Stand: 04.12.2018 09:14 Uhr

Wann ist ein Zaun wolfsicher?

Normalerweise jagen Wölfe möglichst energieeffizent. Sie trennen ein Beutetier wie ein Reh oder einen Rothirsch von seiner Gruppe, hetzen und erlegen es. Eine eingezäunte Herde auf einer Weide ist laut Experten für einen Wolf eine unnatürliche Situation. Schafe, Ziegen oder Rinder können in einer Umzäunung nicht flüchten, stattdessen rennen sie panisch über die Fläche. Dadurch wird bei dem Raubtier immer wieder der Jagdinstinkt ausgelöst. Die Folge: Mehrere Tiere werden bei einem Angriff verletzt oder getötet.

Diverse Zäune gelten als wolfsicher

Das Land bittet daher die Nutztierhalter, ihre Weiden besonders zu schützen, sofern sie innerhalb ausgewiesener Wolfgebiete leben. Wer schon mal einen Riss hatte, muss solche Zäune einsetzen, wenn er Entschädigungen bekommen möchte. Sie werden vom Land kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dabei gelten verschiedene Umzäunungen in Schleswig-Holstein als wolfsicher.

Elektronetze als Standardschutz

Elektronetze gelten in unserem Land ab einer Höhe von 106 cm als wolfsicher, wenn sie ausreichend unter Strom gesetzt werden. Mindestens 3.000 Volt sollen sie führen, besser sind 5.000 Volt. Da Wölfe in der Regel versuchen, sich unter den Netzen durchzugraben, müssen Bodenunebenheiten ausgeglichen werden.

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Breitbandlitzen erhöhen den Schutz von Elektronetzen.

Die Netze können durch eine stromführende Breitbandlitze erhöht werden. Eine Breitbandlitze ist ein flaches Kunststoffband, in das leitende Drähte eingearbeitet sind. Sie wird etwa 20 cm über dem Elektronetz gespannt und ist auch eine optische Barriere. Der Zaun ist durch die Erhöhung rund 125 cm hoch.

Alternative "Litzenzäune"

Litzenzäune bestehen aus vier, besser fünf Breitbandlitzen und sollen auch 3.000 oder 5.000 Volt führen. Die Mindesthöhe beträgt 100 cm. Experten empfehlen 120 cm. Der Abstand der ersten Litze zum Boden und zwischen der ersten und zweiten Litze sollte nicht mehr als 20 cm betragen. Die weiteren Strom-Litzen sollten im Abstand von 20 bis 30 cm folgen.

Festzäune wolfsicher machen

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Schaf hinter Knotengeflechtzaun

Für Festzäune (Wild- oder Knotengeflechtszaun aus verknoteten Drähten mit rechteckigen Maschen) gilt in Schleswig-Holstein eine Mindesthöhe von 120 cm, sie müssen einen guten Bodenschluss haben und intakt sein. Drei Möglichkeiten machen diese Variante wolfsicher:

1. Eine oder zwei stromführende Litzen aus Draht (mindestens 3.000, besser 5.000 Volt) im Abstand von 20 cm zum Boden.

2. An der Außenseite des Zauns wird 80 - 100 cm breites Knotengeflecht flach auf dem Boden ausgelegt und am Zaun festgebunden.

3. Neue Festzäune sollten 40 - 50 cm tief im Boden eingegraben werden.

Schnelle Hilfe durch flatternde Bänder

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Einfacher Trick: flatternde Bänder.

Bei einem Wolfsriss in unmittelbarer Nähe, bietet ein alter Trick temporären Schutz vor den Raubtieren. Sie trauen sich nicht durch Flatterbänder zu laufen. Bunte Lappen oder Baubänder im Abstand von einem Meter an einer Schnur erhöhen somit den Schutz. Dieser Trick ist aber zeitlich begrenzt, denn Wölfe gewöhnen sich mit großer Wahrscheinlichkeit an die Bänder und überwinden dann den Zaun. Darum sollten Weiden mit einer der genannten Zaunvarianten gesichert werden. Auch deren Schutz kann durch Flatterbänder erhöht werden.

BfN: Frühzeitig und flächendeckend einzäunen

Erfahrungen aus Sachsen haben gezeigt, dass Wölfe, die mehrfach ungeschützte oder nicht ausreichend geschützte Nutztiere erbeutet haben, immer wieder auch lernen, einfache Schutzmaßnahmen zu überwinden. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) empfiehlt daher als Herdenschutzmaßnahmen, 120 cm hohe elektrische Zäune oder 90 cm hohe Zäune mit zusätzlichen Flatterbändern frühzeitig und flächendeckend zu installieren.

Karte: Wolfsnachweise in Schleswig-Holstein

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.12.2018 | 17:00 Uhr

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