Stand: 15.01.2019 13:23 Uhr

Hackerangriff auf Kreis Schleswig-Flensburg

Unbekannte Hacker haben mehr als 800 Datensätze von Bürgern aus dem Kreis Schleswig-Flensburg erbeutet. Nach Angaben des kommunalen Zweckverbandes Kommunit, der die Computersysteme für mehrere Kreise und Ämter in Schleswig-Holstein betreut, handelt es sich um Datensätze des sogenannten Belehrungsportals - hauptsächlich von Beschäftigten in der Gastronomie- und Lebensmittelbranche, die sich für die jährliche Hygienebelehrung anmelden wollten. Laut Zweckverband wurden Namen, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten und Telefonnummern erbeutet. Die unbekannten Angreifer hätten dem Zweckverband bereits angeboten, die Daten für insgesamt umgerechnet 100 Euro zurückkaufen zu können. Der Verband hat abgelehnt und Strafanzeige erstattet.

Vor knapp zwei Wochen hatte ein Datenklau für Aufsehen gesorgt, von dem Politiker, Journalisten und Künstler aus ganz Deutschland betroffen waren - unter anderen Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther.

Datenschützerin: Warenbestellungen möglich

Die Betroffenen des Hackerangriffs im Kreis Schleswig-Flensburg, über den der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag zuerst berichtet hatte, sind laut Kommunit informiert. Geld abheben oder heimische Computer lahmlegen könnten die Hacker mit den Daten nicht, sagte die Landesdatenschutzbeauftragte Marit Hansen. Aber sie könnten beispielsweise Waren per Rechnung an die Betroffenen liefern lassen, so Hansen.

Weitere Kreise sollen nicht betroffen sein

Dass weitere Daten aus dem Kreis Schleswig-Flensburg sowie weiteren Kommunit-Kunden - die Kreise Nordfriesland und Pinneberg sowie die Stadt Quickborn und mehrere Ämter - im Umlauf sind, schloss der Verbandsvorsteher von Kommunit, Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl (CDU), aus. Das betroffene System sei getrennt von anderen Kernsystemen und als Webanwendung leichter angreifbar. Inzwischen sei die Programmlücke geschlossen.

Landeszentrum für Datenschutz: 122 Fälle

Der kommunale Zweckverband hat nach eigenen Angaben - wie vorgeschrieben - das Landeszentrum für Datenschutz über den Vorfall informiert. Datenschützerin Hansen sagte NDR Schleswig-Holstein, "täglich" derlei Meldungen zu bekommen. Seit Ende Mai, als die Datenschutz-Grundverordnung in Kraft trat, seien 122 Fälle bei ihrer Behörde gemeldet worden. Dazu gehörten auch Fälle, bei denen "per Mail etwas schief gegangen ist oder per Post", so Hansen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.01.2019 | 12:00 Uhr

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