Eine Schwimmtrainerin unterstützt einen Jungen beim Schwimmen auf dem Rücken. © NDR

Flensburger Schwimmklub: Zwischen Training und Kinderschutz

Stand: 23.10.2021 14:02 Uhr

Hilfestellung oder theoretische Erklärung - ein Balanceakt für alle Schwimmtrainer im Land. Der Flensburger Schwimmklub hat jetzt eine Kinderschutzbeauftragte und tauscht sich über das Thema im Kollegium regelmäßig aus.

Zweimal in der Woche trainiert Schwimmlehrerin Louisa Koop vom Flensburger Schwimmklub eine Gruppe von Kindern zwischen vier und sechs Jahren. Sie ist nicht nur Trainerin, sondern seit kurzem auch Kinderschutzbeauftragte, und berichtet davon, dass es im Training oft ein Balance-Akt ist: "Ich fühle mich immer so ein bisschen im Grenzbereich. Was darf ich, was darf ich nicht? Es gibt Situationen, die sind schwierig, aber die müssen wir einfach irgendwie umsetzen. Denn Kinder brauchen ja Hilfestellungen beim Schwimmenlernen. Aber ich kann ja steuern, wo ich die Kinder anfasse - nicht am Po, nicht an der Brust." Für Louisa Koop ist das Thema Kinderschutz sehr wichtig. Sie will Achtsamkeit schaffen und eine Kultur des Hinschauens: "Damit die Eltern uns die Kinder sicher und im Vertrauen geben können."

Kompromiss mit Jugendlichen gefunden

Ähnlich sieht es auch ihr Kollege Dennis Brocks. Er trainiert unter anderem eine Leistungsgruppe mit Kindern im Alter von 12 bis 16 Jahren. Er hat mit seiner Gruppe gemeinsam Grenzen festgelegt. "Die sind alle schon im pubertären Alter und selbst auch sensibler. Deshalb haben wir einen Kompromiss gefunden. Zur Korrektur muss man einfach manchmal Körperkontakt aufbauen, aber man kann auch viel beschreiben," erklärt der Schwimmtrainer.

Team bespricht sich regelmäßig

Alle vier Wochen setzt sich das Team vom Flensburger Schwimmklub zusammen und spricht auch über das Thema Kinderschutz. Neue Trainer und Trainerinnen bekommen einen Leitfaden, in dem Handlungsempfehlungen und Grenzen im Umgang mit Kindern klar definiert sind. Denn immer wieder gibt es Situationen, die im Grenzbereich liegen, erklärt Schwimmtrainerin Ulrike Thielemann: "Wenn Kinder am Beckenrand stehen und reinspringen wollen, da aber noch ein anderes Kind im Wasser ist - dann hält man das Kind aus Sicherheitsgründen fest. Das könnte dieses Kind schon als Gewalt empfinden." Das sei zwar nicht so gemeint, aber so empfunden - das sei ein Spagat für jeden einzelnen Trainer.

Auch deshalb wird es immer schwieriger, qualifizierte Trainer und Trainerinnen zu finden, erzählen die Schwimmlehrer. Allein fünf fehlen im Flensburger Schwimmklub.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 23.10.2021 | 19:30 Uhr

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