Stand: 10.01.2020 12:56 Uhr

Missbrauch: Gericht schickt Ostholsteiner in Psychiatrie

Im zweiten Prozess gegen einen Sexualstraftäter aus Schleswig-Holstein hat das Karlsruher Landgericht am Freitag das Urteil verkündet. Der Richter verurteilte den 45-jährigen Elektroniker aus Wulfsdorf (Kreis Ostholstein) zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe und schickte ihn in eine psychiatrische Klinik. Das Gericht wandelte den Haftbefehl in einen Unterbringungsbefehl um. Selbst für Berufsrichter sei der Fall ziemlich grausig, sagte der Richter. Der Prozess stand im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall von Staufen bei Freiburg, bei dem ein Junge von mehreren Tätern vergewaltigt worden war. Verteidigung und Staatsanwaltschaft erklärten, auf Rechtsmittel gegen das Urteil zu verzichten. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil im vergangenen Jahr teilweise aufgehoben. Das Landgericht habe nicht ausreichend begründet, warum bei dem Angeklagten keine verminderte Schuldfähigkeit vorliege.

Richter: Eindeutiges Gutachten

In Karlsruhe führte die Verteidigung des Angeklagten am Donnerstag an, dass die schwere Pädophilie des Mandanten als Erkrankung zu sehen sei, die in einer geschlossenen Psychiatrie behandelt werden müsse. Die Unterbringung in der Psychiatrie sei sehr wahrscheinlich, sagte der Richter. Das Gutachten des in nichtöffentlicher Sitzung gehörten Psychiaters sei eindeutig gewesen.

Kontakt über das Darknet hergestellt

Der Mann aus Wulfsdorf hatte den Partner der Mutter eines Neunjährigen aus Staufen gefragt, ob er den Jungen missbrauchen und töten könne. Der Kontakt lief über das sogenannte Darknet - ein versteckter Teil des Internets, der nur mittels spezieller Software zugänglich ist und aufgrund seiner Anonymität häufig für illegale Aktivitäten genutzt wird. Zu einem Treffen kam es aber nicht, da der Lebensgefährte eine Tötung des Jungen ablehnte.

Die Polizei konnte den Angeklagten im Oktober 2017 nach verdeckten Ermittlungen festnehmen. Als die 48 Jahre alte Mutter des Kindes und deren Lebensgefährte schon in Untersuchungshaft saßen, fingierten die Ermittler eine Verabredung mit dem verdächtigten Schleswig-Holsteiner. Dieser machte sich auf den Weg und wurde von der Polizei in Karlsruhe festgenommen. Der Angeklagte war wegen der Verbreitung von Kinderpornografie vorbestraft.

Paar soll Kind im Internet verkauft haben

Der Missbrauchsfall gilt als eines der schwerwiegendsten Sexualverbrechen an Kindern, die die Behörden im Südwesten des Landes jemals bearbeitet haben. Das Paar soll das Kind seit 2015 im Internet für Sex gegen Geld in Höhe von mehreren Tausend Euro angeboten und sich selbst ebenfalls an ihm vergangen haben. Sie sind bereits rechtskräftig zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Insgesamt gab es in dem Fall bereits acht Urteile.

Der Junge lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie. "Er bemüht sich, in seinem neuen Leben ohne Gewalt und sexuellen Missbrauch Tritt zu fassen", sagte eine Staatsanwältin am Rande des Prozesses.

Weitere Informationen
Ein Angeklagter hält sich im Landgericht Karlsruhe einen Aktenordner vor das Gesicht. © NDR

Missbrauchsprozess: Acht Jahre Haft für Wulfsdorfer

Im Fall eines schwer missbrauchten Neunjährigen ist ein Mann aus Wulfsdorf verurteilt worden. Er muss für acht Jahre in Haft, weil er den Jungen aus Staufen missbrauchen und töten wollte. mehr

Bunt angemalte Kinderhände mit Smileys auf den Handflächen. © foltolia Foto: Be Ta-Artworks

Kinderrechte finden in Schleswig-Holstein Beachtung

Laut Kinderrechte-Index des Deutschen Kinderhilfswerkes werden Kinderrechte in Schleswig-Holstein besonders gut umgesetzt. Es gibt allerdings auch Verbesserungsbedarf. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.01.2020 | 13:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Sandra Zündel am Set von "Nord bei Nordwest". © NDR

Dreharbeiten zu "Nord bei Nordwest" unter Corona-Bedingungen

Fieber messen, CO2-Werte bestimmen, Corona-Tests machen: Die Arbeiten beim Krimi-Dreh in Geesthacht sind kompliziert. mehr

Eine Schutzmaske liegt auf einem Schultisch in der Klasse. © picture alliance Foto: Marijan Murat

Maskenpflicht im Unterricht für Grundschüler in Risikogebieten

Das hat das schleswig-holsteinische Bildungsministerium am Sonnabend verkündet. Ausschlaggebend ist der Inzidenz-Wert. mehr

Schiedsrichter Florian Badstübner zeigt Kiels Phil Neumann die rote Karte. © picture alliance/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa Foto: Sebastian Kahnert

Kiel erkämpft einen Punkt in Aue - nach 75 Minuten Unterzahl

Durch das 1:1 im Erzgebirge bleibt Holstein Kiel in der Zweiten Liga oben dabei. Nächster Stopp: das Topspiel gegen den HSV. mehr

Viele Leute protestieren am Sonnabend in Harrislee gegen die geplante Lagerung von AKW-Bauschutt. © NDR Foto: Frank Goldenstein

Harrislee: Menschen protestieren gegen Bauschutt aus AKW

Das Parlament hatte im Mai beschlossen, das Material des AKW Brunsbüttel einer Deponie notfalls zuzuweisen. mehr

Videos