"Letzte Generation" blockiert Verkehr in Flensburg

Stand: 03.02.2023 14:50 Uhr

Protestierende der Klimaschutz-Gruppe "Letzte Generation" haben sich am Donnerstag auf einer Straße in Flensburg festgeklebt. Das sorgte über Stunden für Stau in der Innenstadt.

In Flensburg hat eine Protest-Aktion am Donnerstag mehr als vier Stunden für Verkehrsbehinderungen gesorgt. Drei Menschen hatten sich gegen 15.30 Uhr im Bereich der Schiffbrücke in der Flensburger Innenstadt auf der Straße festgeklebt. Sie hatten ein Plakat der wegen ihrer Aktionen umstrittenen Klimaschutz-Gruppe "Letzte Generation" dabei. Es war die erste Aktion dieser Art in Schleswig-Holstein. "Es liegen keine Erkenntnisse über bisherige derartige Proteste in Schleswig-Holstein vor", antwortete das Landespolizeiamt am Freitag auf eine Anfrage von NDR Schleswig-Holstein.

Polizisten aus Eutin lösen Protestierende von der Straße

Aktivisten kleben sich in Flensburg auf der Schiffbrücke fest. © Nordpresse Mediendienst Foto: Heiko Thomsen
Am Donnerstagabend gelang es Polizisten, die festgeklebten Hände der Gruppe von der Straße zu lösen.

Der Verkehr wurde wechselseitig über eine Busspur vorbeigeführt, dennoch kam es in der gesamten Innenstadt zu langen Staus, zum Teil über mehrere Kilometer. Wie die Polizisten in solchen Fällen verfahren müssen, ist noch nicht geregelt. "Wir sind dazu im Austausch mit anderen Bundesländern. Eine landeseinheitliche Handlungsanweisung ist in Vorbereitung", erklärte ein Sprecher des Landespolizeiamtes. Am Donnerstag kamen speziell ausgebildete Polizisten der Bereitschaftspolizei aus dem 130 Kilometer entfernten Eutin nach Flensburg - mehr als zwei Stunden nach Beginn der Aktion.

Den Beamten gelang es am Donnerstagabend, die Hände der Protestierenden mit Universalöl von der Straße zu lösen. Verletzt wurde laut Polizei niemand. Gegen die Aktivisten wird nun wegen des Verdachts der Nötigung ermittelt. "Die Prüfung, ob die Kosten für den Einsatz in Rechnung gestellt werden, dauert noch an", heißt es von der Landespolizei.

Aktivist: "Auch dieser Punkt wird regelmäßig überflutet werden"

Eine ähnliche Aktion der Klimaschutz-Gruppe gab es Anfang Januar in Hamburg. In Flensburg hatte sich kürzlich ein Ableger der "Letzten Generation" gegründet. "Wir sitzen heute auf einem der tiefsten Punkte von Flensburg. Auch dieser Punkt wird regelmäßig überflutet werden, wenn der Meeresspiegel weiter steigt", hatte Lars Schäfer, einer der Protestierenden, erklärt.

Der Erzieher aus Flensburg bemängelte, dass die Regierung zu wenig tue, "um unser aller Lebensgrundlagen zu schützen". Er kündigte an, dass die "Letzte Generation" 2023 auch in Flensburg regelmäßig protestieren werde.

Uta Wentzel (CDU): "Das Verständnis von vielen hört da auf"

Solche Aktionen würden "der ganzen Sache einen Bärendienst erweisen" entgegnete die CDU-Landtagsabgeordnete für Flensburg, Uta Wentzel. Sie machte sich vor Ort ein Bild und sprach mit den Protestierenden. "Ich fände es schöner, wenn man in den Dialog geht. Aktionen, bei denen man sich und andere gefährdet, finde ich schwierig." Wentzel glaubt, das Verständnis von vielen für die Klimaschutz-Gruppe höre an so einem Punkt auf.

Weitere Informationen
Eine junge Frau mit Warnweste sitzt auf dem Boden. Hinter ihr kniet ein Polizist. © picture alliance Foto: Geisler-Fotopress

Umfrage: Klimaschutz ja, radikaler Protest nein

Die #NDRfragt-Community wünscht sich mehr Klimaschutz, lehnt die Proteste der "Letzten Generation" aber mehrheitlich ab. mehr

Kiel: Klima-Aktivisten der Turbo Klima Kampf Gruppe (TKKG) demonstrieren vor Beginn der Landtagssitzung vor dem Landeshaus. © dpa Foto: Marcus Brandt

Landtag zu Klimaaktivisten: Ja zum Protest, nein zu Straftaten

Bei Straftaten hört legitimer Protest auf - da sind sich die Abgeordneten in SH weitgehend einig. Bei einigen Punkten wird es dennoch hitzig. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.02.2023 | 20:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Flensburg

Klimaschutz

Straßenverkehr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Karl Lauterbach (SPD) spricht auf der Gesundheitsministerkonferenz in Travemünde. © NDR Foto: Julian Marxen

Travemünde: Proteste rund um die Gesundheitsminister-Konferenz

Am Rande des Treffens haben Vertreter der medizinischen Berufe Nachbesserungen an den geplanten Reformen gefordert. mehr

Videos