Stand: 13.11.2019 11:33 Uhr

Krankheiten eingeredet: Mutter muss acht Jahre in Haft

Eine 49 Jahre alte Mutter aus Ostholstein muss acht Jahre ins Gefängnis - wegen schwerer Misshandlung und Betrug. Das hat am Mittwochmorgen das Landgericht Lübeck entschieden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Frau ihren Kindern schwere Krankheiten eingeredet und gleichzeitig auch Krankenkassen und Ärzte getäuscht hat. Einen ihrer Söhne soll sie sechseinhalb Jahre in den Rollstuhl gezwungen haben. So soll die Frau aus Lensahn Sozialleistungen kassiert haben, die ihr gar nicht zustanden.

Richterin: Mutter hat ihre Kinder nicht geliebt

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Die Frau habe ihre Kinder nicht geliebt, sagte die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz.

Das Mädchen und die drei Jungen haben seelisch leiden müssen, sagte die Vorsitzende Richterin. Und das alles lasse den Schluss zu: Die Lensahnerin habe ihre Kinder nicht geliebt, so die Richterin, sondern sie als Mittel benutzt, um möglichst viel Geld zu machen. Der Verteidiger der Frau will eine Revision prüfen. Die Kinder sollen nun in Obhut genommen werden. Darüber entscheidet das Familiengericht.

Münchhausen-Stellvertretersyndrom diagnostiziert

Die Staatsanwaltschaft vermutete im Verfahren Geldgier und Geltungssucht als Motiv und hatte zehn Jahre Haft für die Angeklagte beantragt. Der finanzielle Schaden für den Steuer- und Beitragszahler beläuft sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf 135.000 Euro. Die Verteidigung sah eine Mitschuld des Gesundheitssystems und hatte deshalb eine milde Strafe gefordert. Nach Angaben des Verteidigers litt die Frau an einer schweren psychischen Störung.

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Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom: "Selten, aber gefährlich"

Arno Deister leitet das Zentrum für Psychosoziale Medizin am Klinikum Itzehoe. Im Interview erklärt er, was das Münchhausen-Stellvertretersyndrom ist und wie häufig es auftritt. mehr

Nach Aussage einer psychiatrischen Sachverständigen im Verfahren leidet die Angeklagte an einem sogenannten Münchhausen-Stellvertretersyndrom, ist aber voll schuldfähig. Bei dieser psychischen Störung erfinden Eltern bei ihren Kindern Krankheitssymptome, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Vorwurf: Hüftschäden, Rheuma, Asthma vorgetäuscht

Die Staatsanwaltschaft warf der Frau vor, zwischen 2010 und 2016 unter anderem Arztberichte gefälscht und Medizinern falsche Krankheitsbilder ihrer Kinder geschildert zu haben: von Hüftschäden über Rheuma und Asthma bis hin zur Bluter- und Glasknochenkrankheit. Die Kinder nahmen laut Staatsanwältin irgendwann selbst an, schwer erkrankt zu sein.

Staatsanwaltschaft: Kinder litten körperlich und seelisch

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mussten die heute zwischen zehn und 18 Jahre alten Kinder unnötige medizinische Behandlungen über sich ergehen lassen. Ihnen wurden offenbar sogar Schulbetreuer an die Seite gestellt. Dadurch, dass sie nicht laufen durften, bauten die Kinder laut Anklage Muskeln ab und litten auch seelisch.

 

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Eine Mutter aus dem Kreis Ostholstein soll Krankheiten ihrer Kinder vorgetäuscht haben, um Sozialleistungen zu beziehen. Die Staatsanwaltschaft hat dafür am Montag zehn Jahre Haft gefordert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.11.2019 | 12:00 Uhr

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