Mehrere Kunden eines Friseursalons werden frisiert. © NDR Foto: Sebastian Parzanny

Runter mit den Haaren: Wie Friseure die Öffnung erlebten

Stand: 01.03.2021 19:28 Uhr

Friseure durften in Schleswig-Holstein am Montag wieder ihre Arbeit aufnehmen. Für sie ist der Lockdown beendet. Vielerorts ist der Schnitt teurer. Wer einen Termin will, braucht Geduld.

von Sebastian Parzanny

Friseur-Auszubildende Rosan Ibrahim desinfiziert einen Tisch. © NDR Foto: Sebastian Parzanny
Rosan Ibrahim ist in dem Kieler Salon, in dem sie arbeitet, die Hygienebeauftragte.

Scheren desinfizieren, Tische abwischen, den Luftreiniger einschalten, regelmäßig die Tür weit aufreißen: Rosan Ibrahim ist so etwas wie die inoffizielle Hygienebeauftragte im Friseursalon Mahlich nahe des Kieler Hauptbahnhofes. "Wir arbeiten ganz genau nach einem Plan. Es dürfen nur die Kunden in den Salon, die vorher einen Termin vereinbart haben, da ja pro Kunde und Mitarbeiter immer exakt 20 Quadratmeter vorgegeben sind. Um möglichst viele Kunden zu schaffen, arbeiten wir jetzt im Schichtsystem von 8 bis 20 Uhr", erzählt Ibrahim, die Auszubildende im ersten Lehrjahr ist.

Ausgebucht bis Ostern und Zwölf-Stunden-Tage

Ausgearbeitet hat den Plan ihre Chefin Julia Krieger. "Das habe ich mir schon vor einigen Wochen überlegt. Schon lange bevor klar war, dass wir wieder öffnen dürfen, kamen auch schon die ersten Anfragen", sagt Krieger. "Ich habe mir Gedanken gemacht, wie wir das umsetzen könnten. Jetzt sind wir bis Ostern ausgebucht. Mindestens so lange werden wir das Zweischichtsystem fahren."

Und dann klingelt auch schon wieder das Telefon. Die Salonchefin eilt hinter den Tresen, klemmt sich den Hörer zwischen Schulter und Ohr und sucht im Terminkalender nach einem freien Zeitfenster im April.  

Corona-Hilfeleistungen kamen viel zu spät

Auch über die Finanzen ihres Salons hat sich Julia Krieger frühzeitig Gedanken gemacht. Das zahlte sich später aus: "Ich hatte im Sommer schon so geplant, dass wir einen weiteren Lockdown finanziell schaffen können. Trotzdem war ich natürlich sehr angespannt, denn die Kosten liefen ja weiter."

Insgesamt arbeiten in dem Salon in der Kieler Innenstadt sechs Personen. Den Lockdown über waren sie in Kurzarbeit, berichtet die Salonchefin.

Zweieinhalb Monate hat Krieger auf die sogenannten Überbrückungshilfen 3 gewartet, erst kürzlich kamen die Abschläge. "Mein Steuerberater hat sich dahintergeklemmt. Aber zweieinhalb Monate für die Hilfen - das ist einfach zu lang", sagt Krieger.

Waschen beim Friseur ist nur noch eine Empfehlung

Salonchefin Julia Krieger telefoniert. © NDR Foto: Sebastian Parzanny
Die Schnitte im Friseursalon Mahlich von Julia Krieger sind teurer geworden - das Telefon steht trotzdem kaum still.

Um die Verluste aufzufangen, hat der Salon Mahlich die Preise erhöht: Zwischen zwei und fünf Euro kosten die Schnitte dort nun mehr als vor dem Lockdown. Hinzu kommen zehn Euro für das Waschen der Haare vor dem Schnitt. Das Waschen beim Friseur ist zwar laut Berufsgenossenschaft keine Pflicht mehr, aber eine Empfehlung, der die meisten Salons in Schleswig-Holstein folgen.

Innungsmeister zu Preisen: "Manche übertreiben es"

Auch im Haarstudio Schäfer in Wyk auf Föhr wird diese Empfehlung umgesetzt. Der Chef hier ist Innungsmeister Klaus-Dieter Schäfer, der für ganz Schleswig-Holstein sprechen kann: "Über die 10 Euro hinaus nehmen nun viele Friseursalons mehr Geld für einen Haarschnitt. Wenn es eine moderate Erhöhung ist, finden wir als Innung das okay. Zum Beispiel kosten die Hygienemaßnahmen Geld. Und viele Salons sind ja nicht komplett ausgelastet, da nicht so viele Kunden zeitgleich reindürfen", sagt Schäfer: "Einige übertreiben aber. Das ist nicht in Ordnung."

Die Kieler Salonchefin Julia Krieger ist nach dem ersten Tag geschafft, aber glücklich: Einige Kunden haben ihrem Team sogar kleine Geschenke mitgebracht, da sie sich so über das Wiedersehen gefreut haben. "Wir gucken positiv in die Zukunft", sagt sie. Offenbar sehr positiv, denn der Salon Mahlich sucht nun sogar nach neuem Personal.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 01.03.2021 | 19:30 Uhr

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