Karin Prien, CDU, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein.  Foto: Gino Laib

Neue KMK-Präsidentin Prien sieht bei digitalem Lernen noch viel Potenzial

Stand: 01.01.2022 17:02 Uhr

Sie verspricht frischen Wind aus dem hohen Norden für die Kultusministerkonferenz (KMK): Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien hat am Sonnabend den Vorsitz der KMK übernommen und möchte die Zusammenarbeit der Länder weiter vorantreiben.

von Anna Grusnick

Das große Thema ihrer Präsidentschaft, so Prien, werde das Thema "Lernen aus der Pandemie" sein. Die Schulen hätten einen Entwicklungsprozess begonnen. "Schule wird nicht mehr so sein wie vor der Pandemie. Die Nutzung von digitalen Medien wird auf Dauer Teil des schulischen Lernens sein", sagt die Ministerin.

Digitales Lernen und Präzenzunterricht "verheiraten"

Gemeinsam mit ihren Länderkolleginnen und -kollegen möchte die 56-Jährige unter anderem darüber beraten, wie zum Beispiel Präsenz- und digitale Unterrichtsteile gut miteinander verbunden werden können. Prien geht davon aus, dass es Jahre dauern wird, bis die Corona-Folgen bewältigt sind. Offene Schulen seien die beste Therapie, findet sie. "Es wird einzelne Schülerinnen und Schüler geben, die brauchen mehr als das. Da ist es wichtig, dass wir die Lehrkräfte ertüchtigen, das auch zu erkennen." Wichtig sei auch, viel Normalität im Schulalltag zu haben. Die Maske sei "noch etwas, das einzelne Schüler belastet."

Schulen möglichst nicht mehr schließen

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Schulen sollten laut Prien in dieser Pandemie möglichst nicht mehr flächendeckend geschlossen werden. Dafür müsse die Politik alles tun. Die Ministerin sagte, für sie sei die Corona-Pandemie eine große Herausforderung, die Verantwortung "riesengroß". Kinder und Jugendliche müssten auf der einen Seite gesund bleiben, dürften auf der anderen Seite aber auch in ihrem Bildungserfolg nicht gefährdet werden.

Bei Digitalisierung noch viel zu tun

In der Pandemie sei deutlich geworden, wie wichtig es ist, dass die Bundesländer enger kooperieren, so Prien. "Es geht um das Thema: Wie bilden wir die Lehrkräfte zukunftsgerecht aus in allen Phasen der Lehrerausbildung? Welchen Rahmen brauchen wir? Wie gehen wir weiter mit den Digitalisierungsthemen im Unterricht um? Wie gehen wir mit der Informatik um?" Um diese Fragen zu beantworten, würden Fachkongresse organisiert. Corona habe gezeigt, dass es in Sachen Digitalisierung und Nutzung von digitalen Medien noch viel tun zu gebe. Darin sieht Prien einen großen Transformationsprozess.

"Es müssen nicht immer alle 16 Länder im Boot sein"

Als Präsidentin der Kultusministerkonferenz möchte Karin Prien, anders als es bisher üblich war, monatlich eine Präsidiumssitzung durchführen, damit die Länder kontinuierlicher und enger im Austausch sind. "Wenn ich neue Projekte angehe, zum Beispiel intelligente Lernplattformen, dann muss der erste Gedanke sein: Mit welchen Bundesländern kann man das gemeinsam machen?" Es müssten nicht immer alle 16 Länder im Boot sein, "aber man sollte sich bemühen, mit möglichst vielen zu kooperieren."

Akten wälzen bis in den Abend

Seit 2017 ist die neue KMK-Vorsitzende Bildungsministerin in der Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein. Zuvor war die Juristin sechs Jahre lang schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft. Ehrgeizig, belesen, fleißig - so beschreiben Wegbegleiter Karin Prien. Eine Frau, die bis spät in den Abend Akten wälzt und versucht, jedes Detail zu durchdringen. Eine Frau, die weiß, was sie möchte. In ihrer Partei bewirbt sich Prien um den Stellvertreterposten. All das mit Begeisterung und Leidenschaft, wie sie selbst sagt.

Entspannung beim Kochen

Und wie findet jemand wie Karin Prien Entspannung? "Ehrlich gesagt, am Wochenende am liebsten beim Kochen. Und beim Zusammensitzen mit meinem Mann, sehr selten in den letzten eineinhalb Jahren auch mit Freunden", erzählt Prien. Klassische Musik höre sie auch ganz gerne, und hin und wieder lese sie auch.

Im März wird Karin Prien ihre Länderkollegen in Schleswig-Holstein empfangen. Geplant ist eine zweitägige Kultusministerkonferenz in Lübeck.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.01.2022 | 12:00 Uhr

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