Stand: 24.02.2020 20:17 Uhr

Gymnasium in Lübeck: Engagiert und digitalisiert

von Hauke von Hallern

Der Digitalpakt der Bundesregierung, beschlossen von Bund und Ländern. Fünf Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren in die Digitalisierung von allgemeinbildenden Schulen fließen. Für Beamer, digitale Tafeln oder Servertechnik. Doch Geld alleine kann die Digitalisierung nicht voranbringen. Das zeigt ein Beispiel aus Lübeck. Das Katharineum ist mit 500 Jahren Geschichte das älteste Gymnasium in der Hansestadt. Die Mauern sind historisch, die Ausstattung dagegen hochmodern: leistungsfähige Server, WLAN, ein Netzwerk mit mehr als 150 Computern. Dass alles reibungslos funktioniert, haben die 900 Schüler und Lehrer im Katharineum der Computer AG der Schule zu verdanken.

Computer AG kümmert sich um komplette IT

In der AG wird gefachsimpelt: "Willst du da vielleicht noch ne row machen, weil gleich kommen ja noch die persons ..." Jonathan Wendt und seine Klassenkameraden tüfteln an "Schoolapps". Sie bietet aktuelle Stunden- und Vertretungspläne, Veranstaltungen und das aktuelle Mensa-Essen. All das können Schüler im Katharineum jederzeit über die App auf dem Handy abrufen.

"Das ist schon ein schönes Gefühl für etwas verantwortlich zu sein, sich darum zu kümmern, es weiter zu entwickeln. Auch wenn es manchmal ein bisschen Arbeit ist, das macht einfach unheimlich viel Spaß", erzählt Wendt. Der 16-Jährige hat schon als Grundschüler an Datenbanksystemen gearbeitet.

Drei Schüler und ein Lehrer sitzen in einem Computerraum einer Schule. © NDR
Informatik-Lehrer Frank Poetzsch-Heffter (r.) und die AG sind auch zur Stelle, wenn der Server ausfällt oder ein Laptop nicht funktioniert.

Er und seine Kollegen programmieren an ihrer Schul-App. Das Ziel: Jeder Schüler soll nur die Infos auf sein Handy bekommen, die er auch braucht: die Speisepläne der Mensa für alle, die Stundenpläne der zwölften Klassen nur für die Abiturienten.

Informatik-Lehrer Frank Poetzsch-Heffter und die AG kümmern sich aber nicht nur um die App, sondern auch um andere Probleme: Wenn das Netzwerk spinnt, der Server ausfällt, oder das WLAN zusammenbricht. "Die Schüler meiner AG werden immer gerufen, wenn es brennt, teilweise auch aus dem Unterricht heraus", berichtet Poetzsch-Heffter. Die Teenager würden sich dann darum kümmern, dass zum Beispiel ein Laptop repariert wird. "Damit ihn die anderen Schüler dann wieder nutzen können und der Unterricht weiterlaufen kann", sagt der Lehrer.

Bei Fördermitteln geht Katharineum leer aus

Elf Millionen Euro Fördermittel aus dem Digital-Pakt von Bund und Ländern investiert die Stadt Lübeck in den kommenden fünf Jahren in ihre Schulen. Das Katharineum geht aber erst mal leer aus. Der Grund: Die Schule ist schon gut aufgestellt. Die Grundausstattung, für die das Geld bestimmt ist, hat sie schon: aus Haushaltsmitteln finanziert, in Eigenregie installiert.

Vom Digitalpakt profitieren zunächst die Schulen, die noch nicht so weit sind wie das Katharineum. "Der Vertrag zwischen Bund und Ländern sagt: erstens WLAN, zweitens Präsentationstechnik und drittens Endgeräteausrüstung. Im Moment ist unsere Hauptaufgabe, den Support der Technik zu organisieren. Da müssen Fachleute im Hintergrund sein, die kommen, wenn etwas nicht funktioniert", erklärt der Bereichsleiter für Schule und Sport der Stadt Lübeck, Friedrich Thorn.

Digitalisierung: Vor allem Eigeninitiative gefordert

Für Lehrer Poetzsch-Heffter steht ohnehin fest: Für eine sinnvolle Digitalisierung an Schulen braucht es mehr als nur Geld. "Lehrer müssen fortgebildet werden, diese Dinge dann auch zu benutzen. Es muss einfach Zeit da sein, dass die Schulen sowas auch ausprobieren können", erzählt er.

Die Computer AG will die "Schoolsapps" auch für andere Schulen in Schleswig-Holstein zur Verfügung stellen. Weil Geld alleine die Schulen nicht in die Zukunft bringt, sondern Engagement wie bei den Schülern und Lehrern am Katharineum zu Lübeck.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 24.02.2020 | 19:30 Uhr

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