Tornesch: Erster Schießstand für sehbehinderte Menschen

Stand: 18.10.2020 15:08 Uhr

Udo Schöttler hat beinahe keine Sehkraft mehr - sieht nur noch Schatten. Dennoch ist seine Paradedisziplin das Luftgewehrschießen. Möglich macht das eine Schießanlage für Sehbehinderte.

Als Udo Schöttler vor zehn Jahren in Tornesch (Kreis Pinneberg) mit dem Schießen anfing, konnte er noch Zielscheiben anvisieren. Er gewann viele Pokale für seinen Verein. Doch dann griff eine Augenkrankheit seine Netzhaut an. Seit gut sechs Jahren hat er eine sogenannte Makula-Degeneration. "Das fing auf dem linken Auge an. Jetzt hab' ich auf beiden Augen so ungefähr zehn Prozent Sehkraft", erklärt Schöttler. Viel zu wenig fürs Sportschießen.

13.000-Euro-Anlage über Fördergelder finanziert

Aufgeben wollte Schöttler deswegen aber nicht. Er probierte es mit Hilfe der Vereinskollegen, sogar Ferngläser kamen zum Einsatz. Doch es half alles nichts. "Man muss einsehen, wenn man verloren hat. Und das war bei mir der Fall", sagt Schöttler. Sein Verein fand aber eine Lösung für den Schützen: die erste Schießanlage für Sehbehinderte in ganz Schleswig-Holstein.

Und so funktioniert's: Ein Gerät auf dem Gewehr misst mit Licht die Entfernung zum Ziel. Ein Piepton zeigt, wohin der Schütze auf der Zielscheibe zielt. Je nachdem, ob das die Mitte oder der Rand ist, verändert sich der Ton. Kostenpunkt für die neue Technik: rund 13.000 Euro, über Fördergelder finanziert.

Erfolg auch anderen Sehbehinderten ermöglichen

Für Schöttler ist mit der neuen Anlage das Schießen wieder möglich - auch wenn er für jedes Training weiterhin die Unterstützung der Kollegen braucht. "Wenn man mir sagt, dass ich da hingetroffen habe, ist das ein tolles Gefühl. Ich selber sehe das ja nicht und ich höre das auch nicht am Ton, ob es eine zehn oder acht ist. Aber wenn man mir sagt, dass ich annähernd an die zehn ran bin, das ist ein Erfolg", sagt Schöttler.

Dieses Erfolgsgefühl möchte Schöttler auch anderen Sehbinderten ermöglichen. Deswegen präsentiert der Verein die Anlage der Presse, Politikern, Handicap-Beauftragten. Sie rühren die Werbetrommel. Denn Schöttler hat ein Ziel: Er träumt von einer Schießgruppe für Sehbehinderte im Zehn-Meter-Luftgewehrschießen.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.10.2020 | 19:30 Uhr

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