Kieler Werft übergibt erste Korvette an Israel

Stand: 11.11.2020 16:48 Uhr

Vier Schiffe für insgesamt 450 Millionen Euro lässt die israelische Regierung derzeit bei ThyssenKrupp Marine Systems in Kiel bauen. Die Bewaffnung soll in Israel erfolgen.

von Christian Wolf

Die Übergabe des ersten Schiffes an die israelische Marine der sogenannten Sa'ar-6-Klasse ist aufgrund der Corona-Pandemie dieses Jahr klein ausgefallen. Statt wie sonst üblich bei der Übergabe von Schiffen an die Marinen dieser Welt, gab es dieses Mal keine feierliche Zeremonie mit Gästen aus Politik und Wirtschaft, als am Mittwoch an Bord die deutsche Flagge durch die israelische gewechselt wurde. In wenigen Tagen soll die "INS Magen" dann in Richtung Haifa aufbrechen. Im israelischen Hafen soll die Korvette ausgerüstet werden, sprich die Waffensysteme erhalten. Die Indienststellung ist für das kommende Jahr geplant.

450 Millionen Euro für vier Schiffe

Die Kosten für die insgesamt vier Schiffe belaufen sich auf insgesamt 450 Millionen Euro. Die Bundesregierung beteiligt sich mit rund 115 Millionen an dem Projekt. Deutsche Rüstungslieferungen nach Israel sind wegen des Nahost-Konflikts allerdings umstritten. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte den Export der vier Patrouillen-Korvetten mit der besonderen Verantwortung Deutschlands für Israel begründet.

Die Kieler HDW aus der Vogelperspektive. © dpa-Bildfunk Foto: Hinrich Bäsemann

AUDIO: Korvette für Israel (1 Min)

Zusammenarbeit von TKMS und German Naval Yards

Die Schiffe der Sa'ar-6-Klasse sind der deutschen K-130 nicht unähnlich, basieren beide Korvetten doch auf dem MEKO-Design von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS). Allerdings baute TKMS nicht selbst, sondern ließ die Schiffe beim Werftnachbarn German Naval Yards (GNYK) zusammenschweißen. Ursprünglich sollten die "INS Magen" schon Anfang des Jahres ausgeliefert werden, doch die Corona-Pandemie sorgte für eine deutliche Verzögerung. Die drei anderen Schiffe der Sa'ar-6-Klasse sollen in den kommenden zwei Jahren übergeben werden.

Schutz bei der Erdgasförderung

Israel benötigt die Schiffe dringend. Die vier Korvetten sollen die Förderanlagen vor der Küste des Landes schützen. Denn keine zehn Kilometer von israelischen Stränden entfernt, fördert das Land Gas, unter anderem aus dem Leviathan-Feld. Rund 70 Prozent des Stroms in Israel wird aus Gas von Feldern vor der Küste gewonnen. Die Schiffe der Sa'ar-6-Klasse sollen laut verschiedenen Medienberichten die Möglichkeit haben, eine Fläche doppelt so groß wie Israel selbst zu beschützen. Der Kommandeur der israelischen Marine, Generalmajor Eli Sharvit, sagte dazu im israelischem Fernsehen: "Die Mission zur Verteidigung der exklusiven Wirtschaftszone Israels und der strategischen Vermögenswerte auf See ist die primäre Sicherheitsmission der israelischen Marine."

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