Konferenz der Agrarminister: Krabbenfischer schöpfen Hoffnung

Stand: 24.03.2023 16:55 Uhr

Die Agrarminister senden zum Abschluss ihrer Konferenz in Büsum ein geschlossenes Signal. Mit dieser Rückendeckung will Bundesminister Özdemir in Brüssel das Verbot der Grundschleppnetze verhindern.

von Peer-Axel Kroeske

Drei Tage lang haben die Sirenen, Hörner und Hupen der Krabbenfischer die Agrarministerkonferenz begleitet. Dass in Büsum (Kreis Dithmarschen) im kritischen Moment getagt wurde, war für sie ein glücklicher Zufall. Schon vor zwei Jahren sei der Ort festgelegt worden, sagte Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) auf Nachfrage von NDR Schleswig-Holstein. Erst seit Kurzem wird in der EU über ein Pauschalverbot der Fangmethode in Schutzgebieten bereits ab 2024 nachgedacht.

Videos
Ein Fischkutter mit Schleppnetzen bei nebligem Wetter. © Screenshot
3 Min

Fangmethode: Krabbenfischer von Amrum sieht Existenz bedroht

Das Fangen mit dem Grundschleppnetz will die EU in Meeresschutzgebieten untersagen. Andreas Thadens Familie lebt vom Krabbenfang. 3 Min

Einstimmiger Beschluss - starkes Signal an Brüssel

Ausschlaggebend waren aber nicht die Lautstärke, sondern die Argumente. Die Landwirtschaftsministerinnen und -minister aller Bundesländer fassten einen einstimmigen Beschluss: Sie stehen hinter den Krabbenfischern. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) sagte, er gehe mit einer starken Botschaft nach Brüssel. Einer Art von Fischerei, die nachhaltig ist, werde ein Ende bereitet. Das könne nicht richtig sein. Und er betonte: "Die Krabbenfischer haben uns das sehr deutlich mitgegeben: Hier geht's um Tradition, hier geht's um Tourismus. Hier wird auch wissenschaftsbasiert gearbeitet." In der EU ist Kommissar Virginijus Sinkevičius aus Litauen für die Fischerei zuständig. Dieser hat laut Özdemir bereits die Zusage gegeben, mit den deutschen Krabbenfischern zu sprechen.

Höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch für mehr Platz im Stall?

Solch ein klares Signal blieb bei beim Thema Tierwohl aus. Bereits bekannt war, dass der Bund eine Milliarde Euro als Anschubfinanzierung für Ställe mit mehr Platz pro Schwein bereitstellt. Doch die Finanzierung, auch für andere Tierarten, kostet ein Vielfaches pro Jahr. Laut Schwarz ist eine Mehrwertsteuer von 19 statt bisher 7 Prozent auf Fleisch, Eier und Milchprodukte noch nicht vom Tisch. Es gebe dazu aber unterschiedliche Meinungen. Letztlich verhandeln darüber SPD, Grüne und FDP im Bund. Und es gibt auch noch andere Modelle. Sobald eine Entscheidung fällt, wollen die Agrarministerinnen und -minister eine Sonderkonferenz einberufen. Da Schwarz derzeit den Vorsitz hat, wird diese wieder in Schleswig-Holstein stattfinden.

Tierwohl-Label: Özdemir hofft auf Beschluss bis zum Sommer

Bei der verpflichtenden Kennzeichnung der Haltungsbedingungen hofft Özdemir auf eine Entscheidung im Bund bis zum Sommer. Die bisherigen Siegel sind freiwillig. Landwirtinnen und Landwirte befürchten einen Wettbewerbsnachteil, falls Produkte aus anderen Ländern nicht gekennzeichnet werden. Deshalb soll auch die Herkunft ausgewiesen werden. Özdemir versprach, in dieser Frage das maximal mögliche in Brüssel durchzusetzen.

Bauern fordern europaweit einheitliche Vorgaben

Die Bauernproteste setzten sich am Freitag in kleinerem Rahmen fort. Vor dem Tagungshotel auf dem Deich postierten sich Geflügelhalter. Sie drängen vor allem darauf, dass neue Regeln EU-weit gelten. Mehr Platz pro Hähnchen sei machbar. Wenn etwa in Polen laschere Regeln gelten, deutsche Betriebe nicht mithalten können und das Fleisch dann importiert werde, sei nichts gewonnen, so der Tenor. Gleiche Bedingungen müssten zum Beispiel auch bei den staatlichen Kontrollen gelten.

Fleischproduktion sorgt für natürlichen Dünger

Özdemir bekannte sich ausdrücklich zum Ziel, Fleisch in Deutschland zu produzieren. Dabei betonte er einen besonderen Aspekt: "Die Tierhaltung gehört zur Kreislaufwirtschaft dazu. Gerade wenn wir die Abhängigkeit von mineralischem Dünger reduzieren wollen, dann brauchen wir Wirtschaftsdünger." Die Produktion von Kunstdünger ist dagegen energieintensiv und klimaschädlich.

Nicht zuletzt gab es gute Kritik für Büsum als Tagungsort. Dieser habe den optimalen Rahmen geboten, lobten viele Minister, die kräftige Brisen und Regen aber auch strahlenden Sonnenschein mit Ausblick auf Ebbe und Flut genießen konnten.

Weitere Informationen
Menschen sitzen draußen und hören einer Kundgebung der Demo zu. © Peer-Axel Kroeske Foto: Peer-Axel Kroeske

Konferenz in Büsum: Protest-Botschaften für die Agrarminister

Am zweiten Tag der Agrarministerkonferenz haben Bauern und Krabbenfischer gegen Bürokratie und Auflagen demonstriert. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 24.03.2023 | 19:30 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Landwirtschaft

Fischerei

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Das Grundgesetz als Buch hängt schräg aus einem Regal raus © picture alliance/dpa Foto: Hendrik Schmidt

75 Jahre Grundgesetz: Veranstaltungen auch in SH

Das Grundgesetz und die Demokratie feiern Jubiläum. In Schleswig-Holstein wird mitgefeiert und die Bedeutung der demokratischen Grundordnung unterstrichen. mehr

Videos

Das Logo von #NDRfragt auf blauem Hintergrund. © NDR

Umfrage: Urlaub um jeden Preis?