Stand: 23.11.2019 17:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Jugend regiert im Landtag

von Christian Wolf

Schon zum 33. Mal hat der Kieler Landtag Jugendliche aus dem ganzen Land eingeladen. Mit "Jugend im Landtag" soll jungen Menschen Politik nähergebracht werden. Falk-Ringo Finger ist einer von rund 90 Schülern und Auszubildenden, die dem Aufruf des Landtags gefolgt sind. "Ich interessiere mich schon seit Langem für Politik", erklärt der 17-Jährige. In der neunten Klasse brachte ihn sein Lehrer auf dieses Thema und begleitete ihn zum Jugend-Kreistag. "Dort wurde ich dann sogar zum Präsidenten gewählt - das war schon toll", erzählt der Elftklässler erfreut. Falk-Ringo hat hohe Erwartungen an das Wochenende: "Ich hoffe, dass ich mich hier auf alle Fälle weiterbilden kann."

Eintragen, zuhören, debattieren

Bevor Falk-Ringo sein politisches Verständnis verbessern kann, muss er sich erst einmal mit den Hausregeln vertraut machen. Das gewählte Präsidium aus dem Vorjahr erklärt den "Neuen" im Plenarsaal, was alles zu beachten ist. Danach kommt es dann zum ersten Stresstest. "Wir haben ein Planspiel gemacht. Es sollte der Bau eines Kohlekraftwerks in einer kleinen Gemeinde debattiert werden", erklärt der Schüler aus Wahlstedt (Kreis Segeberg). Die Diskussion wurde hitzig geführt: "Am Ende konnten wir uns dann aber auf einen Kompromiss einigen." Gegen 22 Uhr ist der erste Tag rum, die Debatten aber nicht. Auch in der Jugendherberge, in der fast alle Teilnehmer übernachten, wird noch eifrig weiterdiskutiert.

Touré: Aktion ist wichtige Erfahrung

Am zweiten Tag werden die jugendlichen Politiker von Landtagsvizepräsidentin Aminata Touré (Grüne) begrüßt. In ihrer Rede appelliert sie an die Mädchen und Jungen, sich politisch einzubringen, nur so könnten Veränderungen herbeigeführt werden. Die Aktion "Jugend im Landtag" ist für die 26 Jahre alte Politikerin eine wichtige Erfahrung: "Auf diese Weise bekommen die Jugendlichen einen Einblick und können demokratische Institutionen und Abläufe besser nachvollziehen, wie beispielsweise Entscheidungsprozesse entstehen." Danach geht es in die Arbeitsgruppen, um Anträge auszuarbeiten. Falk-Ringo hat Wirtschaft gewählt: "Das ist gerade bei uns im Unterricht Schwerpunkt, deshalb habe ich mich dafür entschieden. Ich hoffe, mehr Input von anderen Leuten zu bekommen, um mich weiterbilden zu können."

Großer Andrang bei der Arbeitsgruppe Umwelt

Neben Wirtschaft gibt es noch drei weitere Arbeitskreise: Bildung, Staatsaufbau und Umwelt. Vor allem letzterer hat großen Andrang. Die Jugendlichen arbeiten einen Maßnahmenkatalog zur Wende in der Agrar-, Energie-, Verkehrs- und Wirtschaftspolitik aus. Außerdem fordern sie, dass die Politik den Klimanotstand ausruft. Es geht aber auch um ganz pragmatische Themen wie Digitalisierung an Schulen oder Lehrkräftemangel. Insgesamt arbeiten die Jugendlichen 50 Anträge aus. Die sollen am darauffolgenden Tag erst im Plenarsaal diskutiert und anschließend darüber abgestimmt werden. Die fertigen Anträge gehen dann an die Politiker, damit sie sich mit ihnen auseinandersetzen.

Mögliches Sprungbrett in die echte Politik

Falk-Ringo will auf alle Fälle auch im kommenden Jahr bei der Aktion "Jugend im Landtag" dabei sein. Einen Job in der Politik kann sich der 17-Jährige schon vorstellen. Allerdings will er sich noch nicht auf eine Partei festlegen: "Ich mag das nicht so gerne, wenn man von Leuten in Schubladen gesteckt wird. Also, dass man dann sagt: Das ist ein Rechter oder ein Linker." Sollte er sich für einen Abgeordneten-Beruf entscheiden, wäre er nicht der Erste, der von der Landtags-Aktion den Sprung in die Politik geschafft hat. Tobias von der Heide (CDU) war mal Mitglied von "Jugend im Landtag". Heute arbeitet der 35-Jährige dort - als Abgeordneter.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.11.2019 | 17:00 Uhr

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