Stand: 25.03.2019 14:49 Uhr

Puigdemont für einen Tag in Neumünster

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Der katalanischer Separatistenführer Carles Puigdemont (M.) gibt nach seinem Besuch in der JVA eine Pressekonferenz.

Eigentlich war es ziemlich ruhig um den katalanischen Separatistenführer Carles Puigdemont geworden, seit er im Exil lebt und am politischen Leben in seiner Heimat nur noch indirekt teilnehmen kann. Vielleicht auch deshalb nutzte Puigdemont den Jahrestag seiner Festnahme auf der A7 und der Inhaftierung in der JVA Neumünster für einen kleinen Medienauftritt. Unter den Blicken der Presse kehrte er am Vormittag in das Gefängnis zurück, schwer bepackt mit gelben Taschen voller Bücher.

Bücher katalanischer Autoren für die JVA

100 Bücher katalanischer Autoren in deutscher Übersetzung spendete der Politiker an die JVA. Er fühle sich glücklich, dieses Geschenk an einen Ort bringen zu können, der für immer mit seinem Leben verbunden sei, meinte Puigdemont auf einer improvisierten Pressekonferenz vor dem Gebäude der JVA. Die Bücher sind aus den unterschiedlichsten Genres: Poesie, Romane, Biografien. Alles von katalanischen Autoren, aus unterschiedlichen Zeiten. Wie Puigdemont sagte, will er weiter mit diesen Bücher - die das gesellschaftliche Leben der Katalanen widerspiegeln - erklären, warum Katalonien aus seiner Sicht unabhängig sein muss.

Neumünster rückte ins Rampenlicht

Vor einem Jahr rückte Schleswig-Holstein überraschend ins Interesse der Weltöffentlichkeit: Am 25. März 2018 nahmen Beamte der Autobahnpolizei den katalanischen Separatistenführer Carles Puigdemont auf der A7 bei Schuby (Kreis Schleswig-Flensburg) auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls fest. Die Polizisten brachten den Politiker in die Justizvollzugsanstalt in Neumünster. Nach 13 Tagen durfte er die JVA wieder verlassen, allerdings mit Auflagen. Eine davon war: Er musste in Deutschland bleiben.

Im Juli 2018 verlässt Puigdemont Deutschland

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Carles Puigdemont und seine Begleiter besuchen mit Tüten voller Bücher die JVA in Neumünster.

Im Juli 2018 hatte die spanische Justiz bereits auf die Auslieferung Puigdemonts verzichtet. Das Oberste Gericht in Madrid hatte mitgeteilt, den europäischen Haftbefehl zurückziehen zu wollen. Damit endete auch das deutsche Auslieferungsverfahren der Generalstaatsanwaltschaft in Schleswig. Ende Juli verließ Puigdemont Deutschland und lebt seither im Exil im belgischen Waterloo bei Brüssel, wo sich der 56-Jährige ein Haus gekauft hat. In seiner Heimat besteht weiterhin ein Haftbefehl gegen Puigdemont. Er will sich der spanischen Justiz aber nicht stellen: "Ich glaube nicht an Märtyrer, sondern an Demokratie und Gewaltenteilung." Beides sei in Spanien nicht gegeben, behauptet der katalanische Separatistenführer in einem Interview des belgischen Fernsehens.

Weitere Informationen

Spanien verzichtet auf Auslieferung Puigdemonts

19.07.2018 16:00 Uhr

Die spanische Justiz verzichtet nach eigenen Angaben auf eine Auslieferung von Carles Puigdemont. Der katalanische Separatistenführer war im März in Schleswig-Holstein festgenommen worden. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.03.2019 | 12:00 Uhr

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