Stand: 27.03.2018 14:57 Uhr

Geständnis im Prozess um getöteten Flüchtling

Mit dem Geständnis eines der beiden Angeklagten hat am Dienstag in Flensburg der Mordprozess um den Tod eines Flüchtlings auf der Nordseeinsel Amrum begonnen. Die zur Tatzeit 19 und 26 Jahre alten angeklagten Deutschen sollen den Iraker im April 2017 mit mehreren Messerstichen getötet und anschließend in den Dünen verscharrt haben. Sie sind wegen Mordes angeklagt. Der jüngere der beiden Angeklagten gestand zu Prozessbeginn die gemeinschaftlichen Messerstiche. Der ältere Angeklagte schwieg zu Prozessbeginn, kündigte aber an, im Laufe des Verfahrens eine Erklärung abgeben zu wollen.

Welche Rolle spielte die Schwester des Angeklagten?

Am ersten Verhandlungstag kam auch ein mögliches Motiv zur Sprache. Eine wichtige Rolle könnte dabei die Schwester des jüngeren Angeklagten gespielt haben, die mit dem älteren Angeklagten liiert war. Dieser habe ihm gesagt, dass dessen Schwester von dem Iraker vergewaltigt wurde. Noch am selben Tag haben die beiden den Flüchtling nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter einem Vorwand in die Dünen gelockt und erstochen.

Ob es wirklich eine Vergewaltigung gab, steht laut Staatsanwaltschaft nicht fest. Das muss im Laufe des Verfahrens geklärt werden. Auch, ob dies tatsächlich das Motiv der beiden war, gilt es demnach zu klären. Möglicherweise hatten das spätere Opfer und die Schwester des Angeklagten auch eine Beziehung.

Drei junge Männer verschwinden

Rückblende: Mitte Mai 2017 wendet sich die Polizei auf Amrum mit einer Vermisstenmeldung an die Bevölkerung. Drei junge Männer sind zu dem Zeitpunkt seit knapp zwei Wochen verschwunden. An ein Verbrechen denkt zu diesem Zeitpunkt keiner. Die Polizei geht damals vielmehr davon aus, dass der Iraker und die zwei jungen Deutschen, die im gleichen Mehrfamilienhaus auf Amrum wohnen, gemeinsam unterwegs gewesen seien. Der Flüchtling lebte seit November 2015 auf der Insel.

Leichenspürhunde kommen zum Einsatz

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Suche nach vermisstem Flüchtling: In den Dünen der Insel Amrum wird im Oktober 2017 die Leiche eines Irakers entdeckt.

Im Juli werden die damals 19 und 26 Jahre alten Männer erstmals wieder gesehen. Wo sie sich aufgehalten haben und wo ihr Bekannter ist, wollen sie nicht sagen. Bei den Ermittlern wächst die Befürchtung, dass der Iraker die Insel nicht verlassen hat und einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Im Oktober sucht die Polizei mit Leichenspürhunden mehrere Tage lang die Insel ab - zunächst ohne Erfolg.

Toter Flüchtling wird in den Dünen entdeckt

Die beiden Bekannten des Vermissten werden in Chemnitz festgenommen, sie gelten nun als dringend tatverdächtig, den 27-Jährigen getötet zu haben. Der jüngere der beiden bringt die Ermittler dann auf die Spur des Vermissten. Er gibt einen Hinweis, dass der Leichnam an der Südspitze der Insel zwischen Dünen vergraben worden sei. Dort wird er auch gefunden.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.03.2018 | 14:00 Uhr

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