühl, so dass die Leute sich damit identifizieren können. Das verändert schon ein wenig auch ein Dorf", so Jensen. Und das Dorf bekommt noch etwas vom Windpark: Ein Prozent der Ausschüttung, etwa 10.000 Euro, gehen jedes Jahr an soziale Projekte, wie zum Beispiel die Tafel.

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Schleswig-Holstein Magazin | 02.01.2020 | 19:30 Uhr

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