Stand: 03.03.2019 12:00 Uhr

Ran ans Mischpult: Auf den Spuren von Felix Jaehn

von Hauke Bülow

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Kleine Drehregler, große Wirkung: Sascha Sauerborn, Enzo Kirschstein und Lennart Birkenfeld (v.l.) sind fasziniert von digitaler Musikproduktion.

Bühnen, die aussehen wie Märchenwelten oder feuerspeiende Vulkane. Hunderttausende Menschen, die davor ekstatisch tanzen. Und Bässe, die im Magen wummern. Das ist die Welt von Star-DJs und Produzenten wie Felix Jaehn. Jenem 24-Jährigen, der seine ersten DJ-Erfahrungen in einem kleinen Lübecker Club gesammelt hat. Vermutlich nur ein Zufall. Aber nur wenige Hundert Meter entfernt von genau diesem Club lernen Schüler jetzt, was es heißt, ein DJ und ein Musikproduzent zu sein.

Nächster Halt: Festivalbühne

Der Weg für Enzo Kirschstein auf die großen Festivalbühnen der Welt ist sicherlich noch ein weiter. Aber der 18-Jährige hat das Ziel fest im Blick. Für ihn ist es ein Kindheitstraum, einmal beim Tomorrowland aufzulegen. Eines der größten House-Festivals der Welt, das jedes Jahr Hunderttausende Partyhungrige nach Belgien zieht. Für diesen Traum arbeitet der Abiturient hart. Jede Woche kommt er gemeinsam mit seinem Kumpel Lennart Birkenfeld zum Musikunterricht der etwas anderen Art in die Lübecker Musik- und Kunstschule. Ihr Fach: Musikproduktion und DJing. Ihr Lehrer: Sascha Sauerborn.

 

Im Gleichklang mit Geige oder Klavier

Der 33-jährige Schlagzeuger hat selbst mit 14 Jahren angefangen, am Computer Musik zu machen. Nach seiner musikalischen Ausbildung in Orchestern, Big Bands und der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg zog es den gebürtigen Rostocker wieder an die Ostsee. Seit rund einem Jahr unterrichtet Sauerborn nun an der Musik- und Kunstschule Schlagzeug - und eben auch Musikproduktion. Ein eher ungewöhnliches Fach in der norddeutschen Musikschullandschaft. "Der Kurs wird genauso angeboten wie Geige oder Klavier", erzählt Sauerborn ein wenig stolz. Gemeinsam mit seinen Schülern tüftelt der Musikprofi Woche für Woche an neuen Sounds und Wegen, Klänge zu erzeugen, die es vorher so noch nicht gegeben hat.

Soundtüfteln für Fortgeschrittene

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Schüler Enzo Kirschstein präsentiert auf seinem Laptop seine Hausaufgabe: Er sollte einen kurzen Song produzieren.

Enzo Kirschstein und Lennart Birkenfeld gehören zu den fortgeschrittensten Schülern, die Sascha Sauerborn hat. Entsprechend nutzen die drei Soundspezies im Unterricht auch sämtliche Möglichkeiten, die der Computer ihnen bietet. Beim drehen an den virtuellen Reglern auf dem Bildschirm überschlagen sich die Stimmen immer wieder vor Begeisterung. Wie viel nur kleinste Veränderungen in den Musikstücken für den Sound ausmachen können. Immer und immer wieder hören die drei Vollblutmusiker einzelne Passagen in ihren Songs an.

Bei einigen virtuellen Instrumenten fügen sie Filter hinzu, die dafür sorgen, dass die Instrumente erst ganz dumpf klingen und dann immer klarer und heller werden. "Bei elektronischer Musik können wir nicht so wie bei klassischer Musik mit Crescendo und Decrescendo arbeiten - also mit Lautstärkeveränderungen", erklärt Dozent Sascha Sauerborn. "Deshalb müssen wir andere Mittel benutzen."

Die ersten Songs im Netz

Auch wenn Enzo Kirschstein und Lennart Birkenfeld beinahe Profis in der Musikproduktion sind, kommen sie jede Woche gern in den Unterricht. "Das Wichtigste ist, immer am Ball zu bleiben und sich immer einen neuen Ansporn zu holen, weiterzumachen", findet Enzo Kirschstein. Lennart Birkenfeld dagegen freut sich vor allem über die guten Kontakte seines Lehrers in die Musikbranche. Unter dem Künstlernamen "Sischke" veröffentlicht Sascha Sauerborn bei verschiedenen Labels seine House-Tracks. Und auch seinen Schülern hilft er dabei. Lennart Birkenfeld hat so gerade seine ersten vier Songs unter dem Pseudonym "Myotys" als "EP" veröffentlicht, die sich House-Fans auf allen gängigen Musikplattformen anhören können.

Papa will Streicher, Sohnemann Beats und Bass

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Neben Soundtüfteleien gehört auch Musiktheorie zur Produktion dazu.

So weit wie Lennart Birkenfeld ist Lennox noch nicht. Der 13-Jährige kommt jeden Freitag gemeinsam mit seinem Vater Oliver Beck in die Musik- und Kunstschule. Die beiden sind damit zwar ein eher ungewöhnliches Schülerpaar, aber das stört sie keineswegs. Lennox spielt schon seit seinem achten Lebensjahr Klavier. "Das ist auch wichtig, wenn man Musik produzieren will", findet er. Denn auch bei elektronischer Musik sind Arrangements, Harmonien, und Melodien entscheidend, ob der Song gut wird oder nicht. Und der Schüler ist ein wahrer Perfektionist. Teilweise dauert es mehrere Stunden, bis er mit einer Melodie oder einem Sound zufrieden ist.

Während Lennox eher auf elektronische Beats und Bass steht, produziert Vater und Filmemacher Oliver Beck am liebsten epische Musik für seine Videos. "So ist man rechtlich immer auf der sicheren Seite, wenn man einen Film ins Internet stellt", sagt er. Zuhause haben Vater und Sohn schon länger Musik am Rechner komponiert. "Dabei sind wir allerdings oft an unsere Grenzen gestoßen. Hier bekommen wir jetzt professionelle Hilfe", erzählt der Videograf.

Auflegen vor vielen Zuschauern

Dozent Sascha Sauerborn jedenfalls ist froh darüber, wie sein Kurs in Lübeck angelaufen ist. Mittlerweile unterrichtet er zwölf Schüler und zwei Schülerinnen im Bereich DJing und Musikproduktion. Und diese können sich schon einmal ein bisschen an das gewöhnen, was Felix Jaehn und Co. jeden Tag erleben - Auflegen vor vielen Zuschauern. Beim Baltic Beat Battle treten DJs und DJanes jeden Alters gegeneinander an und müssen eine Jury von ihrem Können überzeugen. Der Gewinn: Der Song des Gewinners wird auf den großen Plattformen wie Spotify oder Apple Music veröffentlicht. Die nächste und zweite Ausgabe ist für November geplant. Bis dahin heißt es für Sascha Sauerborns Schüler also: üben, üben, üben.

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Dieses Thema im Programm:

Die Reportage | 28.02.2019 | 11:40 Uhr

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