Zwei Beamter des SEK stehen vor einem Polizeibus bei einer Razzia. © picture alliance / Flashpic Foto: Jens Krick

Nach Millionen-Coup in Norderstedt: Razzia in Berliner Clan-Milieu

Stand: 10.12.2021 17:10 Uhr

Im Zusammenhang mit dem spektakulären Bankeinbruch in Norderstedt im August hat es Freitagmorgen eine Razzia in Berlin gegeben. Eine Spur führt offenbar ins Clan-Milieu.

Spezialeinsatzkommandos (SEK) und die Kripo durchsuchten mehrere Wohnungen in Berlin. Die Polizei aus Schleswig-Holstein bekam dabei Unterstützung von den Berliner Kollegen. Die Durchsuchungen im Berliner Stadtgebiet richteten sich gegen drei Berliner, wie eine Sprecherin der Polizei Bad Segeberg mitteilte. Gegen die Männer besteht laut Polizei ein begründeter Anfangsverdacht, etwas mit dem Einbruch in die Norderstedter Bank vor vier Monaten zu tun zu haben.

Nach mehreren Medienberichten sollen die drei Männer Mitglieder eines bekannten arabischstämmigen Clans sein. Aus diesen Kreisen sollen auch die inzwischen verurteilten Diebe der 100-Kilogramm-Goldmünze aus einem Berliner Museum und die verhafteten Verdächtigen vom Diamanten-Diebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden stammen.

Geschäfte in Charlottenburg und Königs Wusterhausen durchsucht

Neben mehreren Wohnungen in den Berliner Stadtteilen Spandau, Neukölln und Tempelhof durchsuchten die Beamten der Kripo Pinneberg zusammen mit der Berliner Polizei auch ein Geschäft in Charlottenburg und eine Spielhalle im brandenburgischen Königs Wusterhausen. Bei den sichergestellten Beweismitteln handelt es sich nach Angaben der Kieler Staatsanwaltschaft zum Beispiel um Handys und Computer. Außerdem stellten die Beamten eine größere Menge Drogen sicher.

Mehr als 50 Hinweise nach Fernsehsendung

Bei dem Einbruch in die Sparkasse Norderstedt nördlich von Hamburg im August hatten die Täter mehr als 600 Schließfächer aufgebrochen und stahlen Beute im Wert von mehreren Millionen Euro. Die Täter hatten eine Wohnung über dem Tresorraum der Sparkasse angemietet und waren von dort aus unbemerkt mit einer Kernbohrung zu den Schließfächern gelangt. In der Wohnung wurde später Feuer gelegt.

Die Ermittler in Schleswig-Holstein verfolgten bereits Anfang der Woche mithilfe von Phantombildern neue Hinweise. Die Staatsanwaltschaft Kiel setzte außerdem eine Belohnung von 55.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen. Zuletzt war der Fall in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst". Im Anschluss an die Sendung gingen mehr als 50 Hinweise bei der Polizei ein. Laut Polizei führten aber keine Hinweise aus der Sendung zu den Durchsuchungen in Berlin.

Weitere Bankeinbrüche?

Insgesamt geht es bei den Ermittlungen, die von der Polizei Schleswig-Holstein (Staatsanwaltschaft Kiel) geführt werden, um mehrere Bankeinbrüche. Möglicherweise gibt es Verbindungen zu einem versuchten Einbruch in eine Bank in Hamburg-Altona im Oktober 2020. In dem Fall nahm die Polizei im November einen Verdächtigen in Berlin fest, der jetzt in Untersuchungshaft sitzt. Auch bei dieser Tat war ein großer Kernbohrer benutzt worden. Die Täter mussten allerdings ohne Beute flüchten. "Wir prüfen Zusammenhänge", sagte ein Sprecher der Hamburger Polizei.

Die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) erklärte: "Aufgrund der letzten Jahre kann es niemanden überraschen, dass bei derart spektakulären Straftaten auch immer wieder Spuren nach Berlin und zu bereits bekannten Protagonisten führen. Die Sprösslinge besagter Familie haben mehrfach bewiesen, dass sie zu kriminellen Handlungen fähig sind und sich auch von Verurteilungen nicht wirklich abschrecken lassen. Letztlich muss der eingeschlagene Weg, Gesetzesübertretungen konsequent zu verfolgen und Vermögen zu beschlagnahmen, weitergehen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.12.2021 | 12:00 Uhr

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