Sendedatum: 27.03.2020 12:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Pferdeklappe durch Corona-Krise am Limit

Leonardo, Relevant und Royal Diamond Junior stehen auf der weitläufigen Wiese direkt am Wald und erkunden neugierig ihre Umgebung. Die drei Pferde sind die Neuen in der Pferdeklappe in Norderbrarup im Kreis Schleswig-Flensburg – ehemalige Turnierpferde. Sie kamen vergangenen Donnerstag. „Ihr Besitzer ist gestorben. Normalerweise nehmen die Reitbetriebe dann schon mal Pferde auf und setzen die Tiere im Reitunterricht ein“, sagt die Betreiberin der Pferdeklappe, Petra Teegen. Doch Reitunterricht findet momentan durch das Corona-Virus nicht statt. Den Reitbetrieben fehlt jetzt das Geld. „Die Auffangstation ist manchmal die letzte Station vor dem Schlachter“, sagt Teegen.

Das Prinzip Pferdeklappe

Vor 32 Jahren hat Petra Teegen das erste Pferd in Not aufgenommen. 2013 gründete sie dann den Verein „Pferdeklappe“. Hier können Besitzer ihre Tiere auch anonym abgeben. „Morgens zählen wir auf der Weide die Pferde durch, um zu gucken, ob es mehr geworden sind“, sagt Petra Teegen. Etwa 20 Prozent der Pferde, die in der Klappe landen, sind krank. Sie haben Probleme mit den Gelenken, der Haut oder den Hufen. „80 Prozent der Pferde sind unterernährt!“, so Teegen. Deshalb müssen sie erst über Wochen aufgepäppelt werden, bevor sie wieder abgegeben werden können. „Manche behalten wir hier, weil sie zu alt oder zu krank sind.“ Andere wiederum, wie die drei ehemaligen Turnierpferde, sind gesund und fit, können auch geritten werden. 250 bis 350 Pferde gehen pro Jahre durch die Klappe, kommen dort an und finden über Petra Teegen neue Besitzer. Die Corona-Krise verschärft das nun.

Abgabe der Pferde im März mehr als verdreifacht

Allein in der dritten Märzwoche sind laut Petra Teegen schon fünf Pferde abgegeben worden: „So viele bekommen wir sonst im gesamten Monat zu dieser Jahreszeit“. Insgesamt 17 Pferde wurden in diesem Monat schon abgegeben. Mehr als dreimal so viele wie sonst. 31 Pferde sind jetzt in der Auffangstation und am Wochenende werden mindestens noch zwei weitere erwartet. Es sind Pferde eines Paares, das in Scheidung lebt. Beide sind selbstständig. „Anfangs haben sie sich um die Tiere gestritten. Jetzt hat keiner von beiden mehr das Geld dafür“, so Teegen. 35 Tiere kann die Station maximal aufnehmen. Dann muss sie zunächst Pferde an neue Besitzer vermitteln, um Platz zu schaffen: „Das ist das Prinzip der Klappe: Wenn Besitzer ihre Pferde hier abgeben, gehen sie auf unseren Verein Pferdeklappe e.V. über. Ich darf für die Tiere dann ein neues Zuhause suchen.“

Futter ist knapp und Spenden fehlen

Eine vergleichbare andere Auffangstation für Pferde gibt es in Schleswig-Holstein nicht. Anfragen bekommt Petra Teegen aus ganz Deutschland. „Gerade erst hat eine Dame aus Köln angefragt, ob ich nicht ihr Pferd aufnehmen kann, weil ihr die Einnahmen wegen Corona fehlen“, so Petra Teegen. In der Pferdeklappe wird indes langsam das Futter knapp. Von den bestellten Paletten ist bislang nur eine angekommen. Es ist Spezialfutter für erkrankte Tiere: Müsli, zuckerfreies Futter. Und auch die Spenden bleiben momentan aus. Das Problem wird sich weiter verschärfen, da ist sich Petra Teegen sicher. Dass künftig mehr Pferde abgegeben werden, befürchtet auch der Pferdesportverband Schleswig-Holstein.

Unterstützung für die Pferdeklappe

Der Verein Pferdeklappe e.V. freut sich über jede Art von Spende. Informationen über Patenschaften, die Übernahme eines Pferdes sowie die Bankverbindung gibt es unter www.erste-pferdeklappe.de.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 27.03.2020 | 12:00 Uhr

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