Stand: 27.11.2019 16:44 Uhr

Kegelrobben auf Helgoland: Düne bleibt offen

Von November bis in den Januar hinein liegen sie zu Hunderten am Strand der Helgoländer Düne: Kegelrobben. Sie bekommen hier ihre Jungen und ziehen sie im Wasser vor der Badeinsel groß. "Das ist Europas größte Kinderstube hier, vergangenes Jahr hatten wir mehr als 400 Geburten auf der Düne", erzählt Seehundjäger Michael Janssen. Auch wenn die Wurfsaison noch keine vier Wochen alt ist, liegen jetzt schon 140 kleine Kegelrobben am Strand. Das ist ein einmaliges Naturschauspiel - und ein Besuchermagnet. Viele Tagesgäste kommen jetzt gezielt nach Helgoland, um die Kegelrobben bei der Aufzucht ihrer Jungtiere zu beobachten.

Besucher ignorieren Schutzregeln

Eine Robbe.

Helgoländer fordern besseren Schutz für Robben

Schleswig-Holstein Magazin -

Damit die streng geschützten Robben auf Helgoland nicht gestört werden, müssen Menschen mindestens 30 Meter Abstand halten. Aber viele Touristen halten sich nicht daran.

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Die meisten Besucher benutzen dafür einen Holzbohlenweg, den die Gemeinde am Nordstrand der Düne angelegt hat. Aber es gibt auch immer wieder Besucher, die noch näher ran wollen und abseits der Wege direkt am Strand herumlaufen und die Regel ignorieren, 30 Meter Abstand zu halten. "Manche haben das Gefühl, das wäre hier ein Streichelzoo", sagt Seehundjäger Michael Janssen. Das ist gefährlich sowohl für die Menschen als auch für die Tiere: Die Raubtiere sind schnell und haben eine enorme Beißkraft. Außerdem können Störungen dazu führen, dass Mutter ihre Jungtier allein lassen und diese sterben. Die Gemeindevertretung von Helgoland hat nun am Montagabend beraten, wie sie mit diesem Konflikt umgehen will. Das Ergebnis: Naturschützer und Kommunalpolitiker bilden zusammen ein Gremium, das die Verwaltung berät bei der Frage, ob einzelnen Strandabschnitte in der Wurfzeit gesperrt werden sollen.

Kegelrobbennachwuchs vor Helgoland

Strandabschnitte können zeitweise gesperrt werden

Das Gremium soll aus dem Seehundjäger Michael Janssen, einem Dünenranger, einem Vertreter des Vereins Jordsand, dem Naturschützer Uwe Siemens und je einem Vertreter der Fraktionen in der Gemeindevertretung bestehen. Sie alle sollen gemeinsam über die zeitlich begrenzte Sperrung einzelner Strandabschnitte entscheiden und die Gemeindevertretung informieren. Bürgermeister Jörg Singer ist grundsätzlich zufrieden: "Auch wenn wir bald mehr Gremien als Einwohner haben, ist es doch gut, wenn das eine Entlastung für die Mitarbeiter auf der Düne bringt", sagte er nach der Sitzung.

SSW wollte Düne zwischen den Tagen sperren

Anlass der Debatte war ein deutlich weitergehender Antrag der SSW-Fraktion auf der Insel gewesen. Darin stand unter anderem auch die Forderung, den Zutritt zur Düne zwischen den Feiertagen nur noch Teilnehmern einer Führung zu gestatten. Das brachte die SPD-Fraktion auf die Zinne: "Eine Sperrung der Düne tragen wir nicht mit", wetterte etwa Peter Botter. "Entweder die Düne ist für alle da, oder wir kriegen ein Problem." Auch eine Art Eintrittsgebühr komme für ihn nicht infrage, so Botter.

Naturschützer wollen Ranger entlasten

Naturschützer Uwe Siemens sieht das anders. Er hatte sich für eine weitreichende Sperrung der Strände während der Wurfzeit der Kegelrobben eingesetzt: "Wir sperren ab und da steht dann jemand, der die Leute freundlich anspricht und auf den Holzbohlenweg hinweist", schlug er vor. Das entlaste die Dünenranger bei ihrer Arbeit und erspare ihnen fruchtlose Diskussionen mit uneinsichtigen Touristen, so Siemens. Dünenrangerin Ute Pausch ergänzte, dass die Besucher froh über eine klare Lenkung seien. "Wenn die wissen, hier ist es sicher, dann sind die richtig dankbar", sagte sie in der Gemeindevertretersitzung.

Schlechte Erfahrungen im vergangenen Jahr

Hintergrund der Debatte waren auch Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr: 2018 waren vor allem zwischen den Tagen sehr viele Tagesgäste auf der Düne. Erstmals fuhr der Katamaran "Halunder Jet" von Hamburg zum roten Felsen. Mehr als 600 Menschen pro Tag besuchten die Düne und die Kegelrobben. "Wir sind regelrecht überschwemmt worden, es ist pure Glückssache, dass dabei nichts passiert ist", sagt Dünenrangerin Ute Pausch. Aber auch solche Begegnungen haben Folgen. "Die Jungtiere gewöhnen sich an den Menschen und nehmen uns nicht als Gefahr wahr", erklärt der Seehundjäger. "Mit zwei bis vier Jahren nähern sie sich dann Schwimmern und wollen mitspielen. Dabei kann es zu Biss- und Kratzwunden kommen."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.11.2019 | 08:00 Uhr

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