Stand: 15.08.2018 20:35 Uhr

"Haben Sie Stroh?" - Stroh- und Heupreise steigen

50 Prozent weniger werden sie dieses Jahr ernten: Carin Weiß aus Rastorf (Kreis Plön) ist Heubäuerin und leidet in diesem Jahr besonders unter der Dürreperiode im Land. Ende Juni erntete sie den ersten Heuschnitt. Normalerweise sollte das Feld jetzt hüfthoch bewachsen sein und fertig für den zweiten Schnitt. Doch in den Wochen der Hitze ist kaum etwas gewachsen. Selbst unter optimalen Bedingungen wird eine zweite Maht nur sehr gering ausfallen. "Es wird vielleicht kniehoch werden, aber dass es hüfthoch wächst - das werden wir nicht mehr bekommen", sagt Carin Weiß.

Heu nachkaufen - aber was steckt in den Ballen drin?

Um ihre Kunden versorgen zu können, kauft auch Bäuerin Carin Weiß Heu dazu. Einfach das Heu ausliefern kann sie aber nicht: "In die fertigen Ballen kann man nicht reingucken", erklärt sie. Deswegen muss sie ihre Kunden aufklären, darauf verweisen, dass das Heu dieses Jahr nicht von ihr kommt. Denn auch sie weiß letztlich nicht, welche Qualität es hat.

Nachfrage bestimmt den Preis

Stroh und Heu nach Schleswig-Holstein importieren? Auf den Straßen in Schleswig-Holstein ist genau das derzeit zu beobachten: Zahlreiche Lkw touren mit Ballen bepackt durchs Land. Sie transportieren vorwiegend das Futtermittel aus Skandinavien. In Dänemark beispielsweise hat man sich auf den Anbau spezialisiert - gerade wegen des ebenfalls heißen Sommers dort. Die Erträge fallen dort deswegen vergleichsweise hoch aus. Aber auch aus Süddeutschland, Frankreich oder Osteuropa wird geliefert. Das hat Folgen. Die Preise sind in die Höhe gestiegen. Heu ist um 30 Prozent teurer, die Preise für Stroh haben sich sogar verdoppelt. 200 Euro kostet eine Tonne - so viel wie noch nie. Für die Speditionen sind die schlechten Ernten ein Gewinn: Während die Sommerzeit normalerweise eher ruhig ist, sind die Auftragsbücher in diesem Sommer voll.

Bundeskabinett greift ein

Die Futterfrage ist inzwischen zu einem echten Problem geworden. Deswegen will das Bundeskabinett die dürregeplagten Bauern mit einer Verordnung den Anbau von Futtermitteln erleichtern. Der von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eingebrachte Plan sieht vor, dass sogenannte ökologische Vorrangflächen ausnahmsweise für Tierfutter genutzt werden können. Der Landesbauernverband hält die Verordnung für sinnvoll. Wichtig sei jetzt, dass auch langfristige Maßnahmen bei Produzenten, Politikern und Bauern folgen, damit sich Landwirte auf kommende Dürreperioden besser einstellen können, sagt Milchbäuerin Kirsten Wosnitza aus Löwenstedt (Kreis Nordfriesland), sie ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. Bis sämtliche Hürden genommen seien, um die Ausnahmeflächen zu nutzen, sei es für einige Bauern aber schon zu spät, merkt Joachim Becker, Milchbauer aus Ottenbüttel im Kreis Steinburg, an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.08.2018 | 22:00 Uhr

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