Stand: 10.06.2020 18:54 Uhr

Lob und Kritik für Wasserstoffstrategie

Nachdem die Bundesregierung ihre Wasserstoffstrategie vorgelegt hat, ist für Tim Brandt von der Wind2Gas GmbH in Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) klar: Schleswig-Holstein hat das größte Potential für die Produktion von grünem Wasserstoff. "Nun gilt es dieses Potential zu heben - doch dafür müssen auch die letzten Weichen gestellt werden, wie zum Beispiel der Entfall der EEG-Umlage", sagte er NDR Schleswig-Holstein. Denn wenn in diesen Tagen Windstrom genutzt wird, um Wasserstoff durch Elektrolyse zu erzeugen, müssen die Produzenten den Strom oft regulär einkaufen und EEG-Umlage dafür zahlen. So wird der umweltfreundlich erzeugte Wasserstoff teurer als der mit konventionellen Stromarten produzierte. Wind2Gas erzeugt Wasserstoff aus Windkraft, betreibt eine Wasserstofftankstelle in Brunsbüttel und speist in einem gemeinsamen Test mit Hansewerk grünen Wasserstoff ins Erdgasnetz ein.

VIDEO: Wasserstoff: Chancen für Schleswig-Holstein? (4 Min)

"Auch der Mittelstand muss profitieren"

Auch weiter nördlich in Reußenköge (Kreis Nordfriesland) wird schon Wasserstoff produziert und soll noch in diesem Jahr zwei Busse des ÖPNV im Kreis antreiben. GP Joule-Geschäftsführer Ove Petersen findet die Zusagen in der nationalen Wasserstoffstrategie sehr gut, sagt aber auch, dass der Mittelstand ebenfalls profitieren müsse: "Was in dem Strategiepapier steht, zielt schon mehr auf die Großindustrie ab", so Petersen. "Da müssen wir noch abwarten, denn wir erwarten ja auch aus Schleswig-Holstein noch eine Wasserstoffstrategie, die dann lokalen Nutzen bringen soll." Im Gespräch ist laut Wirtschaftsministerium ein flächendeckendes Netz von Wasserstofftankstellen in Schleswig-Holstein. Nach Angaben eines Sprechers ist aber auch hier die Voraussetzung, dass die EEG-Umlage bei der Wasserstoffproduktion wegfällt.

Buchholz: "Chance vertan"

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) ist genau über diesen Punkt verärgert: "Wir reden schon so lange darüber und es wäre jetzt eigentlich Zeit gewesen, nicht nur in Aussicht zu nehmen, sondern konkret zu sagen, die Umwandlung von Grünstrom in Wasserstoff wird von EEG-Umlage, Stromsteuer und sonstigen Umlagen befreit. Dann hätten wir sofort eine Wirtschaftlichkeit in dem Bereich." Alles andere sei ein Hemmnis für eine erfolgreiche Wasserstoffwirtschaft im Land. Das nur in Aussicht zu stellen, sei ihm zu wenig, so Buchholz.

Netzbetreiber sehen weiteren Handlungsbedarf

Lob kommt hingegen von Stromnetzbetreiber TenneT: Die Bundesregierung habe einen wichtigen Schritt zur Klimaneutralität gemacht, sagte Geschäftsführer Tim Meyerjürgens. Aber: "Wenn wir in zehn Jahren Power-to-Gas im großen Maßstab nutzen und die Integration von Strom- und Gasinfrastrukturen in die Wege leiten wollen, dann müssen wir heute die Weichen dafür stellen“, so Meyerjürgens. Dazu gehöre, dass die Umwandlung von Windstrom in Wasserstoff wirtschaftlicher werden müsse. Außerdem würden Transport- und Lagerkapazitäten für den so erzeugten Wasserstoff benötigt.

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Landespolitiker fordern mehr Tempo

Der energiepolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Andreas Hein, und sein FDP-Kollege Oliver Kumbartzky sehen den Standortvorteil für Schleswig-Holstein. Allerdings müsse die Produktion von grünem Wasserstoff von der EEG-Umlage befreit werden. Dann könne, so sieht es Andreas Hein, in Schleswig-Holstein ein ganz neuer Wirtschaftszweig mit vielen Arbeitsplätzen entstehen. Entsprechend fordert Oliver Kumbartzky, dass die Wasserstoffstrategie kein reines Prüfprogramm bleiben dürfe, sondern jetzt zügig Gesetzesvorschläge kommen müssten.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.06.2020 | 17:00 Uhr

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