Stand: 06.02.2019 13:18 Uhr

Politiker wollen neuen Namen für Hindenburgdamm

Dass Hindenburg kein demokratisches Vorbild ist, hat sich herumgesprochen. Wie der Damm zwischen Sylt und dem Festland offiziell heißt, wissen dagegen nur wenige.

Er ist gut elf Kilometer lang, verbindet die Insel Sylt mit dem Festland - und trägt den Namen des ehemaligen Reichspräsidenten, der alles andere als ein Demokrat war und Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte: der Hindenburgdamm. Dieser Name sorgt für Diskussionen. Die SPD-Fraktion im Landtag sowie der Grünen-Politiker Andreas Tietze wollen die Verbindung nach Sylt gern umbenennen.

Aus Hindenburgdamm wird Syltdamm ...

"Hindenburg gehörte zu denen, die die Demokratie auf dem Gewissen haben. Da besteht heute keine Veranlassung, ihn mit Namensgebungen oder Ehrenbürgerschaften ein Denkmal zu setzen", sagt Martin Habersaat, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag. Grünen-Politiker Tietze sieht das ähnlich und schlägt vor, die Verbindung in "Syltdamm" umzubenennen.

... oder doch einfach Strecke 1210?

"Für uns Sylter und auch die Sylter Politik ist dieses Thema kein Thema", sagte Sylts Bürgermeister Nikolas Häckel dazu. Und vom Wirtschaftsministerium heißt es ebenfalls, ein neuer Name sei momentan kein Thema. Zumal der Hindenburgdamm offiziell gar nicht Hindenburgdamm heißt, wie die Deutsche Bahn mitteilt. "Strecke 1210" ist der eigentliche Name der Verbindung nach Sylt.

Deutsche Bahn: Es gab nie eine Taufe

Laut Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis erfolgte bei der Eröffnung 1927 keine offizielle Namensgebung und keine Taufe der Strecke. Aus den Unterlagen, die der Bahn vorliegen, gehe hervor, dass der damalige Generaldirektor der Reichsbahn, Julius Dorpmüller, den Namen in einer Rede nur emotional "ausgerufen" habe. Das sei nicht bindend, so Meyer-Lovis. Laut Deutscher Bahn hat sich der inoffizielle Name "Hindenburgdamm" bis heute nur im Volksmund gehalten.

Kritik von der Jungen Union

Die Junge Union Nordfriesland kritisierte daher auch, "SPD und Grüne wollen einen Damm umbenennen, der nicht einmal einen offiziellen Namen hat." Eigentlich sei diese Forderung Quatsch, aber sie sei auch bedenklich, hieß es in einer Mitteilung. Die Vergangenheit lasse sich nicht durch Streichung ungeschehen machen, stattdessen werde sie verklärt.

Zuletzt hatte sich die Bürgerschaft Lübecks entschieden, Straßen mit Namen, die aus der NS-Zeit historisch belastet sind, umzubenennen. Darunter findet sich auch der Hindenburgplatz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.02.2019 | 13:18 Uhr

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