Stand: 14.12.2017 17:54 Uhr

Kubicki sagt Tschüss - und wird Ehrenvorsitzender

Für die FDP im Norden geht eine Ära zuende: Nach rund einem Vierteljahrhundert verlässt ihr Fraktionschef Wolfgang Kubicki den Schleswig-Holsteinischen Landtag und legt sein Mandat nieder. Er ist seit September Mitglied des Deutschen Bundestages und dort auch Parlamentsvizepräsident. Seine Fraktion wählte ihn zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit. Am Abend gibt es im Gästehaus des Landtags einen Abschiedsempfang mit viel politischer Prominenz. Fast 1.800 Mal hatte der brillante Rhetoriker als Landtagsabgeodneter das Wort ergriffen und sich, meist scharfzüngig, mit politischen Gegnern so manche Redeschlacht geliefert.

Tränen bei letzter Rede im Landtag

Wolfgang Kubicki schießen am Rednerpult im Landtag Tränen in die Augen. "Selbst mir passiert das", sagt der 65-Jährige, der für Wortwitz und Austeilen bekannt ist. Er entschuldigt sich, mit seiner spitzen Zunge - meistens unabsichtlich, wie er unter Gelächter sagt - andere Parlamentarier verletzt zu haben. Er sprach nochmal seinen Lieblingsgegner Ralf Stegner, mit dem er sich unzählige Rede-Duelle geliefert hat, direkt an. "Das Parlament wäre ohne Sie definitiv ärmer gewesen", sagt er über Stegner. An alle Parlamentarier appellierte er: "Macht euch nicht zu klein!" Seine Rede schließt er mit den Worten: "Ich sage nicht auf Wiedersehen, sondern nur Tschüss und wünsche weiterhin viel Erfolg."

Wolfgang Kubicki nimmt Abschied vor dem Kieler Landtag

Kubicki nimmt tränenreich Abschied in Kiel

Schleswig-Holstein Magazin -

Bei seinem letzten Auftritt im Kieler Landtag gab es für Wolfgang Kubicki Standing Ovations von den Abgeordneten. Sein Nachfolger als FDP-Fraktionschef wird Christopher Vogt.

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"Strande bleibt mein Lebensmittelpunkt"

Sein lebenslanger Ehrenvorsitz der Fraktion, meinte der 65-Jährige augenzwinkernd, gelte unter der Voraussetzung, dass er regelmäßig teilnehme und die Fraktion mit alkoholischen Getränken versorge. Ihn habe der Ehrenvorsitz sehr berührt und er habe sich vorgenommen, möglichst lange zu leben. Seinen Lebensmittelpunkt werde er weiter in Strande bei Kiel haben. Zu seinem Nachfolger als Vorsitzender wählte die Fraktion den bisherigen Parlamentarischen Geschäftsführer Christopher Vogt. Kubicki selbst hatte den 33-Jährigen vorgeschlagen, der seit 2009 für die FDP im Landtag sitzt.

Provokateur und schillernde Figur

Kubickis markige Sprüche sind legendär, auch abseits des Parlaments. Als er im vergangenen Jahr von seiner Partei mit 99 Prozent der Stimmen als Spitzenkandidat für die Landtagswahl aufgestellt wurde, sagte der Liberale: "Dieses Ergebnis ist wirklich auch für mich überraschend. Ich hätte mit 110 Prozent gerechnet". In Anlehnung an US-Präsident Trump kündigte er an: "I will make Schleswig-Holstein great again". Nun geht er in die Bundespolitik - obwohl er das noch vor einigen Jahren in einem Zeitungsinterview kategorisch ausgeschlossen hatte: "Ich würde in Berlin zum Trinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock". Davor hat Kubicki nun offenbar keine Angst mehr. Nach der für die FDP erfolgreichen Bundestagswahl im September kündigte er an: "Ich werde heute Abend noch richtig einen trinken!"

Spitznamen: Chef, Schatzi und kleines Arschloch

In der Bundes-FDP galt Kubicki lange als Besserwisser, Querkopf und Störenfried aus Kiel. Das hat sich gewandelt. Während der Jamaika-Sondierungen war der Jurist wiederholt als Bundesfinanzminister gehandelt worden. Zu den langwierigen Gesprächen in Berlin fand er deutliche Worte: "Wenn ich als Anwalt bezahlt werden würde, wäre ich jetzt ein reicher Mann, mit den Stunden, die wir verbracht haben. Es wird Zeit, dass die Sondierungsgespräche zu Ende gehen. Es nervt einfach auch nur noch."

In einem NDR-Interview gab Kubicki auch mal einen Einblick in sein Privatleben. Auf die Frage, ob er einen Spitznamen habe, antwortete er: "Chef. Meine Frau nennt mich gelegentlich auch Schatzi. Und manchmal ist sie böse mit mir, dann sagt sie: 'Du kleines Arschloch'."

Weggefährten und Widersacher würdigen Kubicki

Parteifreunden und auch Vertretern anderer politischer Lager in Schleswig-Holstein wird Wolfgang Kubicki fehlen. "Er hat den Landtag geprägt wie kaum ein Zweiter", sagt Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Er habe bis zum Schluss gehofft, dass der FDP-Politiker in Schleswig-Holstein bleibt, so Günther. Als jemanden, der aus dem Alltag des Parlamentarismus herausrage, würdigt sogar SPD Landeschef Stegner Kubicki zum Abschied. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) lobt vor allem die rhetorischen Fähigkeiten des Liberalen: "Kubicki hat uns bereichert mit sehr launigen und pointierten Reden". Lars Harms vom Südschleswigschen Wählerverband (SSW) schätzt nach eigenem Bekunden die Verlässlichkeit des FDP-Politikers. "Ein guter Mensch verlässt das Land und bereichert dann Berlin", findet der SSW-Vorsitzende im Landtag.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.12.2017 | 08:00 Uhr

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