Gegen Stau auf Urlaubsinsel Sylt: Fahrservice per App

Stand: 13.07.2021 05:00 Uhr

Sylt plant weniger Individualverkehr - und um das umzusetzen, können Touristen und Sylter ab sofort einen elektrischen Fahrservice per App bestellen.

Zu viele Autos auf Sylt (Kreis Nordfriesland) sorgen für eine Menge Staus auf der Insel, der Verkehr kollabiert regelmäßig - vom Umweltaspekt ganz abgesehen. Mit einem neuen Angebot wollen die Sylter Verkehrsbetriebe gegensteuern: Per "Sylt Ride"-App können sich Fahrgäste seit Montag (12.7.) einen von drei Elektro-Kleinbussen bestellen. Das soll es laut Betreiber attraktiv machen, sich lieber fahren zu lassen, als den eigenen Wagen zu bewegen.

Bis zu sechs Fahrgäste in einem Wagen

Drei Wagen von "Sylt Ride" mit der Aufschrift "Sylt Go!" stehen nebeneinander. © NDR
Derzeit sind drei neue E-Kleinbusse auf Sylt unterwegs.

Ähnliche Sharing-Systeme sind in Städten bundesweit schon in Betrieb, auch in Schleswig-Holstein - zum Beispiel im Kreis Stormarn. Sie werden nach dem US-amerikanischen Vorbild auch RidePooling genannt, das an die Idee von Fahrgemeinschaften anlehnt. Das Prinzip: Im Idealfall teilen sich bis zu sechs Fahrgäste eine Fahrt, nehmen dafür auch kürzere Umwege in Kauf. Unterwegs können Gäste zusteigen, wenn sie ein ähnliches Ziel haben und noch Plätze frei sind. Für die Fahrt wird ein Grundpreis von 4,15 Euro plus 50 Cent pro Kilometer fällig, jede weitere Person zahlt pauschal 2,00 Euro.

Ein Paar auf Sylt hat den neuen Service von "Sylt Ride" von Westerland nach Keitum ausprobiert. Die Fahrt hat für beide 8,15 Euro gekostet. Im Bus hätten sie zusammen gut 6 Euro gezahlt, im Taxi fast 15 Euro. Damit ist "Sylt Ride" irgendwo dazwischen angesiedelt.

Verkehr auf Sylt oft am Limit

Wie in anderen Orten kommt das Angebot auch hier auf Sylt als Zusatz zu den öffentlichen Bussen. Die neuen Kleinbusse sind laut Betreiber zunächst in einem Radius von etwa zehn Kilometern unterwegs. Für den Vorsitzenden des Sylter Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Dirk Erdmann, ist das ein guter Plan. "Wir haben ja gerade in Corona-Zeiten erlebt, dass der Verkehr auf Sylt an seine Grenzen stößt, um es mal vorsichtig zu sagen", berichtet er. "Wir müssen einfach etwas Neues ausprobieren, damit wir den Verkehr auf unserer geliebten Insel in den Griff bekommen."

Transport möglichst von Tür zu Tür

Projektleiter Martin Wopert fährt einen der drei Kleinbusse. Es gebe rund 1.000 virtuelle Haltepunkte, an denen die drei Elektro-Fahrzeuge halten können, sagt Wolpert. "Die Haltepunkte sind maximal 200 Meter voneinander entfernt", erklärt er. Das soll Fahrgäste besonders ansprechen: Sie sollen möglichst annähernd von Tür zu Tür kommen. Im Moment funktioniert das System nur per App, später soll den Angaben nach auch die Möglichkeit einer telefonischen Buchung für handylose Menschen dazukommen.

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Schleswig-Holstein Magazin | 12.07.2021 | 19:30 Uhr

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