Leere Bahnsteige im Lübecker Hauptbahnhof © NDR Foto: Hauke von Hallern

Pro Bahn Schleswig-Holstein kritisiert erneuten Bahnstreik

Stand: 20.08.2021 17:38 Uhr

Der Fahrgastverband Pro Bahn Schleswig-Holstein Hamburg hat Kritik am erneuten Bahnstreik geäußert. Ab Sonnabend wird der Güterverkehr bestreikt. Ab Montag dann der Personenverkehr.

Es stelle sich die Frage, ob ein Streik während einer Pandemie angemessen sei, so Pro Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann. UV Nord-Präsident Philipp Murmann sieht das ähnlich. Der Norddeutsche Wirtschaftsverband forderte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) auf, die angekündigten Streiks abzusagen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Der Machtkampf der Gewerkschaft darf nicht auf dem Rücken der Wirtschaft und der ganzen Gesellschaft ausgetragen werden. Die Liefer- und Transportketten sind pandemiebedingt ohnehin schon gestört und stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen", so Murmann. Eine weitere Unterbrechung durch längere Streiks im Güterverkehr gefährde die Erholung der Wirtschaft erheblich.

Pro Bahn: Streikfahrplan zu Friedenszeiten aushandeln

Wegen der frühen Ankündigung könnten sich Fahrgäste dieses Mal aber wenigstens besser auf den Streik einstellen, so Pro Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann. Er forderte, dass sich die Gewerkschaft ein Beispiel an Italien nehmen solle, was die Streikvorbereitung betrifft. "Dort verhandeln die Gewerkschaften mit den Eisenbahnunternehmen zu Friedenszeiten einen Streikfahrplan. Der ist dann auch in den Fahrplänen veröffentlicht. So etwas wäre eine vernünftige Maßnahme", sagte er.

60 Prozent der Regionalzüge fallen aus

Im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn hatte die Lokführergewerkschaft (GDL) angekündigt, dass ab Sonnabend, 17 Uhr, der Güterverkehr bestreikt wird. Ab Montagfrüh, 2 Uhr, ist dann der Personenverkehr betroffen. Laut Bahn werden im Regionalverkehr und bei den S-Bahnen vermutlich etwa 60 Prozent der Züge ausfallen. Im Fernverkehr werden demnach voraussichtlich 75 Prozent der Züge nicht fahren. Ob und wie sich der Streik zum Beispiel auf die Züge anderer Anbieter wie der Nordbahn auswirkt, hängt davon ab, ob auch die Infrastruktur der Bahn bestreikt wird - wie zum Beispiel die Stellwerke. Dann hätte das nach Angaben einer Bahnsprecherin auch Auswirkungen auf die Nordbahn. Klar ist das aber erst am Montagfrüh um 2 Uhr. Bis Mittwochnacht, 2 Uhr, soll der Arbeitskampf dauern.

Die Deutsche Bahn bittet alle Reisenden am Montag und Dienstag auf Fernreisen zu verzichten, wenn Sie nicht zwingend fahren müssen. Die Ticket-Gültigkeit wird demnach ausgeweitet. Einen Ersatzfahrplan hat die Deutsche Bahn inzwischen auf ihrer Webseite veröffentlicht.

Folgenden Fahrplan versucht die Bahn, laut ihrer Webseite, während des Streiks aufrechtzuerhalten:

  • RE 6 (Westerland(Sylt) – Hamburg-Altona): Zwischen Westerland und Niebüll wird überwiegend ein Zweistundentakt mit einer Verdichtung zur Hauptverkehrszeit angeboten. Zwischen Niebüll und Husum fahren vereinzelt Züge; zwischen Husum und Itzehoe ist kein Zugverkehr möglich. Zwischen Itzehoe und Hamburg können außerdem die Züge der Nordbahn (RB 61/RB 71) genutzt werden.
  • Der Sylt Shuttle plus ist nicht von den Streikmaßnahmen betroffen. Diese Züge sind für Reisende des Nahverkehrs freigegeben.
  • Auf der Strecke Westerland - Hamburg-Altona wird gebaut. Es gilt hier der bereits organisierte Not-Fahrplan.
  • RE 7/RE 70 (Flensburg/Kiel Hbf – Hamburg Hbf): Die Züge verkehren im Zweistundentakt. Von/nach Flensburg müssen Reisende in Neumünster umsteigen. Die Züge der Linie RE 70 halten zusätzlich in Flintbek und Einfeld.
  • RB 76 (Kiel Hbf – Kiel Oppendorf): Die Züge fallen aus. Es fahren Linienbusse.
  • RE 8 (Lübeck Hbf – Hamburg Hbf): Die Züge verkehren im Stundentakt und halten zusätzlich in Ahrensburg.

Die Deutsche Bahn hatte der GDL 3,2 Prozent angeboten, die Erhöhung soll demnach jedoch später greifen als von der Gewerkschaft gefordert. Auch bei der Laufzeit des Tarifvertrags liegen die Vorstellungen beider Seiten noch deutlich auseinander.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.08.2021 | 17:00 Uhr

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