Stand: 28.08.2018 20:20 Uhr

Habeck geht: Ein Minister auf Abschiedstour

Es war ein Abschied auf Raten: Seit Monaten war klar, dass Robert Habeck (Grüne) sein Ministeramt in Schleswig-Holstein niederlegt. An diesem Freitag ist es so weit. Habeck will sich dann ganz seiner Aufgabe als Bundesvorsitzender der Grünen widmen und nicht mehr zwischen Berlin, Kiel und Flensburg pendeln. Der Landesverband der Grünen verabschiedete sein Zugpferd am Dienstagabend in einem Lokal am Falckensteiner Strand bei Kiel. Vor 120 politischen Weggefährten sagte Habeck, dass ihm der Weggang schwerfalle. Aber mit dem Ende der parlamentarischen Sommerpause sei jetzt der richtige Moment zu gehen. "Außerdem", fügte Grünen-Landeschef Steffen Regis hinzu, "Habeck ist ja nicht weg." Er behalte seinen Wohnsitz in Flensburg.

Fischer: Es gab schon schlechtere Minister

Während Parteifreunde voll des Lobes sind für das, was Habeck in den Jahren als Landeschef der Grünen und als Minister in Schleswig-Holstein erreicht hat, waren die Fischer im Norden nicht immer einer Meinung mit dem scheidenden Umweltminister. So wollte Habeck die Stellnetzfischerei stark einschränken, um Tauchenten und Schweinswale besser zu schützen. Am Ende gab es eine freiwillige Selbstverpflichtung der Fischer. "Jeder hat seinen eigenen Kopf, wir Fischer auch", sagt Lorenz Marckwardt, Vorsitzender des Landesfischereiverbandes, und fügt an: Aber Habeck habe auch gemerkt, dass die Fischer kompromissbereit seien. Er habe schon schlechtere Fischereiminister gesehen.

Bauern: Habeck interessiert sich wirklich

Besonders skeptisch gegenüber Habeck waren die Landwirte, als er vor sechs Jahren sein Ministeramt antrat: Sie brachten Protestplakate an der Autobahn an, demonstrierten gegen seine Politik und pfiffen ihn aus. Als nicht immer einfach beschreibt der Vize-Präsident des Bauernverbandes, Klaus-Peter Lucht, dann auch den Grünen-Politiker. "Wenn man mit Habeck Stress hat, dann kommt es vor, dass er sich wie so ein kleiner Junge benimmt, total bockig." Dem Schleswig-Holstein Magazin sagte Habeck, dass er manchmal damit kämpfen müsse, seine Emotionen im Griff zu behalten: "Ich entschuldige mich bei denen, denen ich dabei auf die Füße getreten habe."

Versuche, Kompromisse zu finden, gab es zahlreiche. Oft waren sie erfolgreich - auch, weil Habeck den Landwirten zuhörte. "Er hat sich wirklich für ein Problem interessiert, hat sich das vor Ort ohne Presse angeguckt, sich ein eigenes Bild gemacht und dann neu nachgedacht", sagt Lucht.

Stationen von Robert Habecks Karriere in SH

Letzte Station: Bauerntag in Rendsburg

Habecks letzter offizieller Termin im Norden ist der Landesbauerntag in Rendsburg. "Das ist ein spannender Termin", sagt Habeck: "Da wurden in den vergangenen Jahren mal Trillerpfeifen ausgeteilt, da wurde aber auch geklatscht." Wie es diesmal auch sein mag - seine letzten Ministerstunden werden ihn berühren. "Dann gebe ich mein Handy ab, den Laptop und die Karte für den Landtag", erzählt Habeck. "Im Anschluss geht es mit dem Zug nach Köln, wo ich abends eine Veranstaltung als Parteivorsitzender habe". Vielleicht kommt er nach der Veranstaltung auch dazu, die Flasche Bier zu trinken, die ihm der Grünen-Landesverband am Dienstagabend schenkte. Größere Geschenke gab es nicht. Die Grünen wollten den Abschied unprätentiös halten.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 28.08.2018 | 19:30 Uhr

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