Frisch gefangene Heringe liegen im Hafen von Freest in einer Fischkiste (Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns). © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Ostsee: Dorsch und Hering in Gefahr

Stand: 14.10.2020 17:42 Uhr

Die Bestände von Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee sind so klein, dass der Nachwuchs gefährdet ist. Das ist das Ergebnis einer Studie des Geomar Helmholtz-Zentrums.

Die Wissenschaftler des Geomar Helmholtz Zentrums für Ozeanforschung in Kiel hatten zusammen mit Berufsfischern im Frühjahr den Laich-Erfolg der Fische in der Kieler Förde untersucht. Die Ergebnisse bezeichnet das Geomar als "erschreckend und alarmierend".

Heringe schwimmen in der Ostsee © picture-alliance Foto: Wolfram Steinberg

AUDIO: Geomar: Dorsch und Hering in der Ostsee überfischt (1 Min)

Nachwuchsprobleme bei Hering und Dorsch

Beim Hering liegt der Nachwuchs seit 15 Jahren weit unter dem Mittel der vorherigen Jahre und nimmt weiter ab. Deswegen empfehlen Experten seit 2018 die Heringsfischerei komplett zu verbieten - dem sei die Politik aber bisher nicht gefolgt, heißt es in einer Mitteilung des Geomars. Auch um den Dorschbestand in der Ostsee steht es laut Geomar nicht gut. Es habe seit vier Jahren fast gar keinen Nachwuchs mehr gegeben. Der Bestand bestehe daher fast nur noch aus jetzt vierjährigen Dorschen, die sich noch nicht erfolgreich fortgepflanzt haben und die Hauptlast der Dorschfischerei tragen. "Wenn wir diesen Jahrgang ohne Ersatz verlieren, dann haben wir den Bestand verloren", sagte der Geomar-Meeresökologe Rainer Froese.

Klimawandel wird für Fische zum Problem

Die zu kleinen Fischbestände sind nach Angaben der Geomar-Wissenschaftler zudem extrem schlecht auf den Klimawandel vorbereitet. Das habe sich in diesem Frühjahr gezeigt. Der ungewöhnlich warme Winter habe die meisten Fische dazu veranlasst, zu früh abzulaichen, bevor genügend Nahrung für die Larven vorhanden war. Die Larven hätten zudem mit den eingeschleppten Rippenquallen um das Plankton konkurrieren müssen. "Wir hatten noch in keinem Jahr so viele Rippenquallen in unseren Proben wie jetzt", sagte Meeresbiologin Catriona Clemmesen vom Geomar. "Alle Anzeichen deuten daher darauf hin, dass es in diesem Jahr bei Dorsch und Hering keinen Nachwuchs geben wird."

Forderung Fischerei einzustellen

Die Wissenschaftler und die an der Studie beteiligten Fischer empfehlen, die Fischerei von Dorsch und Hering komplett einzustellen. Der Grund für die geringen Bestände sei die jahrzehntelange Überfischung. Die Fischer müssten aber entsprechend entschädigt werden, so die Forderung. Am Montag treffen sich die Landwirtschaftsminister der EU-Staaten, um die neuen Fangquoten festzulegen.

Weitere Informationen
Dennis Freitag nimmt einen Fisch auseinander. © NDR Foto: Astrid Wulf

Albrecht fordert Entschädigungen für Fischer

Um die Fischbestände zu schonen, möchte Fischereiminister Albrecht die Zahl der Ostseefischer reduzieren. Dafür fordert er ein attraktives Angebot für Fischer, die ihren Betrieb stilllegen. mehr

Am Strand von St. Peter-Ording liegen tausende angespülte kleine tote Fische. © Daniel Friederichs Foto: Daniel Friederichs

Gründe für Fischsterben an der Westküste bleiben unklar

An der Westküste Schleswig-Holsteins sind Tausende tote Fische angeschwemmt worden. Nach Angaben aus dem Umweltministerium sind die Gründe für das Fischsterben weiter unklar. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.10.2020 | 16:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Die Fußgängerzone von Heide im Kreis Dithmarschen. © NDR

Corona: Dithmarschen überschreitet Warnschwelle

In Dithmarschen gab es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 36 Fälle pro 100.000 Einwohner. Das hat Konsequenzen. mehr

Ein Miniaturhaus und Geld liegen auf einer Hand. © Fotolia.com Foto: Robert Kneschke

Immobilienpreise in Schleswig-Holstein steigen und steigen

Die Corona-Pandemie hat daran nichts geändert - im Gegenteil. mehr

Ein Mitarbeiter der Johanniter hält ein Teststäbchen in den Händen. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Corona: 163 neue Infektionen gemeldet - neuer Höchstwert

Seit Beginn der Pandemie sind in Schleswig-Holstein 5.877 Coronavirus-Infektionen nachgewiesen worden. Das sind 163 Fälle mehr als am Vortag. mehr

Ein Blaulicht auf einem Polizeiwagen, im Hintergrund ein weiterer Polizeiwagen. © picture alliance/dpa Foto:  Friso Gentsch

Lübeck: Schwester angeschossen? Mann muss in U-Haft

Eine 31-Jährige ist in Lübeck nach Angaben der Polizei von ihrem Bruder angeschossen und erheblich verletzt worden. mehr

Videos